Bundesliga

Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild zum Wintertransfermarkt: Jadon Sancho ist das Vorbild für Balerdi, Alphonso Davies oder Rabbi Matondo - Leihgeschäfte werden immer beliebter

Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Sancho ist das Vorbild für Balerdi, Davies oder Matondo

Rabbi Matondo, Alphonso Davies und Emile Smith Rowe

Wird einer von diesen Talenten der neue Jardon Sancho? Schalkes Rabbi Matondo, Bayerns Alphonso Davies und Leizpigs Emile Smith Rowe. imago

In Zeiten des vielen Geldes geriet diese winterliche Transferperiode ziemlich ruhig. Die spektakulären und sündteuren Wechsel blieben aus, stattdessen wird immer mehr ausgeliehen, wie es der wuchtigste Personalaustausch belegt: Christian Pulisic (20 Jahre), von Dortmund für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea weitergereicht, wurde von den Briten dem BVB auf Leihbasis für die Rückrunde überlassen. Für zwei international vermeintlich große Namen wurde ebenfalls dieses Modell gewählt: Stürmer Gonzalo Higuain (31, Argentinier) verlässt Milan und versucht sich in der zweiten Halbserie 2018/19 beim FC Chelsea, von dem sich der Spanier Alvaro Morata (26) deswegen verabschiedet, um für vorerst vereinbarte anderthalb Jahre bei Atletico Madrid seinen offensiven Dienst zu tun.

"Zeitarbeit für Profis": Etliche Bundesligisten nutzten diese Möglichkeit

In der Bundesliga nutzten mehrere Klubs diese Möglichkeit einer Zeitarbeit für Profis, die weiterhin ihrem eigentlichen Arbeitgeber gehören. So sicherte sich Eintracht Frankfurt Martin Hinteregger (26, vorher Augsburg) und Sebastian Rode (28/ vorher Dortmund), die Schalker den vormaligen Wolfsburger Jeffrey Bruma (27) für die Abwehr, die Stuttgarter den Hertha-Profi Alexander Esswein (28) für die Offensive, jeweils bis Saisonende und mit Kaufoption. Auch Hannover 96 probiert es mit der schnellen und preisgünstigeren Aushilfe: Kevin Akpoguma (23, aus Hoffenheim) soll die Abwehr stabilisieren, Nicolai Müller (31, bisher Frankfurt) die Offensive beschwingen. Unter dem Diktat des wenigen Geldes steht auch die Zurückhaltung des Liga-Letzten 1. FC Nürnberg: Zu mehr als dem beim kasachischen Verein Qairat Almaty nicht mehr gebrauchten Angreifer Ivo Ilicevic (32) reichte es nicht, während der VfB Stuttgart mutig und perspektivisch elf Millionen Euro für den 18 Jahre jungen Abwehrspieler Ozan Kabak (vorher Galatasaray Istanbul) ausgab.

Spielersteckbrief Davies
Davies

Davies Alphonso

Spielersteckbrief Hudson-Odoi
Hudson-Odoi

Hudson-Odoi Callum

Spielersteckbrief Sancho
Sancho

Sancho Jadon

Spielersteckbrief Smith Rowe
Smith Rowe

Smith Rowe Emile

Spielersteckbrief Matondo
Matondo

Matondo Rabbi

Generell stellt sich die Frage, inwieweit Verpflichtungen in der sportlichen – und oft auch finanziellen – Not sinnvoll sind. Da braucht es immer eine sorgfältige Abwägung zwischen wirtschaftlichem Risiko und möglichem sportlichen Ertrag – oder viel Kreativität und Weitblick, beim Scouting wie beim Anbahnen eines Transfers.

Sancho ist das Vorbild: Vereine greifen bei den Spielern immer früher zu

Ein weiteres Charakteristikum dieser soeben beendeten Transferphase ist, dass die Vereine bei den Spielern immer früher zugreifen. Für diese junge Welle steht Leonardo Balerdi (20), den sich Borussia Dortmund von den Boca Juniors Buenos Aires als weitere Option für die Defensive holte, 15,5 Millionen Euro teuer. Der Stürmer Alphonso Davies (18), für zehn Millionen Euro von Vancouver Whitecaps zum FC Bayern transferiert, ist ein anderes Beispiel oder Rabbi Matondo (18), für den die Schalker Entscheider neun Millionen Euro an Manchester City überwiesen - um ihn bis 2023 zu binden oder 50 Millionen zu bekommen, falls die Citizens den von ihnen ausgebildeten Offensivsprinter zurückholen möchten.

Karlheinz Wild

kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Der mit 7,8 Millionen Euro billige Glücksgriff, den die Dortmunder mit Jadon Sancho (18) machten, gibt dafür das Vorbild. Auch Mittelfeldspieler Emile Smith Rowe (18, vorher FC Arsenal, jetzt und bis Saisonende RB Leipzig) zählt zu den Perspektivimporten aus England, wo die Frage nach dem Sinn der dortigen Eliteausbildung im Jugendbereich sehr bald sehr laut gestellt werden wird – wenn diese Hochbegabten bei den überfüllten Großklubs weiter keinen Platz finden.

Beim FC Chelsea haben sie es offenbar noch gemerkt: Callum Hudson-Odoi (18), im November gar nicht im Kader der Blues und Anfang Dezember dem Teammanager Maurizio Sarri bei weitem nicht gut genug, durfte Mitte Dezember plötzlich spielen – nachdem der FC Bayern ein erstes konkretes Angebot eingebracht hatte. Schon war dieser talentierte Hochgeschwindigkeitsdribbler für den italienischen Coach die Zukunft des englischen Fußballs. Die Offerte aus München wurde letztlich abgewimmelt.

Die Münchner können es verschmerzen, weil sie auf den Flügeln noch gut besetzt sind, genauso im Abwehrzentrum, wo die Weltmeister Jerome Boateng (30) und Mats Hummels (30) nun erst recht ihre Klasse bestätigen wollen, nachdem der Franzose Lucas Hernandez (22, Atletico Madrid) im Winter für rund 80 Millionen Euro kommen sollte, aber nicht durfte. So groß ist der Mangel beim FC Bayern im Abwehrzentrum sicher nicht – und im Sommer lässt sich dieser Einkauf nachholen.

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