München: Stichwort Geld und hohe Ablösen

Kovac verteidigt sich und stellt eine Grundsatzfrage

"Was müssen wir als Klub unternehmen, um in der neuen Saison besser aufgestellt zu sein?": FCB-Coach Niko Kovac.

"Was müssen wir als Klub unternehmen, um in der neuen Saison besser aufgestellt zu sein?": FCB-Coach Niko Kovac. imago

Der Trainer sah sich kritischen Fragen ausgesetzt, seine Antwort-Taktik bestand darin, den Gegner hervorzuheben. "Wir haben gegen die beste Abwehr der Premier League gespielt, die im Verbund sehr gut verteidigt", sagte Kovac beispielsweise. Bis 20 Minuten vor Schluss, also dem Treffer zum 1:2, habe seine Mannschaft das Spiel offengehalten.

Aber ist das der Anspruch des FC Bayern? Ein Spiel vor den Augen der ganzen Welt offen zu halten? Von der einst europaweit gefürchteten Mia-san-Mia-Mentalität war jedenfalls nicht viel zu spüren, la bestia negra, die schwarze Bestie, ging nicht auf Jagd. Nachdem Robert Lewandowski und Mats Hummels unmittelbar nach dem Spiel die defensive Herangehensweise angesprochen, ja kritisiert hatten, verteidigte sich Kovac diesbezüglich. "Die Herangehensweise war die selbe wie in Gladbach oder gegen Wolfsburg, die Anlaufhöhe ebenfalls. Der Unterschied ist: Wir haben gegen Liverpool gespielt, nach vorne hat es uns der Gegner schwergemacht, wir haben die Räume nicht gefunden." Die Kritik Lewandowskis ist für Kovac übrigens kein Problem: "Da war nichts Negatives, nichts gegen meine Person. Wenn Lewy das so empfunden hat, dann ist das okay."

Stichwort Geld und hohe Ablösen

Die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive mag an der Ausrichtung gelegen haben, sicher aber auch am Personal. Kein Müller, kein Kimmich, kein Robben, 60 Minuten kein Coman, zu viel für diesen FC Bayern auch wenn es natürlich keine Garantie gibt, dass sie mit diesen Stars besser gespielt oder gar gewonnen hätten. Zur unbequemen Wahrheit gehört, dass ein Rafinha oder Franck Ribery kein internationales Spitzenniveau mehr verkörpern, deshalb stellte Kovac auch Grundsatzfragen zum Personal. "Was müssen wir als Klub unternehmen, um in der neuen Saison besser aufgestellt zu sein?" Stichwort Geld und hohe Ablösen. "Wollen wir da mitmachen oder nicht? Wenn nicht, müssen wir damit leben, dass uns die anderen davonlaufen", so Kovac.

Transfers bleiben einstweilen ein Thema für den Sommer. In den verbleibenden zwei Monaten der Saison gibt es dagegen noch zwei Ziele: die siebte Meisterschaft in Serie und den DFB-Pokal. "Das dürfen wir uns nicht mehr nehmen lassen", forderte Kovac. Dafür benötigt sein Team am Sonntag drei Punkte gegen Mainz. So heißt der nächste Gegner in der Liga, auch wenn er am Freitag fast gar nicht zur Sprache kam.

Frank Linkesch

Bilder zur Partie Bayern München - FC Liverpool