NFL

Saints-Quarterback Drew Brees: 41, 74,4 und gefeiert wie ein Messias

Quarterback der New Orleans Saints wird 2020 in die NFL zurückkehren

Drew Brees: 41, 74,4 Prozent und gefeiert wie ein Messias

Drew Brees

Nach einem schweren Start höchst erfolgreich unterwegs: Star-Quarterback Drew Brees. Getty Images

Aller Anfang ist schwer! Als der am 15. Januar 1979 im texanischen Austin geborene Andrew Christopher "Drew" Brees nach einer Knieverletzung mit der Westlake High School die State Championship gewinnt (16:0) und auch mit Purdue unter anderem 19 College-Rekorde aufstellt (90 Touchdowns in 45 Spielen), bahnt sich eine steile NFL-Karriere schon an. Von Erfolg und gar Star-Power spricht aber noch niemand, schließlich gilt Brees' Arm als deutlich zu schwach und er selbst zu seiner Zeit als deutlich zu klein (1,83 Meter) - unter 1,95 Meter gehe für gewöhnlich nichts.

Trotzdem "erbarmen" sich die damals noch in San Diego ansässigen Chargers im NFL-Draft 2001, den damals 22-jährigen Quarterback in der zweiten Runde und an 32. Stelle zu ziehen. In seinem zweiten Jahr wird Brees schließlich Starter, liefert allerdings nicht immer ab - und als die Chargers 2004 auch noch den heute noch aktiven Spielmacher Philip Rivers (38) an Land ziehen, gilt die Zeit des jungen Passgebers im Team als beendet.

New Orleans Saints - Die letzten Spiele
Minnesota (H)
20
:
26
Carolina (A)
10
:
42
Trainersteckbrief Payton

Payton Sean

New Orleans Saints - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.11.1966

Vereinsfarben

gold, schwarz, weiß

Immerhin: 2004 wird Brees überraschend zum "Comeback Player of the Year", weil er die Chargers mit 3159 Yards und 27 Touchdowns (nur sieben Interceptions) stark anführt. Nach 2005 (3576 Yards, 24 TDs, 15 Int.) und einer Schulterverletzung wird ihm aber nur noch ein stark auf Bonus-Zahlungen aufgebauter Vertrag angeboten. Brees lehnt ab.

Die Saints erkennen die Chance

Der Quarterback lässt sich in der Folge von Dr. James Andrews, der die notwendige Schulter-Operation auch durchführt, ein öffentliches Statement über die Heilungsschancen ausstellen und ist Free Agent. Doch New Orleans ist neben Miami, wo der Spieler später allerdings den Medizincheck nicht besteht und deswegen trotz Befürworter in Florida nicht mehr gefragt ist, hellhörig geworden nach den guten letzten zwei Jahren im Chargers-Dress.

"Ich erinnere mich noch genau, als der erste Anruf von Sean Payton (damals und bis heute Trainer der Saints; Anm.d.Red.) kam", berichtet Brees im Nachgang. "Das war für mich ein ziemlicher Boost, weil ich ja keine Ahnung hatte, wie die Free Agency für mich aussehen würde - einen Spieler, der gerade von einer schweren Verletzung zurückkehrt, der acht Monate Reha vor sich hat und dem manche Ärzte sagen, dass er eine 25-prozentige Chance hat, wieder Football spielen zu können."

"Im Endeffekt", so Brees' Frau Brittany später, "kam es für Drew auf eine Sache an: Die Saints haben an ihn geglaubt." Und das tun sie noch heute, wo der Quarterback inzwischen seine 14. Spielzeit absolviert hat (Aus in der Wild Card Round mit einem 20:26 nach Overtime gegen die Minnesota Vikings) und mit dem Team nach seiner neuesten Ankündigung am 18. Februar auch 2020 an den Start gehen wird. Seine Worte dazu: "Ich liebe die Saints Nation. Lasst uns alle zusammen einen neuen Angriff auf die Krone starten!"

Drew Brees

Der bisherige Glanzpunkt der famosen Laufbahn von Drew Brees: der Super-Bowl-Sieg am 7. Februar 2010. Getty Images

Nackte Fakten allein werden dem NFL-Star, der mit seiner Frau Brittany Dudchenko (seit 2003 verheiratet) drei Söhne und eine Tochter hat, bei weitem nicht gerecht. Zahlen und Rekorde schon eher: Denn Brees hat in der 2018er Regular Season nicht nur seine eigens aufgestellte NFL-Passing-Rate-Bestmarke von 2017 (72 Prozent) überboten (74,4 Prozent) und 2019 fast nochmals geknackt (74,3 Prozent), er hat im Grunde fast überall seinen Abdruck in der Enzyklopädie der National Football League hinterlassen.

Die meisten Passing Yards aller Zeiten? Brees mit inzwischen 77.416 Yards auf Rang 1 - und vorbei an Legenden wie Brett Favre oder Peyton Manning. Die beste Passquote aller Zeiten? Brees mit 67,6 Prozent auf Rang 1. Die meisten Spielzeiten am Stück mit jeweils über 4500 Passing Yards? Brees auf Rang 1 (2010 bis 2016). Und dann wären da seine bisher erreichten 547 Touchdown-Pässen in nun schon 19 Regular Seasons - auch das ist Spitze!

Aus Brees wird "Breesus"

Lange Rede, kurzer Sinn: Längst hat Brees alle Kritiker Lügen gestraft, die ihn einst als zu klein oder zu unfähig eingeschätzt haben. Eines seiner Geheimnisse, die er auch in seinem Buch "Coming Back Stronger" zusammengeschrieben hat: "Wenn du dich selbst und die Jungs dazu bringst, an sich zu glauben und immer aggressiv Richtung Sieg zu sein, dann wirst du befreiter. Du trittst letztlich einfach cooler auf und kannst den Druck vergessen." Oder auch: "Wenn du aufwachst, denke daran, den Tag zu meistern. Kümmere dich nicht um die Woche oder den Monat - denke nur an den Tag. Denn wenn du an den Berg in der Weite denkst, dann schaffst du womöglich nicht mal den kleinen Hügel direkt vor dir. Es geht darum: Meistere den Tag, den Moment!"

Drew Brees

Stets den Sieg im Blick: Drew Brees. Getty Images

Sein Husarenstück ist und bleibt dabei aber mit Abstand die Saison 2009/10, als die Stadt New Orleans und all die umliegenden Regionen von den Nachwehen des schlimmen Hurrikans Katrina (August 2005, eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten) betroffen sind, für eine lange Zeit bleiben - und Brees hierbei zu einer Art Sinnbild der Hoffnung aufsteigt. Hier wird auch der Spitzname "Breesus" geboren.

Der Spielmacher führt das Team während der Regular Season nicht nur zu einem 13:0-Start (13:3 am Ende), sondern die erst seit 1967 existenten New Orleans Saints in den ersten Super Bowl. Dort, in Miami am 7. Februar 2010, gelingt schließlich ein 31:17 gegen die Indianapolis Colts. Brees bringt dabei 32 Pässe (eingestellter Brady-Rekord im Super Bowl) an den Mann, erreicht 288 Yards und zwei Touchdowns. Damit ist sein Denkmal manifestiert. Der "Messias" hat der schwer erschütterten Stadt und Region genau zur rechten Zeit Hoffnung gegeben.

Brees ist "als Mensch noch viel großartiger"

Dazu passt, dass Weggefährten regelmäßig ins Schwärmen geraten, wenn sie über Brees sprechen. Sie schwelgen dann in Erinnerungen, denken an bestimmte oder lustige Szenen, rufen sich Gespräche ins Gedächtnis. Der ehemalige Wide Receiver und Brees-Kollege Lance Moore sagt zum Beispiel: "Er ist ein großer Spieler, aber als Mensch ist er noch viel großartiger."

Großartig und als künftiger Hall-of-Famer wird Brees auch unter Football-Experten angesehen, doch nicht auf einer Stufe mit den ganz großen seiner Zunft wie Tom Brady (sechs Titel), Terry Bradshaw oder Joe Montana (jeweils vier).

Ich freue mich auf all die Schufterei und auf die bevorstehende Reise - und darauf, dass der Preis am Ende der Saison es wert sein wird.

Drew Brees bei seiner Ankündigung am 18. Februar 2020, in seine 20. Regular Season zu gehen

Daran ändern könnte er etwas in diesem neuen Jahr 2020, wenn Brees in seine 20. NFL-Regular-Season gehen wird - und mit seinen Saints mit großartigen Auftritten im heimischen Mercedes-Benz Superdome die Play-offs sowie anschließend abermals zum zweiten Mal in seiner großartigen Karriere die Vince Lombardi Trophy anvisieren möchte. Der Traum davon treibt den 41-jährigen Routinier in jedem Fall nach wie vor mächtig an, weswegen ein verfrühter Ruhestand nicht infrage gekommen ist: "Ich freue mich auf all die Schufterei und auf die bevorstehende Reise - und darauf, dass der Preis am Ende der Saison es wert sein wird."

mag

Drew Brees: Der "Heilige" von New Orleans