Polizei ermittelt nach Vorwürfen gegen Fans

Sterling nach Chelsea-Vorfall: Medien helfen, "Rassismus zu befeuern"

Raheem Sterling

Musste sich an der Stamford Bridge Unsägliches anhören: Raheem Sterling. imago

"Die schlechten alten Tage sind zurück. Chelsea, ihr wurdet beschämt von diesem widerlichen rassistischen Fan! Es besteht absolut kein Zweifel daran, was er sagt", twitterte Ex-Nationalspieler und Arsenal-Legende Ian Wright am späten Samstagabend als Kommentar zu einem Video-Ausschnitt, den er ebenfalls teilte. Dieser zeigt, wie Sterling in der ersten Hälfte den Ball am Spielfeldrand von der Bande holt und von vier Männern lautstark und wüst beschimpft wird. Nicht die einzige Szene dieser Art am Samstagabend. "Verabscheuungswürdig", kommentierte TV-Moderator Gary Lineker. "Lassen wir weiterhin zu, dass diese Art von rassistischem Verhalten weitergeht?", fragte Ex-Nationalspieler Rio Ferdinand.

Chelsea verspricht Härte

Die englische Polizei nahm Ermittlungen wegen vermeintlich rassistischer Beleidigungen gegen einzelne Fans auf. Man werde die Videos auswerten, "um festzustellen, ob Verstöße begangen wurden", teilte die Metropolitan Police mit. Der FC Chelsea versicherte, wenn nötig die "härtest möglichen" Konsequenzen zu ziehen.

Der englische Fußballverband FA beteuerte in einer Stellungnahme, "Anschuldigungen über Diskriminierung sehr ernst zu nehmen und mit den Klubs und Behörden zusammenzuarbeiten, damit diese Angelegenheit angemessen behandelt wird". Der Verband verurteilte jegliche Form von Diskriminierung zudem scharf.

"Kick It Out" kritisiert die Bosse

Die Organisation "Kick It Out", die gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball kämpft, fand ebenfalls deutliche Worte. "Was bei Chelsea passiert ist, zeigt, was im Fußball immer noch abgeht", erklärte der Vorsitzende Lord Herman Ouseley und kritisierte: "Wo ist Richard Scudamore (Noch Premier-League-Chef, d.Red.)? Wo ist Greg Clarke (Vorsitzender der FA)? Wo ist Chelseas Vorsitzender (Bruce Buck)? Sie hätten gestern Abend offen darüber reden sollen, dieses Problem muss von ganz oben behandelt werden." Die Art und Weise, wie Sterling von den Medien anders behandelt werde, hätte man in der Vergangenheit bereits ausreichend kommentiert.

Ihr konntet an meiner Reaktion sehen, dass ich lachen musste - weil ich nichts Besseres erwarte.

Raheem Sterling

Sterling selbst äußerte sich am Sonntagmorgen via Instagram und holte zur Kritik an Teilen der Medien aus. "Ihr konntet an meiner Reaktion sehen, dass ich lachen musste - weil ich nichts Besseres erwarte", schrieb Sterling mit Bezug auf das Video. Der englische Nationalspieler, auf den sich die berüchtigte englische Boulevardpresse in der Vergangenheit immer wieder massiv eingeschossen hatte , warf den Zeitungen vor mit tendenziöser Berichterstattung "Rassismus und aggressives Verhalten zu befeuern", in dem sie über Jungprofis abhängig von der Hautfarbe berichten würden.

Sterlings Beispiel: Zwei Häuser für die Mutter, zwei Überschriften

Als Beispiel führte er die Berichterstattung über zwei seiner jungen City-Teamkollegen an, die beide ein Haus für ihre Mutter gekauft hatten. Beim derzeit an West Brom ausgeliehenen Tosin Adarabioyo (21) lautete die Überschrift der "Daily Mail" vergangenen Januar: "Junger Manchester-City-Spieler, 20, der 25.000 Pfund die Woche verdient, spendiert 2,25 Millionen Pfund für eine Villa, obwohl er noch nie ein Premier-League-Spiel von Beginn an bestritten hat". Bei Phil Foden (18), der in der Liga ebenfalls noch nie in Citys Startelf stand, im Gegensatz zu Adarabioyo aber weiß ist, lautete die Überschrift im Oktober: "Manchester-City-Sternchen Phil Foden kauft neues 2-Millionen-Pfund-Heim für seine Mutter". Sterlings Forderung: "Denkt noch einmal über faire Berichterstattung nach und gebt allen Spielern dieselbe Chance."

Bananenschale auf Aubameyang

Bereits am vergangenen Wochenende war es beim North-London-Derby zwischen Arsenal und Tottenham (4:2) zu einem unrühmlichen Vorfall gekommen, als ein Tottenham-Anhänger eine Bananenschale auf Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang warf. In der schottischen Premier League wurden an diesem Wochenende in Edinburgh zwei Fans von Heart of Midlothian wegen rassistischer Beleidigungen gegen einen Motherwell-Profi verhaftet.

ski