Bundesliga

Vogts sorgt sich: "Hier läuft etwas falsch"

Weltmeister über Mängel im deutschen Fußball

Vogts sorgt sich: "Hier läuft etwas falsch"

Berti Vogts

Führte die DFB-Elf als Bundestrainer zum letzten EM-Titel: Berti Vogts. imago

Die Mönchengladbacher Abwehrlegende, die Deutschland 1996 in England als Bundestrainer zum EM-Titelgewinn führte, will den finanziellen Vorteil der Premier League nicht als einzige Erklärung gelten lassen. Den zweimaligen UEFA-Cup-Gewinner (1975 sowie 1979 mit der Fohlenelf) ärgert vor allem auch das schlechte Abschneiden in den jüngeren Jahren im Nachfolgewettbewerb Europa League.

Im Gespräch mit dem kicker mahnt Vogts Nachholbedarf an ...

... im taktischen Bereich: "Hier läuft etwas falsch. Ich bin oft in England, sehe, wie schnell dort gespielt wird und wie gut dort das Ballhalten und das Verschieben praktiziert wird. Es wird schneller und aggressiver gespielt. Wir in Deutschland gewinnen nicht mehr die Zweikämpfe, die Zweikämpfe, die wichtig sind für den Offensivspieler, die Zweikämpfe, die wichtig sind für den Defensivspieler. In Deutschland höre ich immer, wie 60 Prozent Ballbesitz gelobt werden. Was ist denn das schon wert? Wichtig ist doch, so schnell wie möglich umzuschalten. Wichtig ist, das Tempo hochzuhalten, das ist der moderne Fußball. Da sind viele, viele Fehler gemacht worden, schon seit einigen Jahren. Wenn man dann immer wieder hört, wie stark der deutsche Fußball ist, passt das nicht zusammen. Dazu sollte man sich einmal zusammensetzen: alle Bundesliga-Trainer und alle Trainer des DFB."

... in der Nachwuchsarbeit: "Ich habe mir auf Einladung von Martin Kind alle Einrichtungen im Nachwuchsbereich von Hannover 96 ansehen dürfen. Alles, was dort auf die Beine gestellt wurde, und die Möglichkeiten, die unsere Talente dort haben, sind großartig. Aber, der DFB muss etwas vorgeben, einen Leitfaden, in welche Richtung sich der Fußball orientieren soll. Und zwar jedes Jahr. Es ist nicht damit getan, dass man vor zehn Jahren Regeln aufgestellt. Die Leitungsebenen aller Nachwuchsleistungszentren und die Verantwortlichen im DFB gehören an einen Tisch. 16-, 17-Jährige aus den Akademien müssen etwa über die Landesverbände mehr Spielpraxis sammeln können".

... im Europapokal: "Das wiederholt frühe Ausscheiden von Bundesligisten in der Europa League in den jüngsten Jahren hat etwas mit mangelhafter Einstellung zu tun. Das ärgert mich. Man kämpft ein Jahr lang darum, dass man Sechster oder Siebter wird, und setzt dann international fünf, sechs Spieler ein, die in der Bundesliga normalerweise gar nicht spielen. Das ist eine Art von Überheblichkeit unserer Mannschaften."

jj