Ungarn und Ägypten liefern sich packendes Duell

Letzte Patrone klemmt: Katars Wunschtraum zerplatzt jäh

Katar

Geknickte Verlierer: Youssef Ali & Co. imago

Nach dem sensationellen zweiten Platz bei der Heim-WM 2015 reichte es für Katar vor zwei Jahren in Frankreich immerhin für Rang acht. Wegen seiner verpönten Methoden ( Stichwort: Einbürgerung ) bleibt das Projekt aus dem Wüstenstaat allerdings auch in 2019 weiter umstritten. Umso größer war die Schadenfreude im Netz, als sich Katar gleich zum Auftakt gegen Angola (23:24) blamierte . Der Wunschtraum blieb deswegen aber der gleiche, ein Ticket für die Hauptrunde sollte es werden. Hoffnung machte bei dieser Mission das 28:23 gegen Ägypten, doch am Mittwochabend war gegen Schweden trotzdem mächtig Druck auf dem Kessel. Zählbares musste her, um die Zügel weiter selbst in der Hand zu halten. Und Katar warf von Beginn an alles in die Waagschale, die Zweikämpfe ging der Wüstenstaat mit Messern zwischen den Zähnen an. Dazu hatte der Außenseiter in Danijel Saric (13 Paraden, 37 Prozent Fangquote) einen starken Rückhalt. Die beste Turnierleistung krönte Katar mit einer 11:10-Führung zur Pause, zusätzlich sah Linus Arnesson für seinen Schlag ins Gesicht von Kreisläufer Youssef Ali Sekunden vor Ende des ersten Abschnitts die Rote Karte.

Auch nach dem Wechsel blieb es für Schweden ein verdammt hartes Stück Arbeit, der amtierende Vizeeuropameister lief ständig einem Rückstand hinterher. Dann waren es allerdings die bärenstarken Bundesliga-Profis Lukas Nilsson (THW Kiel) und Mattias Zachrisson (Füchse Berlin), die den Favoriten zurück in die Spur brachten. Beide erzielten je sieben Tore und behielten in den entscheidenden Momenten einen kühlen Kopf. Beim 23:19 von Kreisläufer Andreas Nilsson war in der 56. Minute die Vorentscheidung gefallen. Durch die 22:23-Niederlage steht Katar tatsächlich vor dem Vorrundenaus. Auch bei einem Sieg gegen Argentinien zum Gruppenabschluss am Donnerstag (18 Uhr) bedarf es noch Schützenhilfe - von Angola.

Auf Ungarns Rückraum ist Verlass

Was sonst noch lief? Nach dem nachmittäglichen 33:26 (17:12)-Erfolg der Argentinier über Angola hatte das zweite Match in Gruppe D etwas mehr Spektakel zu bieten gehabt. Das bis dato gefällig aufspielende Ungarn und Ägypten lieferten sich einen rassigen wie unglaublich intensiven Schlagabtausch - der in einem 30:30 (14:14)-Remis gipfelte. Aber der Reihe nach: Die Magyaren gingen auch wegen der bisher gezeigten Turnierleistungen als Favorit ins Spiel. Zwischenzeitlich führte Ungarn auch mit drei Toren, doch die Moral der Ägypter stimmte und plötzlich lagen die Nordostafrikaner in Front (14:11, 28.). Obwohl es zur Pause wieder unentschieden gestanden hatte, packte Ägypten die Chance beim Schopf und zog auf 19:15 davon (37.).

Ungarn hielt allerdings mit der vollen Angriffs-Power des Rückraums dagegen: Richard Bodo (Rückraum links, fünf Tore), Spielmacher Mate Lekai (sechs Tore) und Ikone Laszlo Nagy (Rückraum rechts, fünf Tore) stellten den Anschluss wieder her und waren bis zum Schlusspfiff die entscheidenden Faktoren.

Doch die "Pharaos" hatten in Ali Zeinelabedin eine gewaltige Antwort, der extrem athletische 1,90-Meter-Mann war mit sieben Toren (bei zehn Versuchen) bester Werfer des Spiels. Dazu häufte Keeper Mohamed Eltayar elf Paraden (38 Prozent Fangquote) an. In den letzten Sekunden gaben sich beide Teams mit dem einen Punkt zufrieden: Ägypten kann am Donnerstag (15.30 Uhr) mit einem Erfolg über Angola den Hauptrundeneinzug perfekt machen. Ungarn braucht einen Sieg, um Schweden im direkten Duell noch als Gruppensieger abzufangen.

msc

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