Bundesliga

Marko Grujic begeistert Berlin: "Herthas bester Mittelfeldspieler, seit ich in Berlin bin"

Der Serbe wird für Hertha BSC immer wichtiger

Marko Grujic: "Herthas bester Mittelfeldspieler, seit ich in Berlin bin"

Marko Grujic

Matchwinner und Hoffnungsträger: Marko Grujic verzückt Berlin. imago

"Wir haben den perfekten Moment erwischt, um unser Tor zu erzielen", bilanzierte Grujic. "Danach konnten wir uns neu sortieren und die zweite Halbzeit mit noch mehr Selbstvertrauen angehen." An Selbstvertrauen mangelt es ihm ohnehin nicht. Sein Spiel strotzt vor Selbstverständlichkeit und natürlicher Autorität. Er fordert die Bälle, gewinnt Zweikämpfe, variiert den Rhythmus seines Teams - und suchte gegen Frankfurt so oft den Abschluss wie kein anderer Berliner (vier Torschüsse).

Der Serbe machte den Unterschied - und belohnte sich mit seinem ersten Treffer für den Klub, an den ihn der FC Liverpool bis zum Saisonende ausgeliehen hat. "In Hannover hatte ich letzte Woche im Abschluss noch etwas Pech", sagte Grujic. "Jetzt hat es geklappt, darüber bin ich sehr glücklich. Als die Ecke von Marvin Plattenhardt kam, hatte ich schon das Gefühl, dass ich den Ball ins Tor bekomme. Als es dann passierte, wurden viele Emotionen freigesetzt. Es war ein sehr spezieller Moment für mich."

Spielersteckbrief Grujic

Grujic Marko

Trainersteckbrief Klopp

Klopp Jürgen

Trainersteckbrief Dardai

Dardai Pal

Hertha BSC - Vereinsdaten

Gründungsdatum

25.07.1892

Vereinsfarben

Blau-Weiß

FC Liverpool - Vereinsdaten

Gründungsdatum

15.03.1892

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Phänomen Grujic "steht vielleicht bei 70, 75 Prozent nach seiner Verletzung"

Grujic, erst Mitte August geholt, ist praktisch aus dem Stand zum Dreh- und Angelpunkt des Berliner Spiels geworden. "Marko bringt alles mit", lobt Mitspieler Fabian Lustenberger. "Offensive Qualität, defensive Stabilität, Kopfballstärke, fußballerische Elemente - er bringt sehr viel mit, um alle Kriterien, die man als zentraler Mittelfeldspieler braucht, zu erfüllen. Wir sind froh, dass er bei uns und wieder fit ist." Wobei, bei 100 Prozent verorten ihn die Hertha-Verantwortlichen längst noch nicht. Grujic stieß erst relativ spät in der Vorbereitung dazu, im September erlitt er nach starken ersten Auftritten bei einem Foul von Mönchengladbachs Patrick Herrmann einen Bänder- und Kapselriss im Sprunggelenk. "Marko steht vielleicht bei 70, 75 Prozent nach seiner Verletzung", sagt Manager Michael Preetz. "Körperlich fehlt ihm noch etwas. Aber es wird von Spiel zu Spiel besser."

Und damit, das glauben sie in Berlin, wird auch der U-20-Weltmeister von 2015 noch besser. Coach Dardai sagt: "Ich bin sehr zufrieden mit Marko. Er ist defensiv und offensiv sehr präsent. Er ist kopfballstark, hat einen guten Schuss, eine gute Zweikampfführung und macht im richtigen Moment ein taktisches Foul. Wenn er richtig fit ist, erwarte ich noch mehr Abschlüsse. Gegen Gladbach hat man gesehen, wie er von Sechzehner zu Sechzehner marschieren kann."

Marcelinho war schon noch eine andere Kategorie.

Manager Preetz lächelnd über Dardais Lob

Dardai sieht in ihm "Herthas besten Mittelfeldspieler, seit ich in Berlin bin", seit 22 Jahren also - "so einen hatten wir in der Zeit noch nicht". Manager Preetz, der im Sommer 1996 und damit ein halbes Jahr vor Dardai zu Hertha BSC wechselte, sieht die Reihenfolge anders als der Trainer und sagte nach dem wichtigen 1:0 gegen die Eintracht lächelnd: "Marcelinho war schon noch eine andere Kategorie. Vielleicht hat sich Pal nicht mehr an den erinnern können." Doch, doch, die Erinnerung an den hochbegabten Brasilianer ist auch bei Dardai nicht verblasst, er hielt ihm schließlich jahrelang den Rücken auf dem Platz frei - "aber für mich war Marcelinho kein Mittelfeldspieler, sondern ein Angreifer, der als Flügelspieler geholt wurde und als Zehner funktioniert hat".

Glück hatte Grujic allerdings auch am Samstagabend. Als er in der 87. Minute seinen Kumpel Luka Jovic, mit dem er seit gemeinsamen Zeiten in der Talenteschmiede von Roter Stern Belgrad befreundet ist, am Torschuss hinderte und umriss, pfiff Referee Daniel Schlager nicht - und Video-Assistentin Bibiana Steinhaus schritt nicht ein. Die Frankfurter Empörung über den nicht gegebenen Elfmeter war zu Recht groß, auch wenn Grujic nach dem Spiel mit einem Lächeln sagte: "Luka beschwert sich immer. Es war nur ein leichter Kontakt und aus meiner Sicht kein Elfmeter."

Dass er ausgerechnet gegen seinen Freund Jovic und den ebenfalls gut mit ihm bekannten Mijat Gacinovic, mit dem er 2015 beim Championat in Neuseeland U-20-Weltmeister geworden war, den Sieg sicherte, gefiel Grujic erkennbar gut. "Sie haben verloren, ich habe den Siegtreffer gemacht", befand er. "Ich fände es nur fair, wenn sie mich demnächst mal zum Essen einladen würden."

Bleibt Grujic? "Es wäre schön, aber das entscheiden nicht wir"

Die Zukunft von Grujic, der beim FC Liverpool einen Vertrag bis 2023 besitzt, ist derweil offen - und wird sich so schnell auch nicht klären. "Es wäre schön, wenn er uns irgendwann gehört, aber uns sind die Hände gebunden", betonte Dardai. "Das entscheiden am Ende nicht wir. Aber unser Manager wird sicher alles versuchen." Wird er, keine Frage. "Marko ist die Symbiose zwischen defensivem und offensivem Spieler, die wir so lange gesucht haben - mit einem Tick mehr offensiver Qualität", meinte Preetz. "Er hat eine natürliche Begabung, steht instinktiv richtig und ist ein sehr, sehr guter Fußballer. Das war ein wunderbares Spiel von ihm. Wir sollten uns jetzt darüber freuen, dass er erst mal eine Saison bei uns spielt - und nicht so viel darüber nachdenken, was im nächsten Sommer sein wird."

Dass Preetz alles versuchen wird, den in der Rückrunde der Vorsaison an den späteren Premier-League-Aufsteiger Cardiff City ausgeliehenen Serben fest zu verpflichten, gilt als ausgemacht. Aber Herthas Manager, der seit Jahren einen guten Draht zu Liverpools Coach Jürgen Klopp hat und vor Grujic mit Allan (jetzt Frankfurt) bereits ein anderes Leihgeschäft tätigte, weiß eben auch: Öffentlich allzu viel über Transferabsichten und -gespräche preiszugeben, ist der eigenen Verhandlungsposition selten zuträglich.

Steffen Rohr