Ex-Profi schimpft über soziale Medien und Oberflächlichkeit

Rosenthal rechnet mit Fußball-Geschäft ab

Jan Rosenthal

"Viel Fassade, wenig Inhalt": Jan Rosenthal bringt seine Meinung auf den Punkt. imago

Ohne die sozialen Medien geht heute nichts mehr. Vereine wie Spieler bedienen ihre Follower auf diversen Kanälen. Doch wie unterhaltend sind die Timelines der Profis? Für Jan Rosenthal, der seine Karriere im Sommer beendet hat, ist die Sache klar. "Ein Bild vor dem Spiel, 'Wir kommen an, gleich aufwärmen', dann noch ein Foto nach der Partie mit einem nichtssagenden Fazit wie 'Kopf hoch, nächstes Spiel drei Punkte'. Das bietet mir nichts - weil das meiste, was an Statements interessant sein könnte, gar nicht erst rausgeht, sondern von den Vereinen glattgebügelt oder bewusst weggelassen wird, weil es dem Klub oder einem selbst in irgendeiner Form schaden könnte", findet er im Interview mit "Sportbuzzer" klare Worte und fügt selbstkritisch an. "Nicht falsch verstehen: Ich habe damals auch so etwas gepostet oder platte TV-Interviews gegeben. Doch ich habe zunehmend gecheckt, wie stumpf das eigentlich ist." Ecken und Kanten seien ohnehin nicht gewünscht. Und so folgt er selbst nur noch wenigen Spielern.

Zeigt ein Profi eine eigene Meinung, wird sie meist schnell vom Verein wieder eingefangen. Diese Erfahrung machte beispielhaft für andere auch Fiete Arp vom Hamburger SV. Zur brisanten Entlassung von Trainer Christian Titz äußerte sich der Stürmer, indem er in seiner Instagram-Story ein Bild beim Shakehand mit Titz hochlud, auf dem verärgerte Smileys und sechs Ausrufezeichen zu sehen waren. Kurz darauf löschte er es wieder und erklärte später, als Reaktion auf Titz' Entlassung wollte er das nicht gesehen haben. "So eine Meinungsäußerung nach außen, das ist nicht zu akzeptieren", hieß es schnell von Vereinsseite zu dieser Aktion.

Rosenthal: "Viel Fassade, wenig Inhalt"

Und so seien auch die TV-Interviews der Kollegen nach Meinung Rosenthals alle gleich. "Viel Fassade, wenig Inhalt", hält er der ganzen Branche vor. Zudem würden die Spieler dazu neigen, die eigene Welt zu überhöhen. "Man denkt, man wäre sonst wie wichtig - dieser Eindruck wird einem eben auch permanent von außen vermittelt -, aber tatsächlich ist das Quatsch", beschreibt er das Innenleben eines Profis und bezieht sich selbst explizit mit ein.

Statussymbole dominieren die Kabinengespräche

An Oberflächlichkeit sind viele Kabinengespräche kaum zu überbieten, glaubt man Rosenthal. Vor allem junge Spieler würden sich dort gerne über Statussymbole profilieren. "Mal eine Uhr, mal ein Auto, oder die neuen teuren Klamotten. Man bedient das Image des Profis, weil genau diese Dinge Gesprächsthema in der Kabine sind", erzählt Rosenthal und kritisiert: "Da kommt kaum einer mit Politik oder einem Buch von Hesse an und ein anderer freut sich, und sagt dir, dass er es auch gelesen hat. Sowas passiert in der Bundesliga nahezu nicht."

tru

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