Nur noch zwei Plätze und fünf Punkte Abstand zu Rang 4

Völler: "Der Schlüssel war das Bayern-Spiel"

Rudi Völler und Peter Bosz (li.)

Unter Peter Bosz ist Bayer 04 auf dem Vormarsch: Geschäftsführer Rudi Völler. imago

Noch sind die Wunden der Hinrunde nicht gänzlich verheilt. Zumindest die eine oder andere Narbe drückt noch schmerzhaft angesichts von nur 24 Punkten, die zur Halbzeit der Saison zu Buche standen. Und die Wankelmütigkeit der Mannschaft im abgelaufenen Jahr trug ihr Übriges dazu bei, dass Rudi Völler nach dem 5:1-Sieg in Mainz eher aufatmete als jubelte. "Es war wichtig, nach dem Pokal-Aus so eine Reaktion zu zeigen", erklärte der Geschäftsführer zwei Tage nach dem Erfolg in der Liga mit Blick auf die 1:2-Niederlage in Heidenheim im Achtelfinale. Die erschreckend schwache zweite Hälfte im Pokalmatch hatte bei Völler ungute Erinnerungen geweckt. Erst der 3:1-Erfolg gegen die Bayern, dann ein 1:2 bei einem Zweitligisten - das Bild von der launischen Werkself war schnell wieder präsent. Die Antwort der Mannschaft in Mainz aber beruhigte Völler. "Nach den ersten drei guten Spielen in der Liga war es wichtig, dass du nicht in ein Loch fällst", erklärte der 58-Jährige seine Sorge, um nach dem dritten Sieg in Serie in der Liga festzustellen: "In der Tabelle stehen wir jetzt ordentlich da." Aus Völlers Worten spricht eine noch vorhandene gesunde Portion Skepsis.

Fünf Dreier aus den vergangenen sechs Liga-Spielen

Bei der Analyse für den tabellarischen Aufschwung blickt der Geschäftsführer bis in die Hinrunde zurück. Denn auch wenn die Spiele vor der Winterpause wenig überzeugend ausfielen, hatten sie zumindest statistisch große Bedeutung auf den sich mehr als andeutenden Aufschwung in der Rückrunde. "Dafür haben wir vor Weihnachten die Basis gelegt", blickt Völler auf den schmeichelhaften Sieg auf Schalke (2:1) und das 3:1 gegen Hertha BSC in der letzten Woche der Hinrunde zurück. So stehen fünf Dreier aus den jüngsten sechs Bundesliga-Partien zu Buche. Geht man noch weiter zurück lautet die Statistik: 22 Punkte aus zehn Spielen.

So steht Bayer 04 schon jetzt mit Rang 6 auf dem nach verkorkster Hinrunde in der Winterpause zum Saisonziel erklärten Europapokalplatz. Und selbst der Rückstand auf Rang 4 und Leipzig beträgt nur noch fünf Zähler. Ein Sprung Richtung Champions League, den Völler vor allen Dingen an einer Partie festmacht. "Der Schlüssel war das Bayern-Spiel" erklärt der Geschäftsführer zum 3:1-Sieg am 20. Spieltag, "das waren Bonuspunkte".

"Hilft in der Wahrnehmung und gibt natürlich Auftrieb"

Der Erfolg gegen den Rekordmeister bringt Bayer auf verschiedenen Ebene weiter, hofft Völler. "Das hilft in der Tabelle, in der Wahrnehmung und gibt natürlich Auftrieb", so der 58-Jährige, der anmerkt: "Das waren drei Punkte, die wir schon gegen Gladbach verdient gehabt hätten." Doch zum Rückrundenstart hatte Leverkusen trotz drückender Überlegenheit gegen die Fohlen unglücklich 0:1 verloren. Nicht auszudenken, welche Perspektiven sich schon kurzfristig für Bayer 04 ergeben hätten, wenn auch diese Partie gewonnen worden wäre.

Natürlich zeigt sich Völler mit der Entwicklung unter Peter Bosz zufrieden. "Es sieht gut aus", bilanziert er, wobei er anders als manch einer seiner Profis die Champions-League-Plätze noch nicht als Ziel ausrufen möchte: "Man tut immer gut daran, von Spiel zu Spiel zu schauen, aber die Tendenz zeigt nach oben im Moment." Diese soll und muss sich erst fortsetzen, um Völler dazu zu bringen, sich auch nur ein bisschen offensiver zu äußern. Schon im Hinspiel in der Zwischenrunde der Europa League am Donnerstag im russischen Krasnodar muss Bayer wieder liefern. "In der Europa League wollen wir weit kommen", sagt Völler. So wie auch in der Liga auf dem Weg Richtung Königsklasse.

Stephan von Nocks