Bundesliga

"Kalte Pyrotechnik": Dänen testen im Dezember

Fanbeauftragte aus Deutschland bei Präsentation vor Ort

"Kalte Pyrotechnik": Dänen testen im Dezember

Kasper Schmeichel

Pyrotechnik und Rauchtöpfe - derzeit in Fußball-Stadien noch verboten. imago

Schon vor Jahren hatte der dänische Erstligist Bröndby IF von Pyrotechniker Tommy Cordsen legale Fackeln entwickeln lassen , die deutlich weniger Hitze entwickeln sollten. Ende 2018 sollen die neuen Produkte nun in der höchsten dänischen Spielklasse erstmals in größerem Rahmen getestet werden. 1000 der Fackeln, die lediglich etwa 230 Grad Celsius heiß werden und nicht bis zu 2000 Grad wie die herkömmliche Pyrotechnik, werden dann abgebrannt werden. Dies berichtet die "ARD Radio Recherche Sport". Auch Schwedens Oberhaus plant demnach einen Probelauf.

Weitere Vorteile der "kalten Pyrotechnik": Sie entwickelt so gut wie keinen Rauch, kann mit Wasser gelöscht werden und bietet "neue künstlerische Möglichkeiten" wie verschiedene Farben, um "zum Beispiel ein Logo oder eine Fahne" nachahmen zu können, so Cordsen. Und: Das Produkt trägt das CE-Prüfzeichen und kann damit theoretisch europaweit in jedem Supermarkt verkauft werden.

DFL, Werder, Schalke, Mainz und St. Pauli vor Ort

Auch in Deutschland stößt die einer großen Wunderkerze ähnelnde Neuentwicklung auf Interesse. Ein Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL), die Fanbeauftragen von Werder Bremen, Schalke 04 und Mainz 05 sowie ein Vertreter vom Fanladen des FC St. Pauli ließen sich die Entwicklung in Stockholm präsentieren. "Alle waren sehr positiv überrascht und auch zuversichtlich, dass das vielleicht etwas für die Zukunft sein kann", wird Sven Langer vom Fanladen St. Pauli zitiert: "Die nächsten Schritte müssten jetzt sein, dass man sich mit den Verbänden zusammensetzt, die Sicherheitsbehörden frühzeitig mit einbezieht und auch die Vereine und die Fans, um dann gemeinsam zu gucken, welche Wege wir finden können, um das Abbrennen von 'kalter Pyrotechnik' im Stadion zu ermöglichen."

Gabler: Neue Chance zur Konfliktbewältigung

Der Deutsche Fußball-Bund wollte zum Thema aktuell keine Stellung beziehen, unterstrich jedoch in einem Schreiben an das ARD-Recherche-Team: "Der DFB hat seine Position zum Thema Pyrotechnik bereits mehrfach dargestellt." Das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen verwies unterdessen darauf, dass auch "kalte Pyrotechnik" mit erheblichen Unfallrisiken bei großen Menschenansammlungen verbunden sei, weswegen sie aus polizeilicher Sicht in Stadien nicht zum Einsatz kommen dürfe.

In den Augen von Fanforscher Jonas Gabler bietet das neue Produkt dennoch eine Chance. DFB und DFL könnten nun ihr striktes Nein zur Pyrotechnik überdenken. Auch Langer würde es begrüßen, "Alternativen zu überprüfen", um "eine weitere Eskalation des aktuellen Konflikts" zu verhindern.

Sein Fazit: Die neue Fackel könne "mittelfristig auf jeden Fall zu einem Kurvenbild und einer bunten Fankultur beitragen" - und bestenfalls das Konfliktfeld "Pyrotechnik im Stadion" sogar auflösen.

aho