Aufsichtsrat vertagt sich am Sonntag nach Dringlichkeitssitzung

Köllners Zukunft in Nürnberg bleibt offen

Michael Köllner und Andreas Bornemann

Quo vadis, 1. FC Nürnberg? Trainer Michael Köllner (l.) und Sportvorstand Andreas Bornemann. imago

Das von den Mitgliedern gewählte höchste Gremium diskutierte lange kontrovers, ohne sich endgültig zu einer Entscheidung durchringen zu können. Im Aufsichtsrat sind die Zweifel an dem wegen seiner anfechtbaren Analysen und Aufstellungen angezählten Köllner längst gewachsen - ob sie aber mittlerweile so weit gehen, dass die Mehrheit in dem Gremium ein Trainerwechsel befürwortet, bleibt offen.

Wobei der Aufsichtsrat selbst diesen gar nicht vollziehen kann, dies obliegt den Vorständen. So gesehen dürfte es zu keinem Wechsel kommen, denn Sportvorstand Andreas Bornemann hat unmittelbar nach der Partie in Hannover erneut vehement betont, dass der Trainer nicht zur Disposition stehe - und sein mit mehr Rechten ausgestatter Partner, Finanzvorstand Niels Rossow, hat sich in der Öffentlichkeit noch nie explizit zu der Trainerfrage geäußert.

Auch Bornemann ist alles andere als unumstritten

Andererseits ist auch Bornemann spätestens nach seinem unglücklichen, wenig souveränen Auftritt in Hannover alles andere als unumstritten. Im Umfeld ohnehin, aber auch im Aufsichtsrat hat sein Ansehen in den vergangenen Wochen stark gelitten. Besser gesagt in Teilen - die Forderung nach einem radikalen Schnitt jedenfalls ist dort nun laut geworden, mehrheitsfähig dürfte diese Ansicht aber nicht sein.

Zum Hintergrund: Einen Vorstand zu bestimmen wie auch ihn abzuberufen, ist das originäre Recht des Aufsichtsrats. Dass er bei Bornemann nun Gebrauch davon macht, ist wie gesagt höchst unwahrscheinlich. Was passiert aber, wenn das Gremium zu der Auffassung kommt, dass sich der Verein von Köllner trennen sollte? Kommt Bornemann dem dann nach, oder steht er weiter in Treue fest zu dem Mann, dem er die erste Mannschaft anvertraute und den er auch den Unterbau komplett nach dessen Vorstellungen von rechts nach links drehen ließ? Ist Letzteres der Fall, gibt es keine Basis mehr für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Der Club hat noch alle Chancen auf den Ligaverbleib

Fragen über Fragen, auf die es in den nächsten Tagen klare Antwort geben wird, besser gesagt muss, vor allem nach den Ergebnissen vom Sonntag. Trotz seiner mageren zwölf Pünktchen hat der Club verrückterweise noch alle Chancen auf den Ligaverbleib – vor allem weil er eine echte Mannschaft hat. Sie mag individuelle Schwächen haben, aber sie ist intakt und sie besitzt Charakter.

Christian Biechele