Frankfurt: Die Probleme in der Defensive

Sorgen um Abraham - Falette zu fehlerhaft

Theodor Gebre Selassie gegen Simon Falette

Frankfurts Verteidiger Falette (r.) gegen Bremens Gebre Selassie. imago

Die Partie in Bremen sollte den Verantwortlichen deutlich vor Augen geführt haben, dass in der Innenverteidigung dringender Handlungsbedarf besteht. Es wäre ein Vabanquespiel, nach dem Verkauf von Carlos Salcedo keinen Verteidiger mehr zu verpflichten. Kapitän Abraham ist im Herbst seiner Karriere zunehmend verletzungsanfällig und musste wegen Wadenproblemen vorzeitig ausgewechselt werden. Eine exakte Diagnose steht aus, der Argentinier wird sich noch weiteren Untersuchungen unterziehen.

Falette wiederum ist nicht mehr als ein Notnagel. Nicht ohne Grund legten die Bosse dem Franzosen im Sommer einen Wechsel nahe und degradierten ihn zwischenzeitlich in die "Trainingsgruppe 2". Der Linksfüßer hat zwar ein großes Kämpferherz, ist in Sachen Spielaufbau aber arg limitiert und alles andere als ein Meister des Antizipierens – zu oft mangelt es ihm an Handlungsgeschwindigkeit und Geschick im Zweikampf.

In Bremen war Falette am ersten Gegentor beteiligt, da er es im Verbund mit mehreren Kollegen nicht verstand, Maximilian Eggestein vom Ball zu trennen. Noch problematischer war sein Abwehrverhalten vor dem 1:2, als er Martin Harnik den Ball wegspitzeln wollte, die Kugel aber nicht traf und sich so selbst aus dem Spiel nahm. Auf Nachfrage, warum er Falette anstelle des hochtalentierten Evan Ndicka aufbot, antwortete Trainer Adi Hütter: "Simon hat gut trainiert, ich habe auch an seine Erfahrung gedacht."

Russ nimmt alle Mannschaftsteile in die Pflicht

Dass sich Frankfurt gegen Werder insgesamt zu anfällig in der Defensive präsentierte, hatte jedoch nicht zuletzt mannschaftstaktische Gründe. Wie schon in einigen Spielen vor der Winterpause und am 18. Spieltag gegen Freiburg mangelte es an Kompaktheit und Entschlossenheit im Spiel gegen den Ball. Das erschwerte den Verteidigern die Arbeit immens. "Wenn wir weit auseinander stehen, sieht es so aus, als hätten die Abwehrspieler die Angreifer nicht im Griff. Aber man muss das im Verbund sehen. Stehen wir als Mannschaft kompakt, sieht das auch hinten in der Abwehr souverän aus", weiß Marco Russ und erklärt: "Wenn sich das Ganze auseinanderzieht, ist es für jede Mannschaft einfach, auch eine Dreierkette ein bisschen schwindelig zu spielen." Derlei Nachlässigkeiten kann sich Frankfurt am kommenden Samstag gegen das Star-Ensemble aus Dortmund noch viel weniger erlauben als an der Weser.

Julian Franzke

Bilder zur Partie Werder Bremen - Eintracht Frankfurt