Der Torwart ist nach seinem Kreuzbandriss zurück

Pechvogel Gersbeck: Neuer Anlauf ins Glück

Marius Gersbeck

Seit dieser Woche wieder im Mannschaftstraining der Hertha: Marius Gersbeck. imago

"Ich bin sehr froh, wieder auf dem Platz zu stehen", sagt Gersbeck und lächelt dabei. "Ich bin schneller zurückgekommen, als es eigentlich geplant war." Es ist der Lohn für die harte, professionelle Schufterei in der Reha. "Marius hat die ganze Zeit einen sehr stabilen, motivierten Eindruck gemacht", lobt Herthas Torwart-Trainer Zsolt Petry. "Normal fällt man bei so einer schweren Verletzung während der Reha-Zeit mental irgendwann mal in ein Loch. Bei Marius war das nicht der Fall." Petry bot ihm - falls gewollt - die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen an, aber Gersbeck nahm das Angebot nicht in Anspruch, sondern kämpfte sich so durch die schwierigen Monate. "Er war die ganze Zeit mehr als im Soll", sagt Petry. "Jetzt wird es darum gehen, dass er die Belastung, die sich nach und nach steigern wird, gut wegsteckt."

Es geht jetzt darum, wieder zur gewohnten Sicherheit zu finden.

Marius Gersbeck

Noch macht Gersbeck nicht alle Spielformen im Training mit. "Es geht jetzt darum, wieder zur gewohnten Sicherheit zu finden", sagt er. Kein anderer aktueller Hertha-Profi hat eine solche Verletzungs-Geschichte wie er. Als er sich im April das Kreuzband riss, war er ausgeliehen an Drittligist VfL Osnabrück, wo er zuvor starke Leistungen gezeigt hatte. Schon vorher warfen schwere Knieverletzungen das Talent immer wieder weit zurück - unter anderem ein Meniskusriss, der Gersbeck zwischen August 2014 und März 2015 zu einer Pause zwang. Jetzt ist der Stehauf-Mann, der früher als Hertha-Fan selbst in der Ostkurve des Olympiastadions stand, zurück im Tor, jedenfalls im Training. "Ein überragendes Gefühl" nennt Gersbeck dieses Glücksempfinden, aber er weiß auch: "Bis ich wieder ein Spiel machen kann, wird es noch etwas dauern."

Das im Verein skizzierte Ideal-Szenario sieht vor, dass der Torhüter im Verlaufe der Rückrunde noch das eine oder andere Regionalliga-Spiel in Herthas U23 bestreiten kann. "Wir freuen uns riesig, dass Marius zurück auf dem Platz ist", sagt Manager Michael Preetz. "Jetzt wird es darum gehen, dass er das hundertprozentige Vertrauen in sein Knie zurückbekommt und sich auf Strecke irgendwann dann auch Spielpraxis holt."

Vom Pech verfolgt

Gersbecks sensationell anmutendes Bundesliga-Debüt, als er im Dezember 2013 den damaligen Stammkeeper Thomas Kraft vertrat und den 2:1-Sieg in Dortmund festhielt, liegt mittlerweile über fünf Jahre zurück. Danach lief vieles anders als gewünscht, weil Herthas Eigengewächs vom Pech verfolgt war. Jetzt kommt ein neuer Anlauf ins Glück – bei Hertha oder dann ab Sommer womöglich auch bei einem anderen Klub.

Viel Konkurrenz auf der Torwartposition

Im Juni 2018 hatte Preetz als Reaktion auf die schwere Verletzung den auslaufenden Vertrag mit Gersbeck um ein Jahr verlängert. Der endet zum 30. Juni 2019. Gespräche mit Hertha über eine mögliche gemeinsame Zukunft gab es bislang nicht. "Unser Junge" (Preetz über Gersbeck) weiß, dass die Konkurrenz im Tor gewaltig ist. Hinter Rune Jarstein beschäftigt Hertha mit Thomas Kraft, Jonathan Klinsmann und Dennis Smarsch aktuell ein weiteres Trio, Nils Körber ist bis Saisonende an Osnabrück ausgeliehen. Die Verträge von Kraft und Klinsmann laufen wie der von Gersbeck aus, die künftige Torwart-Hierarchie hinter dem gesetzten Jarstein (Vertrag bis 2021) ist mit Blick auf die Saison 2019/20 eine der spannenden Fragen im Hertha-Kader.

Ob Gersbeck in diesem Puzzle künftig einen Platz findet, daran verschwendet er aktuell noch keinen Gedanken. "Das", sagt er und man glaubt es ihm nach der langen Leidenszeit, "ist noch kein Thema, mit dem ich mich beschäftigt habe."

Steffen Rohr

Talisman, Guardiola-Schreck, Möller-Jäger