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Moritz Leitner: "Da wusste ich: Hier bin ich richtig" - Interview, Norwich City

26-Jähriger von Norwich City im kicker-Interview

Leitner: "Da wusste ich: Hier bin ich richtig"

Moritz Leitner

Startete in Norwich wieder durch: Moritz Leitner. imago

Moritz Leitner, acht Spieltage vor Saisonschluss spielen Sie mit Norwich City um den Aufstieg in die Premier League. Überrascht?
Ja, es ist eine unglaubliche Saison bislang. Schon das Erreichen der Playoffs wäre eine Sensation, mit der wir vor der Spielzeit nicht gerechnet hätten.

Was macht die Stärke von Norwich City aus?
Wir sind ein Team - und nur so geht es. Man spürt, dass es uns in dieser Saison einfach Spaß macht. Jeder einzelne gibt alles für diesen Klub, das honorieren unsere Fans. Und wir spielen guten Fußball, den man sich gerne ansieht.

Spielersteckbrief Leitner

Leitner Moritz

Sky Bet Championship - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Norwich City
78
2
Sheffield United
74
3
Leeds United
73
Sky Bet Championship - 38. Spieltag

Sie setzen auf Ballbesitz, nicht auf Kick & Rush...
Ja, wir wollen den Ball haben, den Gegner laufen lassen, kombinieren, schöne Tore schießen. Unser Ziel ist es nicht, durch einen glücklichen Fernschuss zu gewinnen oder den Ball hoch und lang zu kicken, nur, weil es viele Gegner vielleicht so machen.

Ihnen scheint diese Spielweise entgegenzukommen. Nach schweren Jahren haben Sie in Norwich eine wichtige Rolle, auch wenn Sie zuletzt verletzt ausfielen. Hätten Sie damit vor Ihrem Wechsel in die 2. englische Liga gerechnet?
Das hätte wohl niemand gedacht, dass ich hierhin passe. (lacht) Im Ernst: Daniel Farke und ich kannten uns schon aus Dortmund. Er wusste genau, wie ich ticke - und er tickt ganz ähnlich. Wir sind ein gutes Team, können gut miteinander quatschen, auch mal über andere Dinge als Fußball. Und das Wichtigste: Wir haben die gleiche Idee von Fußball. Ich liebe es, wie wir spielen. Das ist genau meins. Und deshalb bin ich auch so glücklich hier.

Welche Rolle spielt es, dass Sie in England weit weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen als in Deutschland?
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich schwierige Zeiten hatte. Ich bin - ob zu Recht oder zu Unrecht - in Deutschland irgendwann in einer Schublade gelandet. Aber das ist Vergangenheit für mich. Hier in Norwich ging es bei Null los. Und als mich die Fans bei meinem ersten Ballkontakt direkt bejubelt haben, wusste ich: Hier bin ich richtig. Das war ein unglaublich schöner Moment. Genau dafür lebe und spiele ich Fußball. Die Leute hier hat nicht interessiert, warum es vorher da und da nicht geklappt hat. Ihnen war wichtig, dass ich alles gebe. Nicht, welches Auto ich fahre oder welche Klamotten ich trage.

Sie haben in Norwich bis 2022 unterschrieben, Ihr Trainer Daniel Farke verlängerte in der vergangenen Woche ebenfalls bis 2022. Wie wichtig ist er für die positive Entwicklung des Klubs?
In meinen Augen ist er ein super Trainer, der aus den Möglichkeiten hier bislang das bestmögliche gemacht hat. Er ist charakterlich wie fachlich überragend, macht jeden seiner Spieler und die Mannschaft insgesamt besser. Der ganze Verein würde für ihn durch das Feuer gehen.

Führt Sie diese Geschlossenheit am Saisonende in die Premier League?
Die Premier League ist natürlich ein großes Ziel für uns alle. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir auch in den letzten Spielen total fokussiert sein und weiter Vollgas geben. Wir müssen uns jeden Sieg hart erarbeiten. Sorgen, dass wir den Endspurt zu leichtnehmen könnten, mache ich mir allerdings nicht. Und sollte dieser unwahrscheinliche Fall doch eintreten, hätten wir immer noch den Boss, wie wir den Trainer hier nennen. Er würde uns die richtige Einstellung sofort wieder eintrichtern.

Lesen Sie mehr über die überraschende Erfolgsgeschichte von Norwich City in der aktuellen kicker-Montagsausgabe.

Interview: Matthias Dersch