Erfinder der Fair-Play-Liga will Nachwuchsfußball reformieren

Klohr: "Der DFB braucht ein eigenes Ressort für Kinder"

Zu Besuch in Nürnberg: Ralf Klohr.

Zu Besuch in Nürnberg: Ralf Klohr. kicker

"Ich will für die Kinder etwas ändern", sagt Klohr. Das, betont er, sei auch nötig: "Es muss sich etwas tun, weil der DFB zu wenig macht." Daher fordert der vom Verband mehrfach ausgezeichnete frühere Jugendleiter und -trainer des SuS Herzogenrath eben diesen DFB auf, kräftig zu investieren: "Es ist so viel Geld im Umlauf, da müsste viel mehr in die Nachwuchsarbeit fließen." Klohrs Vision sieht einen konkreten Fünf-Punkte-Plan vor.

1. Schritt: Die Bildung eines DFB-Ressorts Kinderfußball

"Die Hälfte der Fußballspieler unter dem Dach des DFB sind Kinder bis 12 Jahre. Für den größten Fußballverband der Welt ist es ein Unding, dass Kinderfußball nur nebenher und auf Sparflamme mitläuft", sagt Klohr. Deshalb will er den Kinderfußball (bis 12) vom Jugendfußball (ab 12) abtrennen. "Der DFB braucht ein eigenes Ressort für Kinder", fordert er. Dessen Chef soll beim Verband hauptamtlich angestellt sein, "und er braucht ein eigenes Budget". An fünf Millionen Euro denkt der 56-Jährige im ersten Step.

2. Schritt: Die Neuausrichtung des Kinderfußballs

Ein Expertenteam soll neu zusammengestellt werden und sich mit dem Ressortchef an die Arbeit machen. "Vorgefertigte Meinungen von alt gedienten Mitarbeitern sind bei diesem sensiblen Thema fehl am Platz", sagt Klohr. Er denkt an Fachleute von Universitäten, aus der Medienszene, Fußballtrainer, aber auch an Menschen von der Basis, die sich alle gemeinsam darüber Gedanken machen, wie das Budget sinnvoll eingesetzt werden kann.

3. Schritt: Die Ausarbeitung einer Philosophie

Wie sieht der Spielbetrieb aus? Wie werden die Trainer ausgebildet? Wie kann man die Eltern schulen und ihnen immer wieder klarmachen, dass nicht mal ein Prozent der Kinder später Profis wird? Diese Fragen werden von dem Expertenteam beantwortet. Zudem plädiert Klohr für die Einrichtung einer DFB-Hotline, an die sich vor allem diese Eltern, aber auch Trainer oder Jugendleiter jederzeit wenden können, wenn sie Fragen zum Kinderfußball haben. "Eine neue Philosophie muss in die Köpfe rein", sagt Klohr, "die Kinder kommen mit so viel Begeisterung zum Fußball. Unsere Aufgabe ist es, diese Begeisterung in den Jugendbereich zu transportieren. Und dafür müssen wir sehr viel mit den Leuten kommunizieren."

4. Schritt: Neue Angebote schaffen

Zunächst will Klohr die Fair-Play-Liga überarbeiten, eventuell auch ausdehnen. Gerade die Einführung der Elternzone sorgt bei vielen F-Jugend-Trainern für große Freude. 15 Meter müssen Papas, Mamas und Fans bei Meisterschaftsspielen vom Feld wegstehen, damit sie die Kleinen mit ihrem Reinrufen nicht stören. "Das hat sich gelohnt", sagt er, "es ließe sich auch auf andere Altersstufen ausweiten." Dass in der Fair-Play-Liga wiederum alle Ergebnisse und Tabellen abgeschafft wurden, "muss man überdenken", sagt Klohr, "die Kinder spielen ja auch, um zu gewinnen." Danach geht es darum, "neue Angebote zu schaffen". Der Fußball könnte zum Beispiel mit anderen Sportarten kooperieren, die Kids könnten auch mal bei der Leichtathletik reinschnuppern oder beim Schwimmen. "Der Fußball glaubt ja immer, er ist alleine auf der Welt", sagt Klohr, "dabei ist es das Wichtigste, dass die Kinder ganz viele verschiedene Erfahrungen sammeln."

5. Schritt: Die dauerhafte Weiterentwicklung

Sollte das neue Ressort Anfangserfolge vorweisen können, wäre es Klohr wichtig, nachhaltige Konzepte weiterzuführen oder zu entwickeln. Grundsätzlich merkt er an: "Es ist wichtig, dass bei solchen Änderungen keine Überforderung der Basis stattfindet. Die Veränderungen müssen sich zuerst beim DFB selbst einstellen. Erst dann können sie im Umfeld des Fußballs greifen. Für die Kinder ändert sich nichts. Das Spiel und die Regeln bleiben immer gleich. Der Ball muss ins Tor..."

Der Kontakt zum DFB ist zuletzt eingeschlafen. Ralf Klohr erhofft sich, dass die Tür für ihn nochmal aufgeht.

Wie die Fair-Play-Liga bisher funktioniert und was der DFB über sie denkt, das lesen Sie in der Montagsausgabe des kicker.

Bernd Salamon