SC-Trainer will seine Spieler in Dortmund mutig sehen

Streich: "Müssen an der extrem obersten Kante spielen"

Christian Streich

Lieber "nicht zu viel Input sammeln": Christian Streich vor dem Spiel gegen Dortmund. imago

Man kann auch "zu viel Input sammeln", erklärte Streich seine Fernsehabstinenz am Mittwochabend. Er verglich das mit einem Besuch im einem Museum, in dem viele große Meister hängen: "Dann bist du fünf Stunden drin, um alle intensiv anzuschauen, und die letzten zweieinhalb Stunden siehst du nichts mehr von den Bildern, da gehst du lieber zweimal hin." Genauso will er es auch mit seinen Spielern halten, er will sie vor der Partie beim Tabellenführer nicht mit Informationen überfrachten. "Du darfst ihnen nicht zehn Szenen zeigen, sondern vielleicht zwei, eine wenn du höher stehst und eine wenn du tiefer stehst, und du musst ihnen zeigen, was Dortmund nicht so gut macht, um ihnen Mut zu geben."

Viel ist es nicht, was Dortmund in dieser Saison nicht gut macht, das weiß auch Streich, der vor dem "saumäßigen Tempo" des Gegners warnt. Die Chance liege darin, dass die Dortmunder "auch Risiko gehen" und "zuhause etwas bieten müssen". Erst eine Mannschaft hat in dieser Saison einen Punkt in Dortmund geholt, und auch das führt der SC-Coach als Mutmacher an, denn es waren die Berliner, bei denen die Freiburger ebenfalls Unentschieden gespielt haben.

Extrem schnell - mit dem Kopf und mit den Beinen

Damit beim BVB ein weiteres Erfolgserlebnis hinzu kommt, müsse der SC allerdings "an der extrem obersten Kante spielen, und wir müssen extrem schnell sein - mit dem Kopf und mit den Beinen". Denn mit der Mannschaft der Vorsaison, bei der die Freiburger erst in der Nachspielzeit einen möglichen Sieg vergaben, habe das Team von Lucien Favre nichts mehr zu tun. Dafür sorgen laut Streich schon Neuzugang Axel Witsel und ein gesunder Marco Reus: "Diese zwei Personalien haben die Qualität schon gesteigert, und dazu kommen alle anderen jungen Burschen, die ein Jahr Erfahrung gesammelt haben."

Beim 2:2 im Januar hatte Nils Petersen beide Treffer erzielt, einen davon aus 40 Metern, der in der ARD-Sportschau zum "Tor des Monats" gewählt wurde. Nach einer Verletzungspause und einem Kurzeinsatz gegen Bremen könnte er am Samstag wieder zur Startelf gehören. "Er hat trainiert und es ist eine Option, dass er anfängt", sagte Streich. Fehlen wird hingegen erneut der ungarische Nationalstürmer Roland Sallai (Adduktorenverletzung). Ob Lucas Höler wieder zur Startelf gehören wird, ließ der SC-Trainer offen, obwohl er ihn nach dem Unentschieden gegen Bremen noch für einen guten und läuferisch starken Auftritt gelobt hatte. Die beiden vergebenen Konterchancen in der Schlussphase werden Höler weniger beschäftigt haben als das unglücklich eingeleitete Gegentor zum späten Ausgleich, vermutete Streich. "Ich habe ihm gesagt, er soll am besten trainieren, die Bälle vorne reinschießen und hinten wegköpfen, und wenn er gut trainiert, kickt er wieder."

"Wir werden nicht 6-4-0 spielen"

Ob der Sport-Club in Dortmund wieder auf eine Dreierkette setzen wird, wollte Streich nicht verraten. Dafür würde sprechen, dass alle drei Mannschaften, die gegen den BVB in dieser Saison einen Punkt geholt haben , mit diesem System gespielt haben. Dass sich seine Mannschaft gegen Bremen mit dieser Taktik offensichtlich wohl gefühlt hat, ist für den SC-Coach jedenfalls kein Argument, denn "wir können nie den Gegner unberücksichtigt lassen". Einfach immer beim System zu bleiben, das einmal gut funktioniert hat, "wäre kein Selbstverständnis, sondern ein Höllenfahrtskommando". Streich will seine Mannschaft auch nicht zu defensiv einstellen, sondern so, dass "wir verschiedene Bereiche haben, wo wir versuchen Dortmund abzufangen - also wir werden nicht 6-4-0 spielen, außer Dortmund ist so überragend, dass sie dafür sorgen, aber das hoffe ich nicht".

Daniela Frahm