DFB-Präsident kündigt Gespräch an

"Es wäre klug gewesen...": Grindel relativiert Löw-Kritik

Joachim Löw mit Reinhard Grindel (r.)

Kritik oder nicht? Joachim Löw mit Reinhard Grindel (r.). imago

Viele haben Joachim Löws Vorgehen kritisiert - am Rande des FIFA-Kongresses in Miami äußerte sich auch der DFB-Präsident. Reinhard Grindel bemängelte das Vorgehen des Bundestrainers bei seiner Entscheidung, die drei Weltmeister Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller künftig nicht mehr zu nominieren.

"Ich glaube, dass es klug gewesen wäre, schon am Dienstag selbst, am Tag der Entscheidung, im Rahmen einer Pressekonferenz persönlich einerseits die Wertschätzung für die Spieler deutlich zu machen, andererseits die inhaltlichen Gründe der Öffentlichkeit zu vermitteln, warum man jetzt einen anderen Weg gehen will - so überzeugend, wie er das in seiner Pressekonferenz (am Freitag, d.Red.) gemacht hat ", sagte Grindel dem ZDF. "Wenn man das gleich gemacht hätte, wären sehr viele Fragen beantwortet und damit auch sehr viele Missverständnisse vermieden worden."

Löws Entscheidung an sich ("Das sind Entscheidungen des Bundestrainers, die ich - wie man weiß - so oder so mittrage") kritisierte Grindel ebenso wenig wie den Zeitpunkt: "Ich kann sehr gut verstehen, dass das für ihn der Zeitpunkt ist, zu dem er sich fragt: Wie soll mein Team 2020 aussehen?"

Und auch seine Aussagen zum Vorgehen selbst will Grindel ausdrücklich nicht als Kritik am Bundestrainer verstanden wissen, wie er inzwischen erklärte: "Dem widerspreche ich mit allem Nachdruck", sagte er am Sonntag. "Schließlich hätte ich selbst auch auf die Idee kommen können, eine solche Pressekonferenz anzuregen, als ich informiert wurde", ergänzte Grindel. Er habe auf eine entsprechende Frage hin lediglich deutlich machen wollen, "dass wir im DFB die Abläufe in dieser Sache selbstkritisch analysiert haben. Das darf nicht als Schuldzuweisung an irgendeine Person missinterpretiert werden".

Die Kommunikation rund um jenen 5. März will er aber offenbar auf den Prüfstand stellen, wie Grindel zuvor geäußert hatte. "Ich bin am Vormittag von Oliver Bierhoff angerufen und umfassend informiert worden", sagte er zwar. Aber: "Es wäre möglicherweise richtig gewesen, und darüber sprechen wir auch noch mal im Rahmen der Delegation, umfassend alle Delegationsmitglieder zu informieren."

Grindel stellt Trio Abschiedsspiel in Aussicht

Am Sonntagabend meldete sich Grindel nochmals zu Wort und stellte dem aussortierten Bayern-Trio ein Abschiedsspiel in der DFB-Elf in Aussicht. "Ich würde jetzt vorschlagen, dass sich mal alles setzt. Und wenn dann sich die Situation ergibt, dass die Spieler von uns verabschiedet werden möchten, dann werden wir das in einer angemessenen Form tun. Aber das hat sicherlich noch seine Zeit", sagte Grindel in der Sendung "Blickpunkt Sport" des Bayerischen Fernsehens.

Grindel wies zudem den Eindruck zurück, dass sich sein Verhältnis zu Löw zuletzt verschlechtert habe. "Wir haben keine unterkühlte Atmosphäre, sondern im Gegenteil, er hat die volle Entscheidungsfreiheit in sportlichen Angelegenheiten", sagte Grindel. "Bei uns ist alles in Ordnung."

jpe/sid/dpa

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