Bundesliga

Köllner: "Deswegen hatten wir keinen Punch"

Länderspielpause kommt dem FCN gelegen

Köllner: "Deswegen hatten wir keinen Punch"

Tim Leibold

Spricht von einem herben Rückschlag: Tim Leibold. imago

Das 0:2 zu Hause gegen das Schlusslicht aus Stuttgart hat die Franken nämlich weitaus härter getroffen als die 0:7- und 0:6-Packungen in Dortmund und Leipzig. Gut, die waren jetzt gelinde gesagt auch nicht gerade schön, besonders mit Hinblick auf die Tordifferenz, anderseits hatten da die Gegner eine Qualität, die dem Torhagel die Wucht nahm. Nicht zu vergessen, dass es sich beim BVB und bei RB um Klubs handelt, die zwar in derselben Spielklasse unterwegs sind, sich aber im Vergleich zum Aufsteiger in einer anderen Liga bewegen. Somit gaben beide Pleiten nicht den Anlass, um grundlegende Zweifel an der Ligatauglichkeit aufkommen zu lassen.

Anders sah es da schon am Samstag aus. Mit dem krisengeplagten VfB sah man sich auf Augenhöhe und deswegen die große Chance, sich von unten ein klein wenig absetzen zu können. Kein Wunder also, dass es den Schützlingen von Trainer Michael Köllner dann schon ins Mark fuhr, gegen zunächst verunsicherte wie fahrig agierende Schwaben chancenlos geblieben zu sein. "Es war ein wichtiges Spiel für uns. Es 0:2 verloren zu haben, ist ein herber Rückschlag", betont Linksverteidiger Tim Leibold, um sich zugleich auf Ursachenforschung zu begeben: "Wir haben zu wenig investiert."

Spielersteckbrief H. Behrens
H. Behrens

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Spielersteckbrief Leibold
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Trainersteckbrief Köllner
Köllner

Köllner Michael

Keine einfache Aufgabe für den Club

Klingt nach "Ist einfach abzustellen". Nur, einfach ist nicht, denn am Willen haperte es eben gerade nicht, da ist sich der Trainer sicher. "Die Liga ist für uns extrem fordernd und führt uns immer ans Limit", sagt Köllner, was nichts anderes bedeutet: Am Samstag haben die fünf, bis zehn Prozent an mentaler und körperlicher Frische gefehlt, um die Schwaben so zu beschäftigen und in Bedrängnis zu bringen, wie dies beim Heimspiel zuvor gegen die Eintracht aus Frankfurt phasenweise gelungen ist.

Nürnberg: fehlende Frische, fehlender Punch

Michael Köllner

Lässt sich seinen Optimismus nicht nehmen: FCN-Trainer Michael Köllner. imago

Ein gutes Beispiel war dafür Kapitän Hanno Behrens, der zwar wie immer fleißig im zentralen Mittelfeld Meter um Meter abriss, aber dem Spiel nach vorne wenig Impulse verleihen konnte und nach 70 Minuten ausgewechselt wurde. "Hanno hat in den vergangenen Wochen ein hohes Pensum abgespult", begründet sein Trainer. Die generelle Chancenarmut gegen den VfB lag freilich nicht nur an der fehlenden Frische eines Führungsspielers. "Bei eigenem Ballbesitz war unser Positionsspiel schlecht, deswegen hatten wir keinen Punch", erklärt Köllner.

Dass dies dennoch nicht zwangsläufig in eine Niederlage hätte münden müssen, steht auf einem anderen Blatt. "Solche Tage gibt es, an denen nach vorne einfach nichts zusammengeht. Aber dann darfst du dann hinten eben nichts anbrennen lassen", sagt Leibold. Sein Trainer pflichtet ihm vorhaltlos bei. So verdient die Niederlage seiner Meinung nach angesichts der schlechtesten Saisonleistung war, so ärgerlich, weil vermeidbar, war sie dennoch. "Beide Gegentore fallen im Anschluss an einen Eckball aus dem Rückraum, wären somit mit etwas mehr Aufmerksamkeit und Cleverness vergleichsweise leicht zu verteidigen gewesen. Aber das gehört zu unserem Lern-und Reifeprozess dazu. Das nächste Mal gehen wir aus so einem Spiel mit einem 0:0 raus", blickt Köllner optimistisch voraus.

Länderspielpause kommt gelegen

Ein Optimismus, der auch darin begründet liegt, dass jetzt Länderspielpause ist. In seiner Amtszeit hat der gebürtige Oberpfälzer diese bislang immer so nutzen können, dass seine Mannschaft gestärkt aus ihr herausging. Kein Wunder also, dass sie ihm gelegen kommt, die Pause. "Schon vor der Partie gegen den VfB habe ich mich unabhängig vom Ergebnis auf sie gefreut", so Köllner, der im Vergleich zur Konkurrenz einen Vorteil hat: Während bei anderen Klubs die Akteure in Mannschaftsstärke teilweise um die Welt jetten, fehlen ihm mit Törles Knöll (U 21) und Adam Zrelak (Slowakei) nur zwei Spieler.

Der Club-Kader kann also, die richtige Belastungssteuerung vorausgesetzt, regenerieren, zu frischen Kräften kommen und zugleich weiter an seinen Defiziten wie einem druckvollen Spielaufbau feilen - was angesichts des anstehenden Programms von großer Bedeutung ist. Erst geht es nach Schalke, dann kommt Leverkusen, ehe der Gang zu den Bayern ansteht. Happig, aber kein Grund ins Zähneklappern zu verfallen. "Dass wir mit Rückschlägen umgehen können, haben wir ja mehrmals bewiesen", sagt Leibold, während sein Coach die Parole ausgibt, dass man jetzt mal auswärts etwas holen muss, "wo möglich keiner damit rechnet." Auf Schalke am übernächsten Samstag wäre doch gleich eine prima Gelegenheit.

Christian Biechele

Bilder zur Partie 1. FC Nürnberg - VfB Stuttgart