"Schon sehr weit für sein Alter" - Starke Leistungen in Augsburg

Baumann hat Konkurrent Kobel genau im Blick

Gregor Kobel & Oliver Baumann

Ab der kommenden Saison wieder Konkurrenten? Gregor Kobel (l.) und Oliver Baumann. imago

Sein Debüt in der Bundesliga feierte er noch für die TSG Hoffenheim. Am 5. Spieltag war das, da stand Gregor Kobel beim 3:1-Sieg in Hannover im Hoffenheimer Tor. Obwohl die Nummer 1, Oliver Baumann, weder verletzt noch formschwach war. Trainer Julian Nagelsmann gönnte damals seinem Stammkeeper aus Gründen der Belastungssteuerung eine schöpferische Pause. Im Bewusstsein, dass der junge Herausforderer reif und stabil genug für eine Premiere war. Kobel, der sonst nur im Pokal zu Zug kam, half in der Tat mit guten Paraden in der Schlussphase, den Dreier zu sichern.

Da hat er der Mannschaft außergewöhnlichen Rückhalt gegeben. Das sind die Ausschläge nach oben.

Oliver Baumann über die Leistung Kobels gegen Dortmund

Im Winter entschieden sich die Verantwortlichen, dem jungen Schweizer mit einer Leihe zu mehr Spielpraxis zu verhelfen. Die bekommt Kobel nun in Augsburg, wo der 21-Jährige in der Rückrunde durchgängig im Tor steht. Sieben Spiele hat der U-21-Nationalspieler seines Landes absolviert und zuletzt mit einer überragenden Leistung (kicker-Note 1) die Grundlage für den überraschenden 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund gelegt.

"Da hat er der Mannschaft außergewöhnlichen Rückhalt gegeben. Das sind die Ausschläge nach oben", sagt Baumann, der die Entwicklung Kobels genau verfolgt, "er macht gerade alles mit, was zum Torwartgeschäft dazugehört. Ich war auch der Meinung, dass er spielen und Erfahrungen sammeln muss." Gerade die besondere Konstellation im Tabellenkeller bringe einen jungen Schlussmann weiter. "Auch den Druck im Abstiegskampf lernt er kennen, den hatte ich damals in Freiburg auch gleich", erinnert sich Baumann, "daran wächst du, zumal es ein hartes Geschäft ist. Letztlich geht es darum, deine Leistung konstant zu bringen.

Nicht frei von Fehlern

Das tut Kobel durchaus, wenngleich sich nach wie vor noch vermeidbare Fehler in sein Spiel schleichen. So kassierte er beim 2:3 gegen die Bayern einen haltbaren Schuss durch die Beine, in Gladbach leitete er mit einer verunglückten Faustabwehr die 0:2-Niederlage ein. Dennoch konnte der 1,93 m lange Hüne sein Potenzial mit starken Reflexen, gutem Stellungsspiel und enormer Reichweite regelmäßig andeuten. Nur in der Strafraumbeherrschung offenbart Kobel noch Defizite. Und in der Konstanz.

"Er ist schon sehr weit für sein Alter", erkennt dennoch Baumann, "seinen Leistungen nach könnte ich mir vorstellen, dass ihn Augsburg behalten möchte. Aber da kommt es darauf an, was die TSG sagt, was er will und so weiter. Ich kann nur sagen, dass es für ihn das Beste ist, wenn er spielt." Augsburg würde diese Baustelle liebend gerne dauerhaft mit Kobel schließen. "Wir wussten, welches Potenzial er hat. Wenn er das einmal abruft, kann er es auch mehrmals. Wenn er so hält wie gegen Dortmund, wird es vielleicht noch schwieriger, ihn hier zu behalten", befürchtet Augsburgs Cheftrainer Manuel Baum. In erster Linie müssen wir schauen, dass wir in der Bundesliga bleiben. Dann gibt es so viele Variablen: Was will er? Was will Hoffenheim? Das muss man zum richtigen Zeitpunkt klären."

Direktes Duell im April

Das wird sich sicherlich erst entscheiden, wenn klar ist, wer künftig in Hoffenheim Trainer wird, in welchen Wettbewerben die TSG in der kommenden Saison antritt und wie der neue Chefcoach auf der Torhüterposition plant. Fakt ist: Kobels Vertrag läuft noch bis 2020. Da stehen ohnehin die Optionen Vertragsverlängerung oder Verkauf zur Wahl. Sollte Kobel langfristig in Hoffenheim gebunden werden, wäre eine weitere Ausleihe denkbar. Oder ein Zweikampf mit Baumann. Dieser Variante sieht der 28-Jährige (Vertrag bis 2021) gelassen entgegen. "Das war doch bisher nicht anders. Für mich ändert sich nichts. Ich habe mit ihm ein gutes Verhältnis. Wenn er wiederkommt, mache ich genauso weiter wie bisher." Bis dahin werden sich die Wege der beiden Torhüter noch einmal im direkten Vergleich kreuzen, wenn am 7. April Hoffenheim in Augsburg antritt.

Michael Pfeifer