Ein Kommentar von kicker-Reporter Michael Richter

Breitenreiters Aus - schmerzlich und folgerichtig

André Breitenreiter

Sein letzter Auftritt: André Breitenreiter in Dortmund. imago

Ein Trainerwechsel in der Bundesliga, noch dazu bei einem wenig Hoffnung versprühenden Tabellenvorletzten, ist eigentlich nicht ungewöhnlich. Grundsätzlich auch nicht in Hannover, wo sich im Laufe der Jahre zahlreiche Protagonisten die Klinke in die Hand gaben.

Doch der Abgang von André Breitenreiter bei 96 ist schon ein besonders schmerzlicher. Sohn der Stadt, Persönlichkeit im Verein, mit dem er als Aktiver 1992 Pokalsieger wurde und den er 2017 als Trainer zum Wiederaufstieg führte. Selten vereinigte ein Mann unter den Spielern, im Umfeld und auch in der Vereinsführung derart die Sympathien. Noch in seiner letzten Woche, als ihm Klubboss Kind und Manager Heldt mit ihrem Kaugummi-Entlassungsprozedere das Dasein als Coach noch einmal zusätzlich schwer machten , bewahrte der 45-Jährige Haltung. Er merkte nur kurz und zu Recht einmal an, was er von diesem Verhalten hielt , und konzentrierte sich ansonsten komplett auf die Mammut-Aufgabe, seine Elf bei der Partie in Dortmund zu betreuen.

Das tadellose Auftreten, sein Anstand und seine Selbstkritik nach nur elf Punkten aus 19 Spielen brachten Breitenreiter Respekt und Anerkennung ein. Aber, und darauf hätte er sicher gerne verzichtet, auch Mitleid. Und den Vorwurf, dass er es mit seinem Verständnis, Fußball zu spielen und zu predigen, nicht schaffte, die begrenzten Möglichkeiten in Hannover auszuschöpfen. So, dass daraus Perspektiven für einen Verbleib in der Bundesliga hätten erwachsen können.

kicker-Reporter Michael Richter

kicker-Reporter Michael Richter. kicker

Mit zahlreichen Personalrochaden spaltete er letztlich den Spielerstamm in treue Gefolgsleute und potenzielle Verweigerer. Wegen der häufigen Wechsel in Aufstellung und System fehlte es im Team zudem oftmals an Linie, Struktur und Festigkeit. Sein Outing, über den fehlenden Zusammenhalt in der Kabine erst vom Mannschaftsrat erfahren zu haben, sowie das Hickhack um die Trainingseinheiten zwischen Weihnachten und Neujahr gerieten ihm nicht zum Vorteil. Auch nicht seine öffentlichen "Empfehlungen" zur Kaderverstärkung in der Winterpause, die die Vereinsführung brüskierten.

Äußere Einflüsse in der Hinserie wie großes Verletzungspech, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen, ein schwieriger Spielplan und die latente Unruhe im Umfeld in Hannover - alles das trug darüber hinaus zur eingetretenen Entwicklung bei.

Und dennoch: Mit André Breitenreiter musste – wenn auch am Ende folgerichtig – einer gehen, den sie fast alle lieber behalten hätten.

Bilder zur Partie Borussia Dortmund - Hannover 96