Franken erwartet hammerhartes Programm

FCN: Aufbruchstimmung liest sich anders

Schlüsselszene: Matheus Pereira (li.) wird vom Platz geschickt.

Schlüsselszene: Matheus Pereira (li.) wird vom Platz geschickt. imago

Gleich reihenweise sollte in Düsseldorf der berühmte Bock umgestoßen werden gegen einen Gegner, gegen den die Franken vor 16 Spieltagen mit 3:0 ihren bislang letzten Sieg einfahren konnten. Das Wie stand auch fest: Ähnlich kompakt wie aggressiv verteidigen wie gegen Dortmund, dieses Mal jedoch deutlich höherstehend, um damit selbst kürzere Wege zum gegnerischen Tor zu haben.

Doch alle Theorie ist grau, wenn Rot dazwischenkommt. Die Tätlichkeit von Matheus Pereira ließ bereits in der 4. Minute alle Pläne zerknüllt im Papierkorb landen, nichts war es mit mehr Offensive wagen, eine erneute Verteidigungsschlacht stand an. Eine, in der es vor dem Hintergrund einer 86-minütiger Unterzahl nicht mal etwas nützte, dass der Club, wie lange ersehnt, endlich mal in Führung gehen konnte.

Letztlich war der Druck zu groß, das 1:2 die logische Folge und damit der nächste Nackenschlag perfekt. Einer aus der Kategorie "das war er es wohl"? Zumal diese Niederlage alle Spieler sichtlich ins Mark getroffen hatte, hängende Schulter und Mundwinkel wohin man nach Spielschluss auch blickte.

Löwen: "Wir geben nicht auf, niemals!"

Er gibt sich kämpferisch: Eduard Löwen.

Er gibt sich kämpferisch: Eduard Löwen. imago

"Wir geben nicht auf, niemals", versicherte indes Torschütze Eduard Löwen. Nun ja, was soll er auch sonst sagen, könnte man einwenden! Was indes dafür spricht, dass es mehr als die üblichen Durchhalteparolen sind: Die Mannschaft selbst ist inmitten der riesigen Enttäuschung das geblieben, was sie so zuvor immer gewesen ist. Und zwar intakt, abzulesen unter anderem an dem Umstand, wie sie mit Rotsünder Pereira umging. Zwar kritisierten ihn alle, ohne ihn aber an den Pranger zu stellen. "Er weiß, dass das dumm war, wir sind aber eine Mannschaft und werden ihm helfen, das aufzuarbeiten", betonte Löwen stellvertretend für seine Kollegen.

Und auch sonst von Auflösungserscheinungen auf dem Platz keine Spur, an Einsatz und Leidenschaft haperte es wahrlich nicht. "Da sind wir auf einem guten Weg", sagte der gegen die Fortuna erneut überzeugende Christian Mathenia. Eine Aussage des Torhüters, die zwar richtig ist, der aber dennoch ein Stück weit zu widersprechen ist. Das DFB-Pokalspiel beim HSV (0:1) ausgenommen, konnte man der Mannschaft den Willen noch nie absprechen, so gesehen ist die Mannschaft in dieser Beziehung noch nie vom Weg abgekommen.

Und so hoffen sie in Nürnberg darauf, dass diese Komponente in Verbindung mit einer nunmehr konstant klaren Linie in puncto Aufstellung und Taktik am Ende im Abstiegs-Schneckenrennen doch noch zum Happy End führt. "Wir haben kurioserweise immer noch die Chance, die Liga zu halten - und noch elf Spiele", lautete Mathenias Appell.

Der Haken: Das auf die Franken unmittelbar wartende Programm ist hammerhart, zu Hause geht es gegen RB, dann folgen Auswärtspartien in Hoffenheim und Frankfurt. Und auch die bisherige Bilanz der fünf Spiele in diesem Jahr schüttet reichlich Wasser in den Wein der trotzigen Zuversicht. In dem als machbar eingestuften Auftakt hat der Club zwei Pünktchen geholt - in der Hinrunde standen nach diesen fünf Gegner acht Zähler auf dem Konto. Aufbruchstimmung liest sich jedenfalls anders.

Christian Biechele