Regionalliga

Viktoria Berlin meldet Insolvenz an

Zahlungen des chinesischen Investors blieben aus

Viktoria Berlin meldet Insolvenz an

Stadion Lichterfelde

Das Stadion Lichterfelde: Ob der Spielbetrieb von Viktoria fortgeführt werden kann, ist derzeit noch offen. imago

Aufgrund dieses Vorgehens der Advantage Sports Union (ASU) aus Hongkong sieht sich der Deutsche Meister von 1908 und 1911 "nicht mehr in der Lage, die auflaufenden Verbindlichkeiten zu decken", wie es in der Mitteilung hieß. Und weiter: "Wir bedauern sehr, dass die ASU ihre Verpflichtungen ohne Nennung von triftigen Gründen nicht einhält, vereinbarte Zahlungen nicht geleistet hat und auch zukünftige Zahlungen ablehnt. Dies alles kam für uns umso überraschender, da sowohl alle notwendigen Schritte und Maßnahmen zur Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft abgeschlossen waren und sich auch der sportliche Erfolg eingestellt hat."

Vor einem halben Jahr hatte Viktoria bundesweit für Aufsehen gesorgt. Mit dem Einstieg der ASU um den Vorsitzenden Alex Zheng, die sich auch beim französischen Klub OGC Nizza oder dem US-Klub Phoenix Rising engagiert, plante der Nordost-Regionalligist den Großangriff auf den Profifußball. Im Raum stand ein zweistelliger Millionenbetrag, den der chinesische Investor über zehn Jahre angeblich zur Verfügung stellen sollte.

Im Juni schaffte Viktoria auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Voraussetzung für den Deal mit der Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft. Nun aber dürfte das Projekt gescheitert sein. Auf Nachfrage war Viktorias Geschäftsführer Felix Sommer am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Am Freitag sollen Mannschaft und Trainerteam über die aktuelle Entwicklung und das weitere Vorgehen informiert werden.

"Mit dem Insolvenzantrag sichern wir die Fortführung des Vereins, welcher nach Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters (Prof. Dr. Torsten Martini von der Kanzlei Leonhardt Rattunde, Anm. d. Red.) auch wieder handlungsfähig ist. Der Spielbetrieb der rund 70 Mannschaften des Breitensports wird wie bisher weitergeführt. Dies ist mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und seinem Team abgestimmt. Wir bauen auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit", teilte Viktoria mit. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werde man "alle weiteren Maßnahmen in Bezug auf Arbeitsverträge von Mitarbeitern und Spielern" erarbeiten. "Inwieweit der Spielbetrieb dann in der Herren-Regionalliga Nordost fortgeführt wird, kann heute natürlich noch nicht beantwortet werden", hieß es.

In der Regionalliga Nordost ist der Klub, der bei seinen "vielen treuen Partnern und Lieferanten" um Entschuldigung bat, dass man nicht alle Verbindlichkeiten vollständig ausgleichen könne, aufgrund der Winterpause in diesem Jahr nicht mehr gefordert. Allerdings trifft Viktoria am kommenden Sonntag (14 Uhr) im Rahmen des Berliner Pokals auf den Kreisligisten Polar Pinguin. "Das Pokalspiel soll stattfinden", sagte Bernd Schultz dem kicker. Zudem erklärte der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV): "Viktoria ist der Verein mit der größten Anzahl von Mannschaften in Berlin. Wir können nur hoffen, dass er den Betrieb fortführen kann."

Bereits seit einiger Zeit hatten in der Bundeshauptstadt Gerüchte die Runde gemacht, dass die ASU sich zurückziehen könne und Viktoria in dem Fall die Insolvenz drohen würde. Auch von ausstehenden Gehaltszahlungen für den in dieser Saison durchaus mit prominenten Namen verstärkten Kader (unter anderem mit dem ehemaligen Mainzer Bundesligaspieler Petar Sliskovic und dem Fürther Zweitligaprofi Jurgen Gjasula) war die Rede gewesen.

Andreas Krühler/me/rei