Englischer Zweitligist mit deutschem Trainer im Aufwind

Das "deutsche" Norwich: Wie Farke Vögel das Fliegen lehrt

Daniel Farke und Moritz Leitner

Ein eingespieltes Duo: Daniel Farke und Moritz Leitner. imago (2)

"Halt", bremst Farke, wenn das Wort "Aufstieg" fällt. "Es liegen noch 29 Spiele vor uns. In Deutschland wäre also fast noch eine ganze Saison zu spielen." Weil Englands zweite Liga, die Championship, mit 24 Mannschaften besetzt ist, hat eine Saison stolze 46 Spieltage und Norwich deshalb laut Farke bis zur nächsten Länderspielpause im März einen "Pflichtspiel-Ritt im Drei-Tages-Rhythmus".

So ist die Tabellenführung nach vier Siegen in Folge zwar "fraglos eine hervorragende Situation", wie Farke im großen Interview mit dem kicker (Donnerstagsausgabe) erklärt, "und die müssen wir auch auskosten". Aber mehr als eine Momentaufnahme ist es eben nicht, dafür kann es auch viel zu schnell wieder bergab gehen: Tabellenführer Norwich (33 Punkte) trennen nur sechs Zähler von Platz sieben (Nottingham Forest); also einem Rang, der am Ende nicht mal für die Aufstiegs-Play-offs genügen würde.

Farkes Fußball: "Es ist meine absolute Grundüberzeugung"

Anderthalb Jahre ist Farke, vorher Trainer von Borussia Dortmunds zweiter Mannschaft, jetzt Coach bei den "Canaries", den Kanarienvögeln. Nach einer durchwachsenen Debüt-Saison (Platz 14) trägt seine Spielidee nun Früchte. "Wir werden immer unzufrieden sein, wenn wir den Ball nicht haben", sagt er über sein junges Team, in dem gleich neun deutsche bzw. deutschsprachige Profis kicken. "Wir wollen Lösungen finden, auch gegen kompakte Gegner. Es ist meine absolute Grundüberzeugung, dass du nur dann langfristig erfolgreich sein kannst, wenn du eine klare Philosophie verfolgst und du konsequent danach arbeitest. Das ist unser Schlüssel - und das wird registriert."

Registriert hat nicht nur Farke, dass in Norwich plötzlich einer aufblüht, der das in Dortmund, Stuttgart, Augsburg und in Rom nie richtig geschafft hat. Moritz Leitner "gilt als einer der Topspieler der Liga", erzählt sein Trainer. Im Mittelfeld der Canaries ist der immer noch erst 25-Jährige der Strippenzieher, erzielte zuletzt beim spektakulären 4:3-Heimsieg gegen Millwall sein zweites Saisontor, "ist in seiner Persönlichkeit extrem gewachsen und zeigt eine tolle Arbeitseinstellung". Farke kann "Moritz nur ein riesiges Kompliment aussprechen. Wie er sich in dieser Liga, die zu den physisch härtesten der Welt gehört, durchgesetzt hat, ist herausragend."

Leitner ist nicht Farkes einziger deutscher Leistungsträger

Leitner ist nicht der einzige Deutsche, dessen Dienste Farke besonders schätzt. Der Ex-Braunschweiger Onel Hernandez wirbelt auf dem linken Flügel, auf der Zehn wechseln sich der Ex-Bochumer Marco Stiepermann und der Ex-Paderborner Mario Vrancic (beide ebenfalls mit Dortmunder Vergangenheit) ab, im Abwehrzentrum ist der Ex-Wolfsburger Timm Klose gesetzt und vorne ist der Ex-Schalker Teemu Pukki Citys Toptorjäger.

Doch ausgerechnet jener, der als eine der größten Hoffnungen in die Saison gegangen war, kommt noch nicht zum Zug. BVB-Leihgabe Felix Passlack ist ohne Einsatzminute in der Championship, fehlt häufig sogar ganz auf dem Spielbogen. "Gäbe es die Homegrown-Regel nicht", versichert Farke, "wonach sieben Spieler im Spieltagsaufgebot in England ausgebildet worden sein müssen, stünde er wesentlich häufiger im Kader bei uns."

Passlacks Problem: Einer ist besser

Felix Passlack (re.)

Nicht für jeden läuft es: Moritz Leitner (li.) blüht auf, Felix Passlack muss warten. imago

Doch Passlack hat ein entscheidendes Problem, auch wenn Farke "wirklich sehr zufrieden" mit ihm ist: "Für ihn es unglücklich gelaufen, dass ausgerechnet auf seiner Position mit (Max) Aarons ein anderer Spieler durch die Decke geht."

Aber so ist das momentan in Norwich, wo "alle Kanarienvögel im Umkreis von 160 Meilen" fliegen, obwohl "wir permanent schwierige Entscheidungen treffen müssen. Man funktioniert in diesen Phasen, in denen alle drei Tage ein Spiel ansteht, eigentlich nur." Aber im Moment, registriert Farke mit einem Lächeln, "funktionieren wir ganz gut".

mkr/md

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