Aufschwung beim Champions-League-Sieger hat viele Gründe

Segen Solari: Darum spielt Real plötzlich wieder königlich

Alle Augen auf die Jugend: Real-Coach Santiago Solari ist großer Förderer von Vinicius Junior und Sergio Reguilon.

Alle Augen auf die Jugend: Real-Coach Santiago Solari ist großer Förderer von Vinicius Junior und Sergio Reguilon. imago/Getty Images

Spätestens seit dem Wochenende ist Real Madrid zurück im Meisterschaftsrennen. Für die Entlassung von Julen Lopetegui und die folgende Installation von Santiago Solari dürften Real-Präsident Florentino Perez mittlerweile einige auf die Schulter klopfen. Die "Solari"-Tabelle schindet nämlich mächtig Eindruck: 31 von 39 möglichen Punkten holten die Königlichen in der Liga unter dem Argentinier. Und damit mittlerweile sogar einen mehr als der vermeintlich schon enteilte FC Barcelona, der nun nur noch sechs Zähler Vorsprung auf den Tabellenzweiten hat.

In den 23 Pflichtspielen unter Solari - ohne die Klub-WM einzurechnen - feierte Real 17 Siege. Zwei Remis und vier Niederlagen seien auch dem 42-Jährigen bei einem Torverhältnis von 54:21 zu verzeihen. Nach dem überzeugenden 3:1-Derbysieg bei Atletico am vergangenen Samstag lobte Solari: "Wir haben ein tolles Spiel gemacht. Vielleicht war es das beste seit Dezember."

Real Madrid - Die letzten Spiele
Eibar (A)
0
:
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6
:
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Solari Santiago

Primera Division - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
FC Barcelona
51
2
Real Madrid
45
3
Atletico Madrid
44

Vor allem ist es aber Solari, der seit der Amtsübernahme Ende Oktober ganze Arbeit geleistet hat. Vor dem wichtigen Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Ajax Amsterdam am Mittwoch (21 Uhr, LIVE! bei kicker.de) trägt deswegen niemand in der spanischen Hauptstadt große Zweifel mit sich herum. Seit Mitte Januar liefert der Argentinier auf Reals Bank nicht mehr nur Ergebnisse, sondern zeigt mit seiner Mannschaft auch erfrischenden Fußball. Der 2:0-Heimsieg gegen Sevilla am 19. Januar kann da als großer Wendepunkt angesehen werden, wenn man eine 0:3-Heimniederlage in der Champions League gegen ZSKA Moskau oder ein 0:3 in Eibar nicht unter den Tisch fallen lassen will.

Einer, der ganz offensichtlich vom Trainerwechsel neu "belebt" wurde, ist Karim Benzema. Der bei den Fans eigentlich immer umstrittene Franzose spielt in den vergangenen Wochen und Monaten groß auf: Sechs Tore und zwei Vorlagen sammelte er unter Solari in der Liga, vier Treffer und einen Assist in der Copa del Rey sowie drei Tore und zwei Vorlagen in der Königsklasse. Der 31-Jährige, der bei Real noch Vertrag bis 2021 besitzt, schafft es aktuell ungewohnt leichtfüßig, die nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo entstandene Leere in der Abteilung Attacke zu füllen.

Ausgerechnet Piqué ist hin und weg von Vinicius Junior

Ein weiterer Grund, warum im Bernabeu mittlerweile wieder begeistert aufgejault wird, ist die von Solari geförderte jugendliche Unbekümmertheit. Das erste gute Beispiel dafür ist Vinicius Junior, der von Lopetegui noch bewusst außen vor gelassen wurde. Solari, zuvor schon längere Zeit Jugendtrainer bei den Königlichen und dann Vinicius' Coach bei Reals zweiter Mannschaft, sah dagegen keinen Grund, den 18-jährigen Brasilianer nicht von der Leine zu lassen. Das in ihn gesteckte Vertrauen zahlte Vinicius Junior schnell zurück. In seinen mittlerweile 22 Pflichtspiel-Einsätzen kommt der 1,76 Meter große Flügelflitzer auf drei Tore und bereits elf Assists.

Was für einen immensen Eindruck er bereits hinterlassen hat, beschreibt wohl am besten ein Zitat von Gerard Piqué . Der Innenverteidiger des FC Barcelona, dessen Abneigung gegen Real über die Landesgrenzen hinaus kein Geheimnis ist, stellte klar: "Vinicius wird ein Großer werden." Gegen Atletico saß Gareth Bale nur auf der Bank, Solari brachte lieber das große Nachwuchstalent aus Südamerika. Kurz vor der Pause zog er eines seiner unnachahmlichen Dribblings an und provozierte damit einen Elfmeter - der zum wegweisenden 2:1 durch Sergio Ramos führte.

Marcelo unantastbar? Von wegen!

Er ist hinten links nicht mehr erste Wahl: Marcelo.

Er ist hinten links nicht mehr erste Wahl: Marcelo. imago

Solari scheut also keineswegs davor zurück, große Namen auf die Bank zu setzen. Ein weiteres Beispiel dafür: Marcelo, in der Achse mit Cristiano Ronaldo beim amtierenden Champions-League-Sieger noch unantastbar, muss sich aktuell hinter dem 22-jährigen Sergio Reguilon anstellen. Dieser entstammt auch der eigenen Jugendakademie. "Er ist ein Vorbild für alle Nachwuchsspieler und beweist, dass es die Chance gibt, sich mit Talent, Einsatz und Hingabe einen Platz bei Real Madrid zu erkämpfen", stellte Solari nach dem Sieg gegen Atletico klar. Marcelo wirkte bei seinen Einsätzen zuletzt nicht mehr wirklich auf der Höhe, was auch der Ausgleichstreffer im Copa-Clasico in Barcelona jüngst zeigte .

Grundsätzlich steht Solari dafür, Spielern aus der zweite Reihe eine echte Chance zu geben. Ein weiterer Nutznießer im weißen Real-Trikot ist seit Oktober Marcos Llorente, der nicht umsonst im Clasico vor Kurzem den Vorzug vor Casemiro in der Startelf bekam. Der 24-jährige zentrale Mittelfeldspieler erfährt von seinem neuen Trainer die Wertschätzung, die ihm unter Lopetegui gänzlich fehlte. Dieser "schenkte" ihm in seiner gesamten Amtszeit nur elf Minuten Einsatzzeit. Jetzt fällt Llorente zwar vorerst aus , doch weitere Chancen werden ganz sicher kommen.

Nur Isco beklagt fehlende Chancengleichheit

Das Thema Isco, das bei den Fans stets heiß diskutiert wird, lässt Solari relativ kalt. Aus Leistungsgründen ist der 26-Jährige zumeist nur Reservist. Via Twitter klagte der spanische Nationalspieler zwar jüngst, nicht "die gleichen Chancen wie meine Kollegen" zu bekommen, doch mehr Einsatzzeit wird ihm das nicht bescheren. Die aktuellen Leistungen geben Solari recht. So erfrischende, mutige Auftritte wie gegen Barcelona und Atletico zeigen wieder deutlich mehr das schnelle, effektive Real, das man kennt, das in Europa gefürchtet ist und das in den letzten fünf Jahren viermal die Champions League gewonnen hat. Vorsicht, Ajax.

msc

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