Wolfsburgs Linksverteidiger so schnell wie Bolt

Roussillon: Der schüchterne Star

Jerome Roussillon

Überragte einmal mehr im VfL-Trikot: Jerome Roussillon (li.). Getty Images

Stehende Ovationen für Jerome Roussillon, als er am Samstag wenige Minuten vor Schluss den Platz verließ. "Der Turbo war leer", sagte VfL-Kapitän Josuha Guilavogui lachend über seinen französischen Landsmann, "er hat einen Krampf gehabt." Kein Problem nach der nächsten Galavorstellung des Linksverteidigers, der entscheidend daran beteiligt war, dass das Spiel zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden war. Anerkennend erklärt Guilavogui: "Wenn Rouss den Turbo anmacht, kann ihn keiner stoppen."

3,7 Sekunden auf 30 Metern sind bei Roussillon gestoppt, so schnell war auch Usain Bolt bei seinem 100-Meter-Weltrekord auf den ersten Metern. Woher kommt's? "Das liegt in den Genen", sagt Roussillon leise. Der 26-Jährige ist kein Mann der großen Worte. Der schüchterne Star lässt lieber Taten sprechen. So auch gegen Düsseldorf, als er vor dem 4:1 über den halben Platz marschierte und den Weghorst-Treffer auflegte. "Das Solo war sensationell", lobt Trainer Bruno Labbadia "die Kraft und die Power" seines Außenverteidigers, sieht dabei aber noch Luft nach oben. "Diese Dinge kann er noch mehr machen." Fünf Vorlagen (und zwei Tore) sind für Roussillon in dieser Saison bislang notiert, viermal servierte er für Weghorst, einmal für Yannick Gerhardt.

Spielersteckbrief Roussillon

Roussillon Jerome

Siege wie gegen Düsseldorf lassen den 1,75 Meter kleinen Offensivverteidiger strahlen. Beim 0:6 in München in der Woche zuvor hatte er noch geschimpft und geflucht. Das Debakel nahm Roussillon sichtlich mit. "Das tut noch immer weh", sagt er, "unser Sieg gegen Düsseldorf war wichtig für uns und die Fans."

Zu große Konkurrenz in der Nationalmannschaft

Die Frage, die sich angesichts Roussillons herausragenden Darbietungen in dieser Spielzeit stellt: Wann ist der Wolfsburger ein Thema bei der französischen Nationalmannschaft? Fünf Länderspiele für die U 18 und U 20 seines Landes hat er früher mal absolviert, für die A-Elf reichte es auch für die anstehenden Länderspiele wieder nicht. Die Konkurrenz ist noch zu groß. "Wir waren trauriger als er", sagt Landsmann Guilavogui, der hofft, dass Roussillon bei den Länderspielen nach der Saison eine Chance erhält. "Wenn wir in der Europa League dabei sind, hat er vielleicht eine Chance." Und was sagt Roussillon dazu? Er lächelt verlegen. "Ich muss arbeiten."

Thomas Hiete

Bilder zur Partie VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf