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Chelsea wird durch dieses Urteil zum Glück gezwungen

Kommentar zur Transfersperre

Chelsea wird durch dieses Urteil zum Glück gezwungen

Callum Hudson-Odoi

Aus einer der besten Nachwuchsakademien Europa: Callum Hudson-Odoi. picture alliance

Auf den ersten Blick kommt diese Transfersperre bis 2020 für den FC Chelsea zur Unzeit. Der Trainer, Maurizio Sarri, steht auf der Kippe - ein neuer Mann lässt sich nun nicht mehr damit locken, Abermillionen in die Hand nehmen zu dürfen. Spätestens jetzt sollte der Boulevard in England dann auch Zinedine Zidane von der Liste streichen. Ein Name, der realistisch betrachtet, dort eh kaum auftauchen dürfte. Und auch die dringend nötigen Renovierungsarbeiten am eigenen Kader könnten beim Ligacup-Finalisten nun noch einen Aufschub erfordern, der "schlimmstenfalls" in einer Vertragsverlängerung des jetzt schon zu langsamen Innenverteidigers David Luiz (31) enden könnte.

Chelsea kann sich nun also auf den Rücken legen, jammern und die weiße Fahne hissen. Oder aber der Verein besinnt sich darauf, dass er mit diesem Urteil zum Glück gezwungen wird. In der laufenden Saison ist zwar Chelseas Nachwuchs aus dem Youth Cup bereits ausgeschieden, doch in den fünf Jahren zuvor gewannen die Blues diesen Titel jeweils. Chelseas Nachwuchsakademie zählt somit zu den besten des Landes, wenn nicht in Europa.

Sarri forderte von Hudson-Odoi Respekt - jetzt kann Chelsea Respekt zeigen

Warum also sollte sich der Klub nicht daraus stärker bedienen als bisher? Warum nicht all die anderen Callum Hudson-Odois, von denen aktuell zahlreiche verliehen sind, entdecken, fördern, fordern und ins kalte Wasser der Premier League werden? Natürlich nicht ausschließlich, aber das ist ja auch gar nicht nötig. Doch Sarri selbst hatte Hudson-Odoi aufgefordert, die Nachwuchstrainer und deren Arbeit mehr zu respektieren und nicht wechseln zu wollen. Jetzt können die Blues ihren eigenen Leuten diesen Respekt erweisen.

Chelseas Transferpolitik nach der Meisterschaft 2017 ist nicht dazu angetan, sie ausgiebig zu loben. Ein guter Griff wie Antonio Rüdiger war dabei, ein ordentlicher wie Torwart Kepa, ansonsten aber einige Flops wie Davide Zappacosta oder Tiemoué Bakayoko und viel Mittelmaß für viel zu viel Geld. Und der Ertrag? Im Vorjahr Rang fünf, aktuell Rang sechs - meilenweit von der Spitze entfernt, trotz eines exorbitant teuren Kaders.

Höhere Identifikationswerte könnte Chelsea gut gebrauchen

kicker-Redakteur Thomas Böker

kicker-Redakteur Thomas Böker kicker

Ergo würden es talentierte Nachwuchskräfte à la Hudson-Odoi, den Bayern sich nach diesem Urteil wohl - schade für die Münchner und die Bundesliga - endgültig abschminken darf, kaum schlechter machen und nebenbei auch mal wieder für höhere Sympathie- und Identifikationswerte sorgen, die der Klub seit dem Weggang von Frank Lampard nicht mehr so verzeichnet wie zuvor.

Ein schlechter Tag für Chelsea, keine Frage. Aber vielleicht wird irgendwann ein guter daraus, wenn diese Strafe als Chance begriffen wird. Aber wahrscheinlich wird der Verein beim Klagen durch alle Instanzen vergessen, den neuen Weg mit mehr Mut und mehr Youngstern einzuschlagen.

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