Nürnberg: Remis gegen Dortmund sorgt für Selbstvertrauen

Mühls Signal an die Konkurrenz: "Wir leben!"

Lukas Mühl gegen Paco Alcacer

Nürnbergs Lukas Mühl (r.) gegen Dortmunds Paco Alcacer. imago

98 Minuten Kampf, Leidenschaft und defensive Stabilität haben dem 1. FC Nürnberg ein Stück Zuversicht im Abstiegskampf zurückgebracht. Das 0:0 gegen den Tabellenführer aus Dortmund am Montagabend war für die Tabelle einen Zähler, für die Moral aber viel mehr wert. "Der Punkt tut uns allen gut und zeigt uns, dass wir eine gute Chance haben auch gegen andere Gegner etwas mitzunehmen, wenn wir unsere Hausaufgaben erledigen", sagte ein zufriedener Boris Schommers nach seiner geglückten Premiere als Bundesliga-Cheftrainer.

Ausgangspunkt aller Überlegzungen war für den 40-Jährigen vor dem Spiel die Arbeit gegen den Ball. Ein Plan, den seine Mannschaft sehr gut umsetzte, selbst wenn die Null am Ende auch wegen des starken Torhüters Christian Mathenia stand. "Wenn du es gegen eine der besten Mannschaften der Bundesliga geschafft hast zu Null zu spielen, dann sollte dir das bei gleichem Einsatz auch das ein oder andere Mal gegen einen anderen Gegner gelingen", ist Schommers überzeugt.

Nachtreten ist unsportlich, ob auf dem Platz oder verbal. Deshalb verkniffen sich sowohl Schommers als auch die Spieler Kommentare gegen ihren alten Chef Michael Köllner, der Anfang vergangener Woche nach 15 sieglosen Partien in Serie seinen Stuhl räumen musste. Dass dieser Wechsel einen Ruck erzeugt hat, sahen die 50.000 Zuschauer im ausverkauften Max Morlock-Stadion auch so. "Eine Mannschaft zeigt nur Leidenschaft und Wille, wenn eine gewisse Freude dabei ist", sagte Schommers, genau diese habe er seinem Team in den vergangenen Tagen einimpfen wollen. Heraus kam die beste Leistung seit Monaten. "Wir haben versucht, die Freude am Fußball zurückzugewinnen, das hat über weiter Strecken gut funktioniert", freute sich Außenverteidiger Tim Leibold, der die Mannschaft in der Pflicht sah: "Wir stehen in der Bringschuld und wollten zeigen, dass die Leistung der vergangenen Wochen nicht unser Anspruch ist."

Leibold: "Fahren mit etwas breiterer Brust nach Düsseldorf"

Nichtsdestotrotz wird der Club schnell einen Dreier landen müssen, will er im Abstiegskampf bestehen. Den letzten gab es in der Hinrunde beim 3:0 gegen Düsseldorf, am Samstag wartet nun der erneute Vergleich, dieses Mal bei der Fortuna. Leibold: "Nach vorne ist das ausbaufähig, das wollen wir in Düsseldorf auch zeigen." Für schlagbar hält nicht nur er den nächsten Gegner, durch den Punkt gegen den BVB "fahren mit etwas breiterer Brust nach Düsseldorf. Letztes Jahr in der 2. Liga haben wir dort gewonnen, daran wollen wir anknüpfen."

Das sieht auch Lukas Mühl so, der gegen Dortmund "eine andere Spannung, mehr Freude, Giftigkeit und Aggressivität" sah als unter Köllner. "Wahrscheinlich hat es in manchen Köpfen einen Umschwung gegeben. Wichtig war, dass jeder mitgezogen hat." Auch der Innenverteidiger fordert einen Sieg in Düsseldorf, gleichzeitig sendet er ein Signal an die Konkurrenz aus Hannover, Stuttgart und Augsburg: "Wir leben, wir sind da, waren noch nie abgeschlagen." Was so ein 0:0 doch gut fürs Selbstvertrauen sein kann...

Frank Linkesch

Bilder zur Partie 1. FC Nürnberg - Borussia Dortmund