Nürnberg: Personalengpass hinten rechts

Köllner: Youngster oder Improvisation?

Hat hinten rechts ein Personalproblem: Nürnbergs Trainer Michael Köllner.

Hat hinten rechts ein Personalproblem: Nürnbergs Trainer Michael Köllner. imago

Eine knifflige, schwierige Angelegenheit. "Wenn dir die zwei Spieler nicht zu Verfügung stehen, die in dieser Saison auf dieser Position gespielt haben, dann ist das keine leichte Situation", so der Club-Coach. Anders ausgedrückt: Enrico Valentini nach einem Sehnenanriss im Oberschenkel im Lauftraining, Robert Bauer mit einer Gelb-Rot-Sperre auf der Tribüne, da gilt es zu improvisieren. Oder Mut zu zeigen und einen Youngster reinzuwerfen. Kevin Goden, 19 Jahre jung und im Sommer vom 1. FC Köln als Perspektivspieler geholt, ist auf der rechten defensiven Seite zu Hause und wäre demnach die vermeintlich naheliegende Eins-zu-eins-Lösung.

Was gegen den gebürtigen Bonner spricht, der am zweiten Spieltag beim 1:1 gegen Mainz drei Minuten vor Schluss eingewechselt wurde und damit sein Bundesligadebüt feierte: Er hat seine Stärken beim Einlegen des Vorwärtsganges, in der reinen Verteidigungsarbeit ist er seinem Alter entsprechend noch grün hinter den Ohren. Ob es da eine gute Idee wäre, ihn gerade gegen die bärenstarke Bayer-Offensive sein erstes Bundesligaspiel von Beginn an bestreiten zu lassen? "Eine Option ist er auf jeden Fall", sagt Köllner, betont aber zugleich, dass es noch völlig offen sei, ob er diese auch zieht. Wenn nicht, muss er auf jeden Fall improvisieren.

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Wieder mit Dreierkette?

Eine Variante wäre es in diesem Fall zum Beispiel, wie auf Schalke erneut mit einer Dreierkette zu agieren - aber mit Ewerton statt Ondrej Petrak in der Mitte und Letzteren dann auf rechts zu ziehen. Die Schnelligkeit wie auch das nötige Zweikampfverhalten hätte der dienstälteste Club-Profi, was er als Zentrumsspieler andererseits aber gar nicht hat: Bahn-Erfahrung. "Bei uns kann jeder alles spielen", fügt Köllner schelmisch an, selbstredend ohne sich Konkretes entlocken zu lassen.

Köllner: "Wir können nicht nur einen Plan A haben"

Außer Frage steht indes, was der Club am Montag auf den Platz bringen muss, will er gegen das laut seinem Coach "spielerische Schwergewicht der Liga" eine Chance haben: ein jederzeit kompaktes Verteidigungsnetz - und da ist es völlig unerheblich, ob der Club früh stört oder aus einer eher tiefen Staffelung agiert. Bei diesen beiden Marschrouten gibt es für Köllner ohnehin kein Entweder-Oder, sondern nur ein Und. "Wir können nicht nur einen Plan A haben, es wird unterschiedliche Phasen in der Partie geben, in den wir unterschiedliche Pläne haben müssen. Wir können nicht von der ersten bis zur letzten Minute hoch pressen, aber auch nicht nur tief stehen", betont er, der den kommenden Gegner in den höchsten Tönen lobt: "Extrem hohe Qualität, sehr attraktive Spielweise - und das über viele Jahre hinweg."

Könnte man auch als Wir-haben-keine-Chance übersetzen. Allerdings nur, wenn man Köllner nicht kennt. "Es ist zwar sehr schwer, aber das ist ja das Schöne am Fußball: Wenn wir es als Mannschaft über die komplette Spieldauer richtig gut machen, haben wir eine echte Chance." Ein Wenn, das eines ausschließt: individuelle Fehler à la Schalke beim 2:5. "Für uns ist die Bundesliga ein Lernprozess, das schließt Fehler mit ein", so der 48-Jährige milde, um einzuschränken: "Neue Fehler, in Ordnung! Einen alten Fehler aber zu wiederholen, ist schon ein harter Schlag für mich und uns." Plausibel, andererseits sind die individuellen Fehler auch erklärbar, wer sich am Limit bewegt, ist immer auch dem Patzen nahe. Oder, ums mit Köllner zu sagen: "Es gibt keinen Gegner in der Bundesliga, der bei uns keine Fehler erzwingen kann." Wie gesagt, herausfordernd, die Liga und am Montag Bayer.

Christian Biechele

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