NHL: 13-Tore-Wahnsinn in Washington

Trotz Ovechkin-Hattrick: Capitals in tiefer Krise

Washington Capitals - San Jose Sharks

"Buzzer Beater": In der letzten Sekunde trifft San Joses Evander Kane (M.) zum 6:6. Getty Images

Achterbahnfahrt auf Eis: Kanes Buzzer-Beater - Hertls Hattrick

In der US-Hauptstadt trafen sich mit Washington (fünf Niederlagen in Serie) und San Jose (drei Niederlagen) zwei formschwache Mannschaften. Warum es mit dem Siegen bei beiden Teams zuletzt nicht klappte, wurde bei diesem Aufeinandertreffen überdeutlich: Beim 7:6-Erfolg der Gäste n.V. zeigten beide Defensivreihen Auflösungserscheinungen: Die Sharks, die erneut ohne ihre Top-Verteidiger Erik Karlsson und Marc-Edouard Vlasic auskommen mussten, kassierten zum vierten Mal in Folge sechs Gegentore - die Capitals mussten 30 Gegentreffer in sechs Spielen hinnehmen und stürzten auf kuriose Weise noch tiefer in die Krise (sechs Niederlagen in Folge, 0-4-2).

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Bereits nach zwölf Sekunden war klar, dass dies kein normaler Hockey-Abend werden würde: Nach einem Icing der Caps holten sich die Fins das Bully in der gegnerischen Zone. Brent Burns zog ab und traf Mitspieler Timo Meier, von dem der Puck zu Joe Pavelski sprang, der die Scheibe aus der Nahdistanz nur noch ins halbleere Tor kehren musste. Im weiteren Verlauf lieferten sich beide Seiten ein regelrechtes Schützenfest, bei dem die beiden Torhüter Braden Holtby (36 Saves, 83,7 Prozent Fangquote) und Martin Jones (33 Saves, 84,6 Prozent) von ihren Vorderleuten regelmäßig im Stich gelassen wurden. Als Capitals-Kapitän Alex Ovechkin zu Beginn des dritten Drittels seinen Hattrick (11., 26., 46., dritter Dreierpack in dieser Spielzeit) perfekt machte und somit auf 6:4 stellte, sah alles nach einem Sieg für Washington aus.

NHL Saison 2018/19

Die Sharks aber landeten ein beispielloses Comeback. Erst verkürzte Tomas Hertl im Powerplay (51.), dann folgte der Wahnsinn in Reinform in buchstäblich letzter Sekunde: Mit dem Mute der Verzweiflung warf Pavelski den Puck vors Tor, wo Evander Kane bei noch genau 1,0 Sekunden auf der Uhr die Scheibe zum 6:6 über die Linie drückte. "Ich dachte, das Spiel ist vorbei. Ich bin frustriert zur Bank gefahren und habe meinen Schläger zerbrochen. Dann schaue ich hoch und Kane macht ihn rein", wunderte sich Center Logan Couture. Für die Overtime hatte San Jose das Momentum damit auf seiner Seite. Hertl spielte einen Doppelpass mit Couture, traf zum spielentscheidenden 7:6 (62.) und komplettierte damit selbst einen Hattrick. "Ich bin einfach nur glücklich, den Siegtreffer erzielt zu haben", sagte der Tscheche nach seinem zweiten Dreierpack in der laufenden Saison. "Es war ein verrücktes Spiel, aber jeder hat hart gekämpft, ist dran geblieben und wir haben es geschafft. Das zählt."

"Es war ein wilder Ritt. Wie ein um fünf Tage vorgezogenes All-Star-Spiel. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir nehmen den Sieg mit. Wir haben ihn gebraucht", so Sharks-Coach Peter DeBoer. Kopfschütteln herrschte auch beim Gegner, der die längste Niederlagenserie seit vier Jahren hinnehmen muss. "Das war kein Capitals-Hockey. Gegen ein Team mit solch einer Feuerkraft haben wir Chance für Chance zugelassen. Wir haben heute erneut eine harte Lektion gelernt. Das ist nicht akzeptabel und wird langfristig nicht funktionieren. Keine Chance", polterte Washingtons Trainer Todd Reirden. "Wir sind momentan einfach nicht da, werfen nur 90, 95 Prozent rein. Die fehlenden fünf oder zehn Prozent bringen wir nicht. Das kostet uns viele Gegentore", suchte Caps-Stürmer T.J. Oshie einen Erklärungsansatz.

Kahuns Blackhawks knacken die beste NHL-Defensive

Die Chicago Blackhawks knackten mit einem 3:2-Sieg n.P. gegen die New York Islanders die beste Defensive der NHL. Zu einem deutschen Aufeinandertreffen kam es allerdings nicht. Bei den Hawks spielte Stürmer Dominik Kahun zwar in der zweiten Reihe neben Alex DeBrincat und Dylan Strome (14:17 Minuten Eiszeit, davon 0:41 im Powerplay), doch kam bei den Isles weder Torwart Thomas Greiss (Backup) noch Angreifer Tom Kühnhackl (Healthy Scratch) zum Einsatz. New Yorks Starter Robin Lehner zeigte mit 38 Paraden und 95 Prozent Fangquote erneut eine starke Leistung und war lediglich in Unterzahl zu bezwingen: Auf die jeweilige Islanders-Führung durch Valtteri Filppula (3.) und Mathew Barzal (28.) antworteten die Blackhawks mit zwei Powerplay-Treffern von Dylan Strome (27.) und Jonathan Toews (40.). Die Entscheidung dann erst im Penaltyschießen, wo Chicagos Torwart Cam Ward (34 Saves, 94,4 Prozent Fangquote) alles entschärfte, während seine Mitspieler Toews und Patrick Kane jeweils trafen.

Edmonton: Draisaitl verliert erneut

Die dritte Pleite in Folge mussten die Edmonton Oilers im Heimspiel gegen die Detroit Red Wings einstecken. Bei der 2:3-Niederlage centerte der Deutsche Leon Draisaitl die zweite Sturmreihe neben Jujhar Khaira und Alex Chiasson. Der 23-jährige Kölner, der die Oilers auch beim All-Star-Game am kommenden Wochenende vertreten wird, kam auf 26:06 Minuten Eiszeit (davon 4:31 im Powerplay und 1:33 in Unterzahl), gewann 55 Prozent seiner Faceoffs und war an beiden Toren beteiligt: Zum 1:2 traf Draisaitl selbst (45.) und legte später noch das 2:3 für Matt Benning auf (58.). Für Detroit zeigten sich Dylan Larkin (25.) und Doppelpacker Luke Glendening (31., 47.) erfolgreich.

NHL-Ergebnisse vom Dienstag, dem 22. Januar 2019:

Washington Capitals - San Jose Sharks 6:7 n.V.
Ottawa Senators - Arizona Coyotes 2:3
Chicago Blackhawks - New York Islanders 3:2 n.P.
Calgary Flames - Carolina Hurricanes 3:2 n.V.
Edmonton Oilers - Detroit Red Wings 2:3

Christian Rupp

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