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"Andere Trainer würde man dafür schlachten": Jürgen Klopps Jubel gegen Everton löst hitzige Debatte aus

Klopp-Jubel löst hitzige Debatte aus

"Andere Trainer würde man dafür schlachten"

Jürgen Klopp jubelt gegen Everton

"Das ist nicht cool, aber es ist eben passiert": Jürgen Klopp jubelt gegen Everton. picture alliance

"Das ist nicht die Geschichte dieses Spiels", sagte Jürgen Klopp, doch das war, bevor eine BBC-Analyse fast 500 Kommentare nach sich zog, bevor der "Liverpool Echo" eine Sonderumfrage startete und bevor die "Sun" eine großformatige Jürgen-Klopp-"heat map" veröffentlichte: Der Liverpool-Trainer hat am Sonntag mit seinem Jubel im Derby gegen Everton eine Pointe gesetzt, über die längst nicht jeder lachen konnte.

Dabei war für Klopp-Verhältnisse eigentlich nichts Ungewöhnliches passiert: Als der eingewechselte Divock Origi nach 95 intensiven Minuten gerade ein wahrlich absonderliches Tor zum 1:0 geköpft hatte, bestand Klopps erste Reaktion darin, von seiner Coachingzone zum Mittelkreis zu rasen und dort seinem Torwart Alisson um den Hals zu fallen. "Ihr hättet mal seine Augen sehen sollen!", meinte Klopp.

Kumpel Wagner wunderte sich schon 2017 über die britische Jubel-Kultur

Was das alles sollte? "Wenn ich das sagen könnte, hätte ich es kontrollieren können. Ich wollte nicht rennen, das war nicht mein Plan. Ich wollte nicht zu Ali rennen, aber ich konnte mich nicht bremsen. Das ist nicht cool, aber es ist eben passiert." Doch genau das war hinterher die große Frage, die sich Fußball-England stellte und wohl nirgends sonst so humorlos gestellt worden wäre: War es cool? Oder nicht doch eine Respektlosigkeit sondergleichen?

Fest steht, dass Klopp die Regeln gebrochen hat, weil er als Trainer während des laufenden Spiels in der Coachingzone zu verharren hat, und dass er ernsthaft mit einer Sperre rechnen muss, weil es Kollegen schon erlebt haben. "In der britischen Kultur scheint es anders als in Deutschland unhöflich zu sein, wenn ich mit meinen Spielern juble", hatte schon Klopps Kumpel David Wagner festgestellt, als er 2017 einmal für einen Jubelsprint an der Seitenlinie für zwei Spiele auf die Tribüne verbannt worden war.

"Was Klopp da macht, ist absolut schockierend"

Während also viele Fans, Ex-Profi John Arne Riise ("Nach diesem Jubel liebe ich Herrn Klopp noch mehr") oder Everton-Trainer Marco Silva ("Vielleicht hätte ich das gleiche gemacht") kein Problem mit Klopps Verhalten hatten, es sogar feierten, führte Danny Mills die entgegengesetzte Fraktion an - mit vollem Eifer.

"Was Klopp da macht, ist absolut schockierend", schimpfte der 41-jährige englische Ex-Profi in der BBC, und nicht wenige Leser stimmten zu. "Okay, mal ein wenig die Seitenlinie entlanglaufen, die Coachingzone verlassen, mit den Mitarbeitern auf der Bank jubeln - damit habe ich kein Problem. Aber in den Mittelkreis zu rennen, ist meiner Meinung nach respektlos gegenüber Everton. Das geht unter keinen Umständen. Andere Trainer", sagte Mills und meinte vor allem José Mourinho, "würde man für so etwas schlachten." Klopp dagegen "scheint jeder zu lieben, er kann nichts falsch machen".

Silva widerspricht Klopp: "Er hat sich bei mir nicht entschuldigt"

Liverpools Trainer will nun abwarten, was die FA entscheidet. Am Montag leitete der Verband ein Verfahren ein. Klopp wird eines Fehlverhaltens beschuldigt und hat bis Donnerstagabend Zeit, eine Stellungnahme abzugeben. Danach wird ein Urteil gefällt.

Eine Rolle könnte dabei auch spielen, ob er sich bei Trainerkollege Silva entschuldigt hat oder nicht - Klopp behauptet es, Silva widerspricht: "Er hat sich bei mir nicht entschuldigt."

jpe