Nationalelf

DFB "braucht eine Ausbildungsreform"

Bierhoff fordert mehr "Bolzplatzmentalität"

DFB "braucht eine Ausbildungsreform"

Oliver Bierhoff

Will wieder mehr Freigeister ausbilden: Oliver Bierhoff. imago

Viele Jahre schien alles gut, schließlich wurde das DFB-Team 2014 ja Weltmeister in Brasilien. Vier Jahre später kam aber das klägliche Aus schon in der Vorrunde. Weltspitze? Sind die anderen. "Der deutsche Fußball braucht eine Ausbildungsreform", stellte Bierhoff denn auch klar.

Zwar sei der Abstand zur Weltspitze "nicht so groß", wie das Debakel bei der WM 2018 in Russland vermuten lasse, sagte Bierhoff: "Es ist klar unser Anspruch, diese Lücke zu schließen." Die Entwicklung in den kommenden Jahren, eine "Mammutaufgabe", gehe aber "nicht von heute auf morgen". Im Jugendfußball bereite das Fehlen von "Individualität, Unterschiedlichkeit, Bolzplatzmentalität" Sorgen.

Wir bilden nicht altersgerecht aus. Kinder sind die Basis für spätere Erfolge, ihnen müssen wir wieder Spaß am Fußball vermitteln.

Joti Chatzialexiou (Sportlicher Leiter der Nationalmannschaften)

Angedacht sind unter anderem neue Spielformen im Jugendbereich, um mehr "Freigeiste" zu entwickeln. Ein Punkt, den Mehmet Scholl bereits vor einem Jahr umtrieb, als er dem deutschen Fußball ein "blaues Wunder" vorhersagte. Die Trainerausbildung beim DFB in Köln hatte er als "elf Monate Gehirnwäsche" bezeichnet. Kinder dürfen nicht mehr dribbeln, "stattdessen können sie 18 Systeme".

An Talenten mangelt es nicht

Talente gebe es in Deutschland genug, sagt Bierhoff, der seit etwas über einem Jahr die DFB-Direktion für Nationalmannschaften und die Akademie leitet: "Aber aus diesen Talenten Ausnahmespieler zu machen, die in der Weltspitze bestehen können, ist die große Herausforderung."

Konkret habe der DFB großen Verbesserungsbedarf im Kinderfußball, bei der Förderstruktur und Trainerausbildung sowie bei den Wettbewerbsformen ausgemacht, sagte der sportliche Leiter der Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou: "Wir bilden nicht altersgerecht aus. Kinder sind die Basis für spätere Erfolge, ihnen müssen wir wieder Spaß am Fußball vermitteln."

Der DFB, der wahrscheinlich Anfang 2021 seine neue Akademie beziehen wird, sehe sich dabei als "Dienstleister" für die Vereine, der "nicht von oben herab" die Order gebe, was verändert werden müsse. Insgesamt gebe sich der Verband für die Richtungsänderung "fünf, sechs Jahre", sagte Bierhoff. Die EM 2024 in Deutschland sei "schon ein Leuchtturm, den wir im Blick haben."

tru