Bundesliga

Ärger zwischen Thomas Doll und Manuel Gräfe: "Scheiß auf Arroganz!"

Keine Trainerdiskussion bei Hannover 96

Ärger zwischen Doll und Gräfe: "Scheiß auf Arroganz!"

Thomas Doll

Fünfte Niederlage in Folge: 96-Trainer Thomas Doll. imago

Der Ärger über den Referee war riesig, wie ein paar Situationen zwischen Spielertunnel und Kabinen zeigten. Da nämlich gerieten Trainer Thomas Doll und Manuel Gräfe aneinander. "Das ist Arroganz, warf der Unparteiische dem 96-Coach vor, woraufhin Doll polterte: "Das ist Arroganz? Fünf Minuten sabbelst du uns voll. Scheiß auf Arroganz!"

Was war vorgefallen? Hannover hadert mit einer vom Schiedsrichter nicht registrierten Vorteilssituation (51.), als Nicolai Müller beim Stande von 1:0 allein auf FCA-Keeper Gregor Kobel zugelaufen wäre und die Chance zum 2:0 gehabt hätte; genauso mit der Freistoß-Entscheidung vor dem 2:1, als Oliver Sorg fällt, den Ball in die Hand nimmt, von Gräfe auf Handspiel gegen Hannover entschieden wird und Jonathan Schmid den Freistoß direkt verwandelt.

"Solchen Situationen entscheiden Spiele", ärgert sich auch Kapitän Marvin Bakalorz, der nicht als einziger Spieler seinen Unmut gegenüber dem Schiedsrichter äußerte. Auch Walace schimpfte beim Gang durch die Mixed Zone vor sich hin: "3:1 gewinnen die... Super, Schiri."

Ich war ein bisschen enttäuscht von ihm heute, weil ich finde, man muss auch mit Anstand verlieren können.

Gräfe über Doll

Gräfe hielt an seinem Arroganz-Vorwurf auch im Nachgang fest. "Ich finde immer, man sollte vernünftig und respektvoll miteinander umgehen. Wenn man dann draußen zwei-, dreimal in dieser Art und Weise nachsetzt, finde ich das nicht in Ordnung." Beim Freistoß vor dem 2:1 etwa habe "allenfalls ein minimaler Kontakt" vorgelegen, "der Spieler wollte nur ein Foulspiel ziehen, das pfeife ich nicht. Und da meinte er auch nur: 'Du laberst nur, du laberst nur.' Das fand ich despektierlich." Und "wenn ich mit ihm in einen Dialog treten möchte und er mich als 'labern' bezeichnet, ist das schon die erste Form der Arroganz".

Trainer forderten immer respektvollen Umgang von Seiten der Schiedsrichter, nur müsse das dann auch umgekehrt gelten. Außerdem habe er vor Hannovers Führungstor sehr lange Vorteil laufen lassen. Gräfes Fazit: "Ich war ein bisschen enttäuscht von ihm heute, weil ich finde, man muss auch mit Anstand verlieren können. Ich glaube, in einer Stunde weiß er auch, dass das etwas zu emotional von ihm war."

Eine Strafe muss Doll nicht fürchten: "Da war ja keine Beleidigung dabei"

Eine Strafe muss Doll nicht fürchten, Gräfe verzichtete auf einen Sonderbericht. "Da war ja keine Beleidigung dabei, das war Emotion, die gehört zum Fußball dazu. Für mich ist es vergessen. Für mich ist es abgehakt."

Für Doll galt das zumindest auf seiner Pressekonferenz noch nicht. "Mir Arroganz vorzuwerfen, das ist schon harter Tobak", wehrte er sich. "Man kann mir Leidenschaft oder Emotion vorwerfen, aber wer mich kennt, weiß: Arroganz wird bei mir nie einen Platz haben." In Richtung Gräfe sagte er: "Mittlerweile nimmt sich der eine oder andere vielleicht ein bisschen größer, als er ist. Und das hat mich geärgert und meine Spieler auch." Beim nächsten Mal werde man sich trotzdem die Hand geben.

Heldt will im "schlimmsten Fall mit Thomas wieder aufsteigen"

Um seinen Job indes muss Hannovers Trainer auch nach der fünften Niederlage in Folge nicht bangen, Manager Horst Heldt ließ nach dem Schlusspfiff keinerlei Trainerdiskussion aufkommen. Von Doll sei er "überzeugt". Und auch wenn "der schlimmste Fall eintreten sollte, wollen wir mit Thomas wieder aufsteigen".

Georg Holzner/jpe