Japanerin wird neue Nummer eins der Welt

Dreisatz-Krimi in Melbourne: Osaka ringt Kvitova nieder

Naomi Osaka

Siegerfaust: Naomi Osaka feierte in Melbourne den zweiten Grand-Slam-Erfolg ihrer Karriere. Getty Images

Nach dem Matchball sank Naomi Osaka zunächst zu Boden - überwältigt davon, erstmals in ihrer Karriere an der Spitze der Weltrangliste zu stehen, überwältigt aber auch von einem 2:27 Stunden langen Tennis-Krimi, in dem sie nicht nur einmal mit ihren eigenen Nerven zu kämpfen hatte. Im zweiten Satz hatte die Japanerin bereits drei Matchbälle vergeben, sich in einem abwechslungsreichen Finale anschließend aber ins Match zurück gekämpft und letztendlich über die volle Dreisatz-Distanz ihren zweiten Grand-Slam-Triumph in Folge eingefahren.

Spektakel in Satz eins, Drama in Satz zwei

In einem ausgeglichenen und enorm unterhaltsamen ersten Satz bekämpften sich beide Kontrahentinnen auf höchstem Niveau, agierten durchgehend mit guter Länge in den Grundschlägen, streuten immer wieder Stopps ein und servierten konstant stark. Somit ergaben sich zwar einige Breakchancen auf beiden Seiten, letztlich gelang es aber keiner Spielerin, der Kontrahentin den Aufschlag abzunehmen. Im Tiebreak zeigte sich Osaka dann hellwach und sicherte sich nach satten 51 Minuten den ersten Durchgang.

Im Anschluss sah es zunächst so aus, als sollte die etwas offensiver ausgerichtete Kvitova zurückschlagen können. Die Linkshänderin holte sich das erste Break der Partie zum 2:0, gab dann aber durch zu sorgloses Spiel mit einigen unnötigen Fehlern gleich zweimal in Folge selbst den Aufschlag ab. Osaka war nun erkennbar obenauf und stand bei Kvitovas Aufschlag und einem Spielstand von 5:3, 40:0 bereits unmittelbar vor ihrem zweiten Grand-Slam-Triumph.

Osaka vergibt drei Matchbälle - und triumphiert dennoch

Doch die zuvor so abgeklärt agierende Japanerin zeigte urplötzlich Nerven, vergab alle drei Matchbälle und gab anschließend auch zweimal ihren eigenen Aufschlag ab. Osaka hatte sichtlich an ihren vergebenen Matchbällen zu knabbern, schlug mehrfach ihren Schläger vor Verzweiflung auf den Boden und servierte als unrühmliche Krönung bei Satzball Kvitova noch einen Doppelfehler - der Durchgang ging nach 55 Minuten mit 7:5 an die Tschechin.

Osaka verließ den Platz in der Satzpause mit dem Kopf unter dem Handtuch versteckt, vieles sprach gegen den Shootingstar des Damentennis. Doch trotz ihrer erst 21 Jahre gelang es Osaka, sich zu fangen und nahm ihrer sieben Jahre älteren Kontrahentin den Aufschlag zum 2:1 ab. Das Spiel gewann in dieser Phase wieder deutlich an Niveau - und Kvitova lief mit dem Rücken zur Wand einmal mehr zur Höchstform auf. Mit drei abgewehrten Breakbällen beim Stand von 2:4 gelang es der Tschechin in ihrem ersten Grand-Slam-Finale seit 2014, die Partie weiterhin eng zu halten. Osaka aber brachte dieses Mal ihren Vorsprung ins Ziel und verwandelte mit einem Aufschlag-Winner ihren insgesamt fünften Matchball zum 6:4.

Osaka ist somit die erste Frau auf der Tour seit Venus Williams im Jahr 2000, die nach ihrem ersten Grand-Slam-Erfolg auch das nächste große Turnier für sich entscheiden kann. In der neuen Weltrangliste ab Montag wird die bisherige Nummer vier der Welt durch ihren Sieg in Melbourne erstmals in ihrer Karriere die Nummer eins der Welt. Die Rechtshänderin löst damit die Rumänin Simona Halep an der Spitze der WTA-Weltrangliste ab.

mib