2. Bundesliga

"Dann lassen wir die Mücken rückwärts fliegen" Heidenheims Trainer Frank Schmidt und Marc Schnatterer vor historischem Jahr 2019

Zehnjährige Erfolgsgeschichte in Heidenheim vor der Krönung?

"Dann lassen wir die Mücken rückwärts fliegen"

Frank Schmidt und Marc Schnatterer

Heidenheimer Erfolgsduo: Frank Schmidt und Marc Schnatterer (re.). imago

"Marc hat so einen Status in diesem Verein, er ist Kapitän und Vertrauensperson", startete Schmidt bei DAZN seine Lobeshymne auf seinen dienstältesten Spieler, der sich im Laufe von zehn Jahren gemeinsamen Wirkens zu mehr als nur einem Arbeitskollegen gemausert hat - zu einem Freund.

Ohne Streit keine Versöhnung

"Unser Verhältnis ist von Vertrauen, von Ehrlichkeit und Offenheit geprägt", stand auch Schnatterer Rede und Antwort, berichtete aber auch von Situationen, in denen "wir kontrovers diskutieren". Eigentlich immer, so der 33-Jährige, "kommen wir am Schluss aber auch auf einen gemeinsamen Nenner". Schmidt ergänzte mit einem Grinsen im Gesicht: "Es ist wie in einer guten Ehe - ohne Streit gibt es diese nicht. Reibung erzeugt Leistung."

In zehn Jahren ist viel passiert

Schnatterer, im Jahr 2008 noch zu Regionalligazeiten zum FCH gewechselt, erlebte in dieser nun schon mehr als ein Jahrzehnt andauernden Liebesbeziehung so einiges: Die Aufstiege in die 3. sowie 2. Liga, aber auch schwierige Spielzeiten, wie beispielsweise die Saison 2017/18. In der so kuriosen wie spannenden Endphase steckte nahezu die halbe Liga bis zum letzten Spieltag im akuten Abstiegskampf. Auch Heidenheim blieb davon nicht verschont, rettete sich aber und startete anschließend durch.

Marc Schnatterer

Erster Doppelpack: Im Oktober 2008 erzielte Marc Schnatter beim 2:1-Erfolg gegen Waldhof Mannheim beide Treffer. imago

Das Erfolgsrezept? "Wir sind keine reine Umschaltmannschaft mehr", berichtete Schmidt. "Wir können mittlerweile auch gegen organisierte und kompakte Teams Torchancen herausarbeiten." Ähnlich sah es auch Robert Glatzel, mit elf Treffern erfolgreichster Schütze: "Wir haben uns spielerisch verbessert. Wir versuchen, weniger lange Bälle zu schlagen, sondern eher die spielerische Lösung zu finden." Über Schnatterer weiß der 25-Jährige auch nur Gutes zu berichten. Obwohl dieser schon "zu den Ältesten gehört und auch Kapitän ist, behandelt er jeden gleich. Er nimmt sich nicht zu wichtig", zollte Glatzel seinem Mannschaftskollegen gehörig Respekt. "Obwohl er es eigentlich könnte."

Er nimmt sich nicht zu wichtig - obwohl er es eigentlich könnte.

Robert Glatzel über Marc Schnatterer

Nach einer Dekade Schmidt/Schnatterer sind 2019 die wohl größten Highlights der Vereinsgeschichte in Reichweite: "Mit dem Sieg im Pokal in Leverkusen und der Auslosung gegen Bayern ist die Euphorie im Verein sehr, sehr groß", weiß Schmidt. Allerdings sehen "wir, die in der sportlichen Verantwortung stehen, die sich in der 2. Liga weiter platzieren wollen, den Liga-Alltag im Fokus". Und dieser Liga-Alltag heißt: Aufstiegsrennen.

Aufstieg offiziell "kein Thema"

Wenngleich der Aufstieg nach Aussage des Trainers offiziell "kein Thema" sei, befinden sich die Heidenheimer mit aktuell 38 Zählern und Rang vier "in einer hervorragenden Ausgangssituation". Vorrangig, weil "für die Existenz des Vereins" von höchster Wichtigkeit, sei allerdings der Klassenerhalt. Dadurch, dass man in dieser Spielzeit hinter dieses Ziel wohl bereits jetzt einen Haken setzten darf, kann man sich ihm Klub eigentlich größeren Aufgaben widmen.

Bei Aufstieg: Wird Feierbiest Schmidt von der Leine gelassen?

Sollte das nicht offiziell anvisierte Ziel, der Bundesligaaufstieg im Mai dann doch finalisiert werden, würde dieser Erfolg untrennbar mit dem Duo Schmidt/Schnatterer verbunden sein. Und dann könnte Schmidt auch wieder ein mittlerweile eingerostetes Talent zum Besten geben - das des Feierbiestes: "Früher mehr, es wird aber weniger", so der 45-Jährige, der aber mehr oder minder einen Vorgeschmack darauf gab, was nach einem Aufstieg im sonst so beschaulichen Heidenheim los sein könnte: "Alles zur richtigen Zeit und wenn, dann richtig - dann lassen wir die Mücken auch mal rückwärts fliegen!"

kög

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