Warum der Abräumer neben Hummels Bayerns Bester war

"Der kämpft und regiert": Martinez erinnert an die Vergangenheit

Javi Martinez

Dass Bayern Liverpool ohne Gegentor verließ, lag auch an ihm: Javi Martinez. imago/picture alliance

Ausführlich und intensiv wurde vor dem ersten Teil des Achtelfinals zwischen dem FC Liverpool und Bayern München über die bestmögliche Aufstellung und die taktische Ausrichtung diskutiert. Soll der FCB tiefstehen, was Dietmar Hamann bevorzugte? Oder sollte der Vorjahres-Halbfinalist auf ein Auswärtstor spielen, gerade angesichts des fehlenden Abwehrstabilisators der Reds, Virgil van Dijk? Das Trainer-Team um Niko Kovac musste also abwägen, und davon hing auch die Startelf ab.

Weil sich zu Arjen Robben (Muskelprobleme, arbeitet am Comeback), Corentin Tolisso (Trainingsrückstand nach Kreuzbandriss) und dem rotgesperrten Thomas Müller noch kurzfristig Jerome Boateng (Magen-Darm-Infekt) und Leon Goretzka (Schlag auf den Knöchel) in die Liste der Ausfälle einreihten, wurde dem Coach die Personalentscheidung nahezu abgenommen.

Warum Kovac auf Martinez setzte

So rückte Javi Martinez, den Kovac "sowieso im Kopf hatte", wie er nach 0:0 bei "Sky" versicherte, neben Thiago auf die Doppelsechs. Weil man "für dieses Spiel Persönlichkeiten" brauche, die solche Partien "schon gespielt haben", begründet der Trainer. Hamann und Lothar Matthäus hatten schon Tage zuvor ausdrücklich für den erfahrenen Spanier plädiert, um das Liverpooler Umschaltspiel zu unterbinden und die Lücken zwischen Defensive und Offensive zu schließen - das hatte den inzwischen 30-Jährigen beim deutschen Rekordmeister lange ausgezeichnet. Insbesondere in der Triple-Saison überragte er, ehe er in den vergangenen beiden Saisons etwas von seiner Effektivität und Geschwindigkeit einbüßte.

Wenn man jemanden herausheben kann, dann Martinez.

Hasan Salihamidzic

Nun aber erinnerte Martinez' Auftritt gegen die Reds stark an die Vergangenheit, an den Abräumer, der das gegnerische Mittelfeld verzweifeln lässt. Er bewegte sich gut in Anfield, stand nah am Mann, grätschte nicht überflüssig, fing zahlreiche Angriffe mit Fuß und Kopf ab, scheute keinen Zweikampf und unterstützte die Kollegen. "Javi hat ein fantastisches Spiel gemacht", lobte Kovac. Sportdirektor Hasan Salihamidzic schloss sich an: "Wenn man jemanden herausheben kann, dann Martinez. Er hat ein paar Bälle abgefangen, die hätten richtig gefährlich werden können." Mit ihm haben die Bayern erst ein Saisonspiel verloren, 2:3 in Dortmund.

Martinez "kämpft und regiert", bleibt selbst aber bescheiden

Damit behielten die Experten Recht: Martinez war neben Mats Hummels, der mit exzellentem Stellungsspiel und einer Passquote von 80 Prozent überzeugte, der beste Mann auf dem Feld und ein Sinnbild für die fleißige, konzentrierte und geschlossene Abwehrleistung der Münchner. "Der beste Spieler ist Javi Martinez, der kämpft und regiert", schrieb beispielsweise die italienische "Gazzetta dello Sport". Der Spanier selbst bleib nach seinem 50. Champions-League-Einsatz bescheiden: "Ich möchte meiner Mannschaft natürlich immer helfen", sagte er: "Wir sind zufrieden mit der Mannschaftsleistung und müssen nun versuchen, zu Hause in München zu gewinnen."

Das wird eine große Aufgabe. Um ein Tor mehr als Liverpool zu schießen, muss sich der FC Bayern im Vergleich zum Hinspiel womöglich etwas öffnen . Und das könnte gefährlich werden gegen die umschaltstarken und pfeilschnellen Reds. Martinez ist für das Ziel Viertelfinaleinzug sicherlich wieder eine Option. Doch weil bis zum Rückspiel dann auch Goretzka, Robben und Boateng fit sein sollten, wird sich gewiss die nächste intensive Diskussion um die bestmögliche Aufstellung entfachen - inklusive Martinez.

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Georg Holzner

kicker.tv Hintergrund

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