So ist der dreimalige Welthandballer Frankreich keine Hilfe

Karabatic: Protokoll eines ganz speziellen Comebacks

Nikola Karabatic

Noch kein wirklicher Faktor im französischen Spiel: Handball-Star Nikola Karabatic. imago

Aus Berlin berichtet Maximilian Schmidt

19.43 Uhr: Nach dem ganzen Theater seit seiner Ankunft in Berlin am Samstag hatte er auf diesen Moment gewartet: Nikola Karabatic betritt das Spielfeld der Berliner Arena am Ostbahnhof, um gegen Russland endlich die Arbeit aufzunehmen . Er klatscht die Kollegen ab, nimmt noch einmal einen tiefen Schluck aus der Pulle und taucht dann in seinen Tunnel ein.

20.23 Uhr: Bei der Mannschaftsaufstellung der Franzosen brandet Jubel in der zu 95 Prozent mit deutschen Fans besetzten Halle auf. Karabatics Name war Sekundenbruchteile zuvor verlesen worden. 11.287 Zuschauer freuen sich einfach darauf, den dreimaligen Welthandballer bei ihrem Besuch sehen zu können. Karabatic wirkt extrem fokussiert, springt als einziger Franzose auf der Stelle hin und her. Mit geschlossenen Augen genießt er es sichtlich, die Hymne mit den Teamkollegen zu singen.

20.29 Uhr: Karabatic zieht sich die Jacke aus und schreitet als Erster zum Mittelkreis, um kurz den Ball in die Hand zu nehmen und ein erstes Gefühl zu bekommen. Anschließend nimmt er seine Abwehrposition auf der linken Halbposition ein und freut sich auf die ersten Minuten bei seiner achten (!) Weltmeisterschaft.

20.32 Uhr: Im Angriff spielt Karabatic an der Seite von Melvyn Richardson, Sohn des legendären Jackson Richardson, der nun ebenfalls nachnominiert wurde. Direkt setzt der Superstar von "Les Experts" zum Wurf an - und knallt die Kugel an die Oberkante der Latte.

20.34 Uhr: Nur zwei Minuten später ist Karabatic, der lange nicht so dynamisch und kraftvoll wie sonst wirkt, frei durch - und scheitert mit einem unplatzierten Wurf an Keeper Viktor Kireev, der wegen seiner 14 Paraden (38 Prozent Fangquote) später zum "Spieler des Spiels" gewählt wird. Im direkten Konter fängt sich Frankreich das 0:3.

20.39 Uhr: So kennt man Karabatic schon eher. Ohne Rücksicht auf Verluste sucht er die Lücke, der deutlich kleinere und schmächtigere Timur Dibirov hängt sich in seinen Arm und bekommt dafür eine Zwei-Minuten-Strafe aufgebrummt. Erstes Erfolgserlebnis für den langjährigen französischen Anführer.

Karabatic lauscht, schlendert, schaut ungläubig und grinst

20.47 Uhr: Nach fast exakt einer Viertelstunde holt Coach Dinart den im Vollbesitz seiner Kräfte womöglich wertvollsten Spieler vom Platz und gibt ihm eine Pause. Kurz darauf erhebt sich Karabatic bei einer Auszeit still und lauscht aus der letzten Reihe der Spielertraube fast schüchtern den Worten des Nationaltrainers.

Nikola Karabatic

Ist wieder zurück auf dem Parkett: Frankreichs Aushängeschild Nikola Karabatic. imago

21.04 Uhr: Mit einem 12:12 geht es in die Pause, Karabatic schlendert in ein Gespräch mit Mahé vertieft Richtung Kabine. Auch nach der Pause soll der zweimalige Olympiasieger vorerst auf der Bank Platz nehmen.

21.33 Uhr: Karabatic wird von Dinart aufgefordert, sich langsam bereit zu machen. Hinter der Bank beginnt er deswegen gemeinsam mit Valentin Porte und Dika Mem mit einigen Stretching-Übungen. Frankreich liegt da in der 43. Minute mit 15:18 zurück und ist auf dem besten Weg, den Gruppensieg noch aus der Hand zu geben.

21.40 Uhr: Karabatic ist mittlerweile wieder auf dem Parkett, plötzlich geht ein Raunen durch die noch immer gut gefüllte Arena am Ostbahnhof. Aus acht Metern verfehlt der viermalige Weltmeister relativ unbedrängt das Tor. Ein wenig ungläubig schaut er dem Ball im Fangnetz hinterher.

21.50 Uhr: Es geht in die ganz heiße Phase des Spiels, Karabatic wird von Dinart erneut ausgewechselt. Der junge Romain Lagarde soll in der Crunch Time mithelfen, das Ruder noch herumzureißen.

21.59 Uhr: Frankreich hat das Spiel gegen die Russen in letzter Minute sehr schmeichelhaft mit 23:22 gewonnen. Bei der Mannschaftsbesprechung hat der zuvor eher zurückhaltende Karabatic doch ein breites Grinsen auf den Lippen. Er ist ganz offensichtlich froh, zurück zu sein. In dieser Form ist Karabatic allerdings keine wirkliche Hilfe für den amtierenden Weltmeister. Hat er sich ganz bewusst so stark zurückgehalten oder sind ihm die drei Monate ohne Handball doch so brutal anzumerken? Am Samstagabend (18 Uhr) wird es Spanien wohl erfahren.

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