Dortmund: Engländer hat "noch viel vor"

Sancho - Straßenfußballer zwischen Spaß und Ergebnis

Nur schwer zu halten: Dortmunds Jadon Sancho, links gehalten von Stuttgarts Alexander Esswein.

Nur schwer zu halten: Dortmunds Jadon Sancho, links gehalten von Stuttgarts Alexander Esswein. imago

Wenn Fußballer vor der Kamera gebetsmühlenartig wiederholen, die Tabelle interessiere sie gar nicht, ist das oft genug nur vorgeschoben, um unfallfrei an der damit verbundenen Frage vorbeizukommen. Sollte Jadon Sancho allerdings je diesen Satz sagen, es wäre vielleicht doch ein Funken Wahrheit dabei. Vor seinem Auftritt im "Feiertagsmagazin" des BVB jedenfalls schien der 18-Jährige jedenfalls noch nicht mitbekommen zu haben, dass nicht mehr seine Borussia, sondern der FC Bayern München an der Tabellenspitze rangiert - wenn auch nur dank der besseren Tordifferenz. "Die Bayern sind direkt hinter uns", sagt Sancho dort - und fordert drei Punkte in Berlin. "Denn sie werden weiter pushen. Also müssen wir es auch tun."

Sancho: "Der Straßenfußball wird immer ein Teil von mir bleiben"

Es ist ein verschmerzbarer Fauxpas des Youngsters, der den Fußball ja ohnehin anders sieht als viele seiner Berufsgenossen. Sancho ist in London groß geworden, genauer: auf den Straßen Kenningtons. Dort, im eher rauen Süden der englischen Hauptstadt, schaffte er sich auf hartem Beton jene Tricks drauf, mit denen er heute seine Gegenspieler auf dem Rasen regelmäßig stehen lässt. "Der Straßenfußball", sagt er, "wird immer ein Teil von mir bleiben. Und ich bin froh darum. Ich habe noch viel vor und dieser Teil von mir unterscheidet mich vom normalen Fußball."

Sancho ist eine der größten Attraktionen dieser Bundesliga-Saison

Auf der Straße zählt nicht primär das Ergebnis, es zählt der nächste Trick, der nächste Tunnel, die nächste Finte. Diese Lockerheit, dieses Fokussieren allein auf das Spiel, all das hilft ihm heute in den Druckmomenten auf der großen Profi-Bühne. Sancho ist eine der größten Attraktionen dieser Bundesliga-Saison - und ein wichtiger Faktor des BVB im Titelkampf mit dem FC Bayern.

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"Wir müssen weiter attackieren, so wie zu Beginn der Saison"

Doch in der Rückrunde fiel auch Sancho nicht mehr alles so leicht wie zu Saisonbeginn. Die herausragenden Einzelaktionen, die sein Spiel kennzeichnen, gab es auch nach der Winterpause noch zu sehen. Nur die Taktung war nicht mehr so eng. Alles völlig normal angesichts des jungen Alters des Flügelspielers. "Es ist eine harte Saison", sagt er selbst, "mit Aufs und Abs. Aber ich gebe immer 100 Prozent." Genau das fordert er auch von seinen Teammitgliedern für die Partie in Berlin - und die Zeit danach: "Wir müssen weiter attackieren, so wie zu Beginn der Saison."

Ein Sieg im Olympiastadion, wo der BVB seit vier Partien nicht gewinnen konnte, würde die durch den 3:1-Sieg über Stuttgart eingeleitete Trendwende manifestieren und die Titelchance lebendig halten. Es dürfte ganz in Sanchos Sinne sein. Straßenfußballer hin, Straßenfußballer her - inzwischen zählt auch für ihn das Ergebnis. "Der Spaß ist wichtig", sagt er, "aber man muss das Spiel auch ernst nehmen."

Matthias Dersch