Köln verliert in Berlin - und hofft weiter auf Modeste

Veh ist sauer auf das Schiedsrichtergespann

Armin Veh

War unter anderem mit der Nachspielzeit nicht einverstanden: Armin Veh. imago

In Berlin war der Dreier nicht möglich aufgrund eines übel schmeckenden Cocktails aus Schlampigkeit in den Zweikämpfen, mangelnder Konzentration im und um den Strafraum herum, fehlender Zuordnung bei Standards, Schlafmützigkeit zu Beginn und grober taktischer Fehler in der Rückwärtsbewegung. Zwischen dem Anpfiff und dem 1:0 vergingen 25 Sekunden, in denen die Kugel zuerst sogar bei Rafael Gikiewicz gelandet war, der sie abwarf und wo zunächst Abdullahi und schließlich Hartel ohne Gegenwehr und mit einem Schleifchen um das Gesamtpaket auf 1:0 stellen konnten.

Wo waren die "Geißböcke" in dieser Situation? Zunächst entblößten Czichos und Mere gegen Abdullahi das Zentrum, Schmitz rückte nicht konsequent ein, Geis und Hauptmann gefielen sich in der Zuschauerrolle – Hartel hätte für seinen schönen Fallrückzieher noch Eintritt kassieren können und es wäre immer noch Zeit geblieben, Horn zu düpieren. Wenigstens ein Kölner, der sich freuen konnte.

Der Rest des Auftritts bedeutete mal mehr, mal weniger Druck des Aufstiegsfavoriten, der vor oder bei Gikiewicz verpuffte. Simon Terodde haderte mit der Leistung nach der Pause, nachdem es vor dem Seitenwechsel noch die eine oder andere Chance gegeben hatte: "In der 2. Halbzeit hat uns die Durchschlagskraft gefehlt. In den letzten 20 Minuten kamen wir nicht mehr zu klaren Torchancen. Da waren wir nicht zwingend genug. Aber ich glaube nicht, dass hier die schlechtere Mannschaft verloren hat." Dies sicher nicht, aber eben die, die den Sinn und Zweck des Fußballspiels nicht erfüllte - das Tore schießen.

Nicht zu Unrecht stocksauer war Armin Veh auf das Schiedsrichtergespann, das "viel zu spät Karten zog nach den Fouls an Jhon Cordoba" und zudem eine völlig falsche Wahrnehmung dessen zeigten, was die Berliner an Showeinlagen auf den Rasen zauberten: "Vier Minuten Nachspielzeit sind ein Witz."

Hoffen auf Modeste

Sei’s drum, wahrscheinlich hätten die Kölner auch in deutlich längerer Nachspielzeit nicht getroffen. Erneut musste Frederik Sörensen, der lange Innenverteidiger, in der Schlussphase die Angriffsmitte besetzen. Doch seine Kopfballstärke kommt in der Offensive nicht zum Tragen, wenn die Bälle samt und sonders durch das Zentrum Richtung Strafraum geschickt werden und er pausenlos mit dem Rücken zum Tor an der Strafraumlinie wartet. In Köln hofft nun alles auf eine baldige Erteilung der Spielgenehmigung für Anthony Modeste. Das Verfahren läuft, eine Entscheidung steht aus. Der Franzose weist zwar keine Spielpraxis auf, genießt aber so viel Respekt, dass man ihn zumindest zeitweise ins Rennen schicken kann. Wenn er denn darf.

Frank Lußem