Dortmund vor der Reise nach Wembley

Reus' "Einschüchterung" fehlt - Kehl setzt auf Sancho

Marco Reus

Wie kompensiert der BVB seinen Ausfall in London? Marco Reus. imago

Am Sonntag mussten die Spieler von Borussia Dortmund noch einmal Achterbahn fahren. Nicht im wörtlichen Sinne zwar, aber doch im übertragenden: In der obligatorischen Videoanalyse am Tag nach einem Spiel wurden ihnen noch einmal jene Minuten der Schlussphase gegen Hoffenheim gezeigt, in denen sie nicht mehr zu recht zu wissen schienen, wo oben und wo unten ist. 3:3 stand es am Ende - obwohl der BVB bis zur 74. Minute noch mit 3:0 vorne gelegen hatte. So etwas hängt auch am Tag danach noch in den Knochen.

Da kann es durchaus helfen, wenn es zügig weitergeht im Programm: Schon am Mittwoch sind die Dortmunder erneut gefordert, dann im Achtelfinalhinspiel der Champions League bei den Spurs aus London. "In englischen Wochen hast du weniger Zeit, dich über einen Sieg zu freuen, aber auch weniger Zeit, dich über eine Niederlage zu ärgern", sagte Sebastian Kehl am Montag bei einer Veranstaltung des Streamingdienstes DAZN, der die Dortmunder Partie am Mittwoch überträgt . Ganz bewusst habe man deshalb unter Trainer Lucien Favre feste Strukturen entwickelt, um nicht zu lange in alten Gedanken festzuhängen. Der Blick solle stets nach vorne gehen.

Kehl freut sich auf "geile Atmosphäre" - und scherzt wegen 2013

In diesem Fall in Richtung Wembley. "Auf die geile Atmosphäre dort", sagte Kehl, "freuen wir uns." Dass er selbst keine allzu guten Erinnerungen hat an die traditionsreiche Spielstätte, in die die Spurs derzeit ausweichen müssen, verhehlte er nicht. 2013 verlor Kehl mit dem BVB dort das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern (1:2). Ein Nachteil für die aktuelle Mannschaft sei diese Erinnerung allerdings nicht. "Die meisten unserer Spieler", scherzte er, "waren damals ja noch gar nicht auf der Welt." Aus dem aktuellen Kader standen damals nur Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek und Marco Reus auf dem Platz, Mario Götze fehlte verletzt.

So wie jetzt Reus und eventuell Piszczek. Während Letzterer weiterhin unter Fersenproblemen leidet und daher noch wackelt, lässt bei Reus eine Muskelverletzung im Oberschenkel einen Einsatz definitiv nicht zu. Auch sein Einsatz am kommenden Montag im Bundesliga-Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg ist alles andere als gesichert. "Wir hätten ihn in London natürlich gern dabeigehabt", sagte Kehl am Montag, "allein weil er durch seine Präsenz beim Gegner für eine gewisse Einschüchterung sorgt. Aber wir werden sein Fehlen kompensieren."

Jadon wird auch auf unserem Rückflug wieder im Flieger sitzen.

Sebastian Kehl über Jadon Sancho

Dortmunds Lizenzspielerleiter denkt dabei vor allem an Jadon Sancho. Dieser sei ein "Unterschiedsspieler", bei dem es zwar Spaß mache, ihm zuzuschauen, "aber nicht gegen ihn zu verteidigen". Der gebürtige Südlondoner wird im Norden seiner Heimatstadt allerdings extrem im Mittelpunkt stehen. Längst hat es sich auch bis auf die Insel herumgesprungen, dass sich der erst 18-Jährige in seinem zweiten Jahr beim BVB zu einer der Attraktionen der Bundesliga entwickelt hat.

"Das Spiel in England ist für ihn natürlich speziell. Aber er hat nicht nur sportlich, sondern auch in seiner Persönlichkeitsentwicklung einen großen Schritt gemacht", sagte Kehl, der allen besorgten BVB-Fans, deren Albträume sich derzeit um spontane Abwerbeversuche des Flügelspielers drehen, versprach: "Jadon wird auch auf unserem Rückflug wieder im Flieger sitzen."

Matthias Dersch