S04-Eigengewächs trifft gegen seine alte Liebe

Sanés Zwiespalt: "Das war auch schmerzhaft"

Leroy Sané

Der Nicht-Jubel: Leroy Sané. imago

Wenn Leroy Sané zu Gast auf Schalke ist, dann sieht man, dass dort ein Mann zurück in seine Heimat kommt. So war es bereits im vergangenen Herbst, als der Angreifer von Manchester City mit dem DFB-Team in Gelsenkirchen gastierte. So war es auch jetzt wieder, als er mit seinem Klub im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals auf Schalke gefordert war. Hände schütteln, alte Bekannte in der Ferne grüßen, Nachrichten beantworten: Das alles erledigte er wie im Schlaf, so sicher und vertraut manövrierte er sich - mit dem Smartphone in der Hand - durch die Katakomben der Arena.

Und auch auf dem Platz war sie spürbar, diese Vertrautheit und Sicherheit, die eine Rückkehr an den Ort seiner Jugend häufig mit sich bringt. Als ihn sein Trainer Pep Guardiola nach 78 Minuten endlich von der Leine ließ und Sané unter Applaus auch vieler Schalker Anhänger den Rasen betrat, benötigte der 23-Jährige keine Anlaufzeit. Er war sofort drin im Spiel und impfte seiner zuvor an Esprit arm auftretenden Mannschaft Energie und Tempo ein.

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"Ich übe diese Freistöße, seit ich in Manchester bin"

Sieben Minuten später schnappte er sich wie selbstverständlich den Ball, als seinem Team nach einem Schalker Foul wenige Meter vor dem Strafraum ein Freistoß zugesprochen wurde. Sieben Schritte und einen perfekten Schuss später herrschte Stille in der ausverkauften Arena – der Ball zappelte im Netz. Die überraschende Schalker Führung, herausgeschossen durch zwei Elfmetertore von Nabil Bentaleb nach Sergio Agueros recht frühem 0:1 (18.), war dahin. Und der Schock saß tief. Nur fünf Minuten später gaben die Gastgeber die Partie komplett aus der Hand und kassierten nach einem schwach verteidigten langen Abschlag von City-Keeper Ederson noch das 2:3 durch Raheem Sterling. Die Aussichten auf ein Weiterkommen schrumpften dadurch auf ein Minimalmaß zusammen.

"Ich habe mich natürlich gefreut für meine Mannschaft. Aber gegen meine alte Liebe so ein Tor zu erzielen, das war auch schmerzhaft", sagte Sané nach der Partie. "Ich übe diese Freistöße, seit ich in Manchester bin. Gegen Hoffenheim hat es sich bereits ausgezahlt, jetzt hat es wieder geklappt." Auf einen großen Jubel verzichtete er dennoch - aus Respekt vor seinem Ex-Klub. Stattdessen lobte er seine früheren Teamkollegen später für ihre couragierte Leistung: "Sie haben es sehr stark gemacht und insgesamt ein gutes Spiel gezeigt. Für uns war es dadurch sehr schwierig." Die besondere Atmosphäre in der Arena habe ihren Teil dazu beigetragen: "Ich weiß ja, wie die Fans Schalke nach vorne peitschen. Wie sie das in der ersten Hälfte gemacht haben, da hatte ich Gänsehaut", bekannte Sané.

Ein letztes Fazit in der Heimat

Nur kurz konnte er nach der Partie die Heimkehr im Kreise seiner Familie und Freunde genießen. Ein Abstecher in den VIP-Bereich, einige Interviews in der Mixed Zone, dann musste er zum Bus. Zeit für ein Fazit allerdings blieb noch: "Es war sehr emotional für mich, in meine alte Heimat zu kommen", sagte Sané. "Dorthin, wo alles begann." Und wo sie ihn bis heute verehren - und das trotz seines Schusses am Mittwoch, mitten hinein ins Schalker Herz.

Matthias Dersch

kicker.tv Hintergrund

Mitten ins königsblaue Herz - "Sané ist zum Weltklasse-Spieler gereift"

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