Trainerfrage beim VfL Wolfsburg

Tendenz Trennung: Labbadia, Schmadtke und die Hintergründe

Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia

Die Tendenz geht in Richtung Trennung im Sommer: Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia. imago

Der grobe Termin wurde schon im vergangenen August ins Auge gefasst. Mit auslaufendem Vertrag startete Bruno Labbadia in die neue Saison. Ungewöhnlich, aber kein Problem für den Trainer. "Ich bin entspannt damit", sagte er damals zum kicker. "Es gibt aus meiner Sicht keine Notwendigkeit, sich vor dem Frühjahr zusammenzusetzen." Und auch Jörg Schmadtke ging in diese Richtung. "Früher", erklärte der Geschäftsführer, "wurden auslaufende Verträge im Frühjahr verlängert. Ich verspüre da bei uns keine Unruhe." Allmählich aber mehren sich die Fragen nach der Zukunft Labbadias, der den VfL aus dem Chaos aktuell auf Platz 5 geführt hat. Und doch ist die Verlängerung des Arbeitspapiers keine Formsache. Im Gegenteil: Nach kicker-Informationen geht es in die andere Richtung. Die klare Tendenz: Trennung.

Noch haben keine Gespräche bezüglich der Zukunft stattgefunden. Das ist angesichts des sportlichen Erfolgs etwas verwunderlich, letztlich jedoch nur beidseitig konsequent aufgrund der kommunizierten Pläne. Und weil bislang beide Seiten es vermeiden, über den eigenen Schatten zu springen, wird es frühestens in der nächsten Länderspielpause in der dritten Märzwoche zum perspektivischen Austausch kommen. Nach stürmischer Begeisterung klingt es bislang jedoch nicht, wenn die VfL-Macher auf dieses Thema angesprochen werden. Schmadtke betont die Ergebnisoffenheit, Labbadia gefällt die Situation der Selbstbestimmung.

Eingeschränkte Kommunikation

Das neue Wolfsburger Duo, das war klar, musste sich erst mal kennenlernen, dieser Prozess dürfte nun abgeschlossen sein. Dass sich keine ganz enge Beziehung entwickelt hat zwischen den beiden Ex-Profis, wird für jeden Außenstehenden sichtbar. Sportdirektor Marcel Schäfer fungiert erfolgreich als wichtiges Bindeglied, gemeinsame Auftritte von Schmadtke und Labbadia sind selten. Die Kommunikation - das ließ der Trainer zuletzt im Bild-Podcast durchblicken - ist offenbar eingeschränkt. In Bezug auf die nicht getätigten Wintertransfers und den notwendigen Informationsfluss sagt er: "Es hat ein bisschen gedauert."

Labbadias Pläne und eine verspätete Rückmeldung

Offenbar ärgerlich für ihn, der einen Plan vorgelegt habe, wie die nächsten Transferperioden angegangen werden sollen. "Dadurch, dass keine Rückmeldung kam, war es etwas eigenartig. Irgendwann haben wir das Gespräch gehabt." Labbadia erfuhr von Schmadtkes Vorhaben, aufgrund des ohnehin schon viel zu teuren Kaders keine weiteren Spieler zu verpflichten. "Da war es für mich wesentlich verständlicher", sagt der Coach. Doch kann sich dieser mit dem "Sparkurs" seines in der Vergangenheit weitaus investitionsfreudigeren Arbeitgebers arrangieren? "Man muss es akzeptieren. Oder auch nicht. Das ist eine Sache, die man selber entscheiden muss."

"Ich empfinde ein gutes Arbeiten hier. Aber es spielen noch ein paar andere Sachen eine Rolle."

Bruno Labbadia im Bild-Podcast

Labbadia fühle sich wohl in Wolfsburg, sagt er, "ich empfinde ein gutes Arbeiten hier. Aber es spielen noch ein paar andere Sachen eine Rolle." Er lässt die Zukunft demonstrativ offen. Angesichts der Zurückhaltung beider Seiten ist es nur legitim, dass Alternativpläne geschmiedet werden. Labbadia wird auf Schalke ins Gespräch gebracht, beim VfL wiederum werden Salzburgs Marco Rose, der auch in Hoffenheim hoch im Kurs steht, und der Österreicher Oliver Glasner vom Linzer ASK gehandelt. Entschieden ist noch nichts, doch das kann schnell passieren - wenn sich die aktuellen Tendenzen in Wolfsburg verfestigen.

Thomas Hiete

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