1899 Hoffenheim: Jubiläum für den 31-Jährigen

Drei Jahre Nagelsmann

Julian Nagelsmann

Drei Jahre im Amt: Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann. Getty Images

Der sportlich wie gesundheitlich schwer angeschlagene Trainer Huub Stevens beendete wegen Herzproblemen seine Karriere, also beriefen die stark abstiegsbedrohten Hoffenheimer den damals 28-jährigen eben noch früher zum neuen Chefcoach der Profimannschaft. Als jüngster der Bundesligahistorie startete der junge Mann gleich mal mit seinem ersten Rekord.

Es sollten viele weitere Folgen. Nachdem dem Novizen tatsächlich noch der Klassenerhalt gelungen war, führte dieser eloquente und taktisch versierte Stratege die TSG von einem Höhenflug zum nächsten. 15 Monate nach der Amtsübernahme fand sich der einstige Abstiegskandidat auf Rang vier wieder, qualifizierte sich erstmals für einen internationalen Wettbewerb und forderte den großen FC Liverpool in den Play-offs zur Champions League. Auch die erstmalige Doppelbelastung mit der Europa League brachte die Nagelsmänner nicht aus der Spur, es folgte die beste Platzierung der Vereinsgeschichte. Als Tabellendritter zogen die Kraichgauer vergangenen Mai direkt in die Champions League ein.

Bester Punkteschnitt

Und wieder ging der mittlerweile stark Umworbene neue Wege. Bereits vor der aktuellen Saison verkündete Nagelsmann seinen vorzeitigen Abschied nach dieser Spielzeit. Eine Ausstiegsklausel für fünf Millionen Euro macht es möglich, Nutznießer ist RB Leipzig, wo der Erfolgstrainer den nächsten Schritt in seiner Karriere zu gehen plant.

Mindestens ebenso viele Skeptiker wie bei seinem Debüt dürfte es gegeben haben, die bezweifelten, dass diese Konstellation gutgehen könne. Immer lauter wurden zuletzt die Fragen, ob die Mannschaft ihrem Coach noch unbeirrbar folge, unnötige Punktverluste befeuerten die Thematik. Obwohl die Mannschaft derzeit sogar noch zwei Zähler mehr auf dem Konto hat als vor Jahresfrist. Die Folge der gestiegenen Ansprüche und Erwartungen. Dank Nagelsmann. Der hat von allen aktuellen Bundesligatrainern den besten Punkteschnitt (1,65), die viel zitierte "Nagelsmann-Tabelle" weist Hoffenheim in diesen drei Jahren als drittbesten Punktesammler der Liga aus (170) nach den Bayern (246) und Dortmund (202).

Unglaubliche Willensleistung

Ob Nagelsmann in der Liga nun erneut eine Aufholjagd gelingt wie vor einem Jahr, bleibt abzuwarten. Dass ihm die Mannschaft folgt und weiter folgen wird, bewies sie am Samstag in Dortmund mit einer unglaublichen Willensleistung. Die Aufholjagd von 0:3 auf 3:3 beim Tabellenführer wäre bei einem gestörten Binnenverhältnis in dieser Art und Weise nicht möglich. Deshalb wird Nagelsmann seinen dritten Jahrestag als leitender Angestellter entspannter begehen können. Entspannt auf keinen Fall, dazu hat der nach wie vor Jüngste in der Branche in den verbleibenden 13 Spielen mit der TSG noch zu viel vor.

Michael Pfeifer

Von 0 bis 2,47: Der Punkteschnitt der Bundesliga-Trainer