Pfiffe stoßen Nürnbergs Verteidiger bitter auf

Bauer bissig: "Wer das tut, hat keine Ahnung von Fußball"

Robert Bauer

Denkt trotz des Negativlaufs nicht ans Aufgeben: Nürnbergs Robert Bauer. imago

Den Kampfgeist hatte Robert Bauer nach dem unnötigen wie deprimierenden 0:1 gegen den SC Freiburg nicht verloren, als er wenige Minuten danach in der Mixed-Zone erschien. "Ich weiß, mit den Aussagen werde ich mich vielleicht unbeliebt machen, das ist mir aber scheißegal", sagte der Rechtsverteidiger, dem es bitter aufstieß, dass Teile des Publikums schon früh in dieser Partie bei Rückpässen pfiffen anstatt die Mannschaft zu unterstützen.

Auch Fragen nach dem drohenden Abstieg konterte der 23-Jährige bissig. "Wieso? Wie viele Spiele gibt es in der Rückrunde? Sollen wir jetzt eine Abschiedstour machen?" Daran denkt Bauer nicht im Entferntesten. "Es gibt keinen Einzigen, der bei uns den Kopf hängen lässt. Wir wissen, wir haben alles in der eigenen Hand, wenn wir eine gute Rückrunde spielen. Es ist noch nichts verloren. Da bringt es nichts, wenn von außerhalb negative Stimmung an uns herangetragen wird."

Spielersteckbrief Ro. Bauer
8

Bauer Robert

1. FC Nürnberg

Deutschland

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Bundesliga - 17. Spieltag
17. Spieltag
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4
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5
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6
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7
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25
8
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24
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24
Tabelle Bundesliga

"Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir nicht alles gegeben haben"

Mut macht dem Silbermedaillengewinner von Rio 2016 die Leistung gegen Freiburg. "Vorne haben wir Pech, hinten flutscht dann so ein Ding rein. Wir haben trotzdem immer weitergemacht. Man hat gesehen, dass wir ein Herz haben und gemeinsam immer versuchen, alles zu geben. Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir nicht alles gegeben haben. Wer das tut, hat keine Ahnung von Fußball."

So verständlich Bauers Aussagen sind, man kann sie natürlich auch umdrehen. Wann will diese Mannschaft überhaupt mal wieder drei Punkte einfahren, wenn sie sich selbst nach einer - subjektiv betrachtet - guten Leistung nicht belohnt? Wann, wenn nicht gegen einen Gegner wie den SC Freiburg, der wahrlich keinen guten Tag hatte? Wann, wenn selbst beste Chancen wie die von Adam Zrelak (38. Minute) nicht genutzt werden?

Verteidiger kann Kritik teilweise nachvollziehen

Zumindest dieser Kritik schloss sich Bauer an: "Wir sind vorne zu harmlos. Heute hatten wir klarere Chancen als in den letzten Wochen, aber wir schießen das Tor nicht." Sein Fazit: "Wir müssen an unserem Weg festhalten, spielen einen guten Ball, sind fast immer zumindest gleichwertig."

Die Krux: In Punktgewinnen schlägt sich das nicht nieder. Bei elf Zählern nach der Hinrunde braucht dieses Team vermutlich 20 oder mehr in der Rückrunde. Doch daheim empfängt der Club dann die großen Kaliber der Liga, während er bei den direkten Konkurrenten - bis auf Augsburg - auswärts antreten muss. Kein Mutmacher, wenn man die Schwäche auf fremden Plätzen mit gerade einmal zwei Remis kennt. Da braucht es mehr als Kampfgeist.

Frank Linkesch