StarCraft-Profi nahm an Experiment teil

'MaNa': So schlägt man eine Künstliche Intelligenz

Grzegorz 'MaNa' Komincz testete die Fähigkeiten von AlphaStar.

Grzegorz 'MaNa' Komincz testete die Fähigkeiten von AlphaStar. DeepMind

Als DeepMind Komincz zu Testspielen gegen die AlphaStar-Software einlud, wusste der RTS-Routinier nicht, was auf ihn zukommt. Vor ihm hatte bereits sein Teamkollege Dario 'TLO' Wünsch eine herbe Niederlage gegen den Computer eingesteckt. Wegen des derzeitigen Entwicklungsstands durfte dieser allerdings nicht mit seiner Lieblingsspezies, die Zerg, spielen. "Ich war angespannt, weil ich wusste, dass 'TLO' verloren hat", sagt 'MaNa' und verweist darauf, dass er anders als Wünsch gelernter Protoss-Spieler ist. Die Erwartungshaltung war also eine ganz andere: "Ich wollte unsere Szene sowie Team Liquid gut vertreten. Ich war ja auch eigentlich in guter Form."

Als die erste Partie begann, verflog die Nervosität nicht, wie er weiter erzählt. "Ich hatte überhaupt keine Ahnung, gegen was ich da überhaupt spiele. Ist er gut oder schlecht? Spielt er aggressiv oder eher lange Partien?" Anders als der nervöse Profispieler zeigt die Künstliche Intelligenz keine Emotionen. Ein Riesenvorteil in einem eSport-Titel, bei dem Präzision und ein klarer Kopf wichtig sind. 'MaNa' konnte sich also anders als bei Turnieren nicht auf seinen Gegner einstellen. Über AlphaStar war ja bis jetzt nichts bekannt.

Übermächtig, aber nicht unschlagbar

Und in der Tat spielte AlphaStar eher aggressive Strategien, die Komincz vor Probleme stellten. In der ersten Partie etwa wusste 'MaNa' schnell, dass der Computer einen frühen Überraschungsangriff plant. Trotzdem war AlphaStar in der Lage, durch grandiose Einheiten-Kontrolle das erste Spiel zu gewinnen. "Im Nebenzimmer konnte ich die Entwickler jubeln hören", sagt er. Das stachelte ihn zusätzlich an, die KI zu schlagen. Die darauffolgenden vier Spiele verlor der Pole allerdings ebenfalls allesamt. "Es war nicht so, als wenn es knapp gewesen wäre, es war eine Zerstörung", gibt er zu. Schon nach dem zweiten verlorenen Spiel sei ihm klar gewesen, dass er es hier nicht mit einem gewöhnlichen Gegner zu tun hat. Die Nervosität blieb also bestehen und der Druck machte ihm zu schaffen: "Ich dachte mir nach der Niederlage nur: Ich bin ein professioneller Spieler und verliere gegen einen Computer."

Obwohl die Serie schon längst verloren war, versuchte 'MaNa' vor Ort – die anderen Spiele wurden nicht live ausgetragen – den übermächtigen Gegner zu besiegen. Und dafür fand er ein Rezept. Ihm sei aufgefallen, dass die KI stets nur die grundlegenden Protoss-Einheiten benutzt, weil er mit diesen durch perfekte Einheiten-Kontrolle am meisten herausholen kann. Deswegen versuchte Komincz, die Ruhe zu behalten, die ersten Minuten zu überleben und mit teureren Einheiten die zerbrechlichen Streitkräfte des Gegners zu kontern. Die Strategie ging auf und die eher schmächtigen Einheiten des Gegners waren ohne Chance. Das gelang ihm unter anderem auch deshalb, weil er durch kluge kleinere Manöver, den Computer lange vom Ausrücken hinderte. Aus diesem Sieg nimmt er einiges an Erfahrung mit: "Für die Zukunft nehme ich mir vor, ruhiger und gelassener zu sein". In der eSport-Szene kann das Gold wert sein. Vor allem, wenn der Gegner, anders als man selbst, keine Emotionen zeigt.

Lars Becker

Free 2 Play gab dem Spiel einen Boom

StarCraft 2: So zufrieden sind die Entwickler mit dem eSport-Comeback

alle Videos in der Übersicht