Freiburg: Stürmer zu dem 1:1 bei den Bayern

Höler: "Wir hatten einen perfekten Plan"

Lucas Höler

Bekam einen "perfekten Ball" und verwandelte ihn: Lucas Höler. imago

Herr Höler, vor einer Woche trafen Sie gegen Borussia Mönchengladbach aus 47,5 Metern, gegen die Bayern nun aus kurzer Distanz: spektakuläre Tore scheinen Ihnen zu liegen, oder?

(grinst) Ja, auf jeden Fall. Es kann gerne so weitergehen.

Wie haben Sie Ihren Treffer erlebt?

Als der Tim (Kleindienst, Anm. d. Red.) ausgewechselt wurde, war klar, dass ich jetzt die alleinige Spitze bin, mein Platz war zwischen Süle und Boateng. Ich habe gesehen, dass Günni (Christian Günter, Anm. d. Red.) links den Ball kriegt und dann ist es ja klar, dass er ihn hinter die Kette haut. Ich musste nur aufpassen, dass ich nicht zu früh loslaufe, um nicht im Abseits zu stehen. Der Ball kam perfekt, sodass ich ihn einfach nur noch über die Line drücken musste.

Und danach gab es kein Halten mehr.

Es war richtig geil. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man in der 80. Minute das 0:1 kriegt und so zurückkommt. Ich wusste, dass Günni solche Bälle hinter die Abwehr spielen kann. Nach dem Schlusspfiff war es natürlich die pure Freude, die pure Erleichterung, dass wir uns hier mit dem Punkt belohnt haben.

Mit einem Punkt für Ihr Team rechneten wohl die wenigsten. Auch, weil mit Nils Petersen und Florian Niederlechner Freiburgs etatmäßige Stürmer verletzt fehlten.

Ich denke, wir haben einen breiten Kader, da kann jeder für den anderen einspringen. Es ist natürlich bitter, dass Florian und Nils verletzt sind, aber wir haben das auch ganz ordentlich gemacht.

Mit "Wir" meinen Sie Tim Kleindienst, der zuvor auch wenig spielte, und sich. Da scheinen sich diesmal zwei gefunden zu haben.

Ja, auf jeden Fall. Der Trainer hat gesagt, wir sollen im 4-4-2 kompakt stehen, 45 Meter vom Tor entfernt, und uns richtig auskotzen - ich denke, das haben wir gut gemacht. Die kleinen Nadelstiche, die wir setzen konnten, haben wir zwar nicht so gut ausgespielt, aber am Ende hat dieser eine Moment halt gereicht.

Dieser eine Moment, Ihr Tor, brachte Freiburg einen Punkt – in München, in der Allianz-Arena. Sind Sie endgültig in der Bundesliga angekommen?

So kurz nach dem Spiel kann ich das gar nicht so genau sagen. In der letzten Runde habe ich auch 14 Spiele gemacht, insgesamt war ich damit recht zufrieden. Aber zwei Tore in zwei Spielen zu machen, der Mannschaft zu helfen, ist natürlich überragend. Der Trainer weiß, dass er mich immer bringen kann.

Die Bayern präsentierten sich andererseits ziemlich schwach. Sehen Sie das auch so?

Ich denke, wir hatten einen perfekten Plan, der sehr gut von uns als Mannschaft umgesetzt wurde. Ja, die Bayern sind natürlich momentan nicht so drauf, wie man sie kennt, aber sie haben trotzdem sehr gute Einzelspieler. Wir haben es sehr gut gemacht, den Punkt haben wir uns verdient.

Torhüter Alexander Schwolow lobte Ihre Einstellung, sagte, dass Sie Ihre Chance genutzt hätten. Sie haben in dieser Saison bislang nicht viel gespielt, müssen aber dennoch immer voll da sein – wie schwierig ist das?

Natürlich ist es hart, jeder möchte spielen. Aber wenn du einen Nils Petersen und einen Florian Niederlechner im Kader hast, dann ist klar, dass die einen Bonus haben, weil sie für den Verein schon so viel geleistet haben. Da muss man sich hinten anstellen, auf die Chance warten und sie nutzen. Ich denke, das habe ich jetzt ganz gut hinbekommen. Der Trainer weiß, dass er auf mich setzen kann, wenn er mich braucht. Ich versuche weiter Gas zu geben, um noch so viele Spiele wie möglich zu machen.

Nächste Woche empfängt Ihr Team Mainz, ein richtungsweisendes Spiel gegen einen direkten Konkurrenten um den Ligaerhalt.

Wir werden den Sieg jetzt erst mal ein, zwei Tage genießen und uns von der englischen Woche ausruhen. In der kommenden Woche werden wir dann ganz normal trainieren. Für das Spiel gegen Mainz wird uns der Trainer dann hoffentlich wieder einen perfekten Plan mitgeben - dann schauen wir, wie wir diesen am Samstag umsetzen können.

Aufgezeichnet von Moritz Scheidel

Bilder zur Partie Bayern München - SC Freiburg