DFB-Pokal: Berliner Joker stechen - Clevere "Wölfe"

Bayern kommt mit blauem Auge davon - HSV weiter

Stark begonnen, dann abgebaut: Die Spieler des FC Bayern München, hier beim Jubel über das 1:0.

Stark begonnen, dann abgebaut: Die Spieler des FC Bayern München, hier beim Jubel über das 1:0. imago

Rödinghausen verkauft sich prima gegen die Bayern

An der Bremer Brücke in Osnabrück hatte Regionalligist SV Rödinghausen den großen FC Bayern München zum "Spiel des Jahres" zu Gast - und hielt bei strömendem Regen gegen ersatzgeschwächte Münchner zumindest sieben Minuten lang die berühmte Null. Dann aber ließ der Rekordmeister seine Klasse aufblitzen: Rafinha chippte den Ball zu Renato Sanches, der volley quer zu Wagner legte, der seinerseits wiederum volley zum 1:0 vollendete (8.). Kurz darauf brachte Müller den Favoriten per Foulelfmeter (Kunze an Renato Sanches) auf Kurs (13.). Das 2:0 war Ausdruck der klaren Überlegenheit der Bayern, die nach 22 Minuten wieder einen - diesmal aber schmeichelhaften - Strafstoß (Velagic an Goretzka) zugesprochen bekamen, Renato Sanches traf nur die Latte (23.).

Das war ein Knackpunkt im Spiel, denn auf einmal riss beim Favoriten der Faden. Es hatte den Anschein, als würde die Kovac-Elf das Spiel auf die leichte Schulter nehmen. Und das rächte sich nach dem Seitenwechsel: Meyer glückte der vielumjubelte Anschlusstreffer (50.). Der FCB tat sich schwer und hatte zudem zweimal Pech: zuerst bei Alabas Alu-Treffer (64.), dann musste Thiago auch noch verletzungsbedingt runter (75.). Weil Rödinghausen offensiv nicht mehr in Erscheinung trat, reichte es dennoch für die Bayern, die sprichwörtlich mit einem blauen Auge davonkamen.

Toller Start für Heidenheim

Einen tollen Start hatte Heidenheim im Zweitligaduell gegen Sandahausen. Nach einem Foul von Kulovits an Dorsch gab es Elfmeter für den FCH, Schnatterer verwandelte sicher (8.). Die Heidenheimer blieben auch danach aktiver und legten in der 20. Minute nach - und das besonders sehenswert: Dovedan traf aus 16 Metern volley zum 2:0. Erst danach wachte der SVS auf und sorgte seinerseits für Gefahr: Vollmann scheiterte zuerst per Freistoß an Torwart Müller (30.) und schoss anschließend daneben (32.). Im weiteren Verlauf passierte nicht mehr allzu viel, auch weil der FCH dichtmachte und der SVS keine zündenden Ideen hatte. So erreichten die Heidenheimer dank einer konzentrierten Leistung das Achtelfinale.

HSV-Anhänger trüben Lasoggas Freude

Pierre-Michel Lasogga

Hamburger Doppelpacker: Pierre-Michel Lasogga. imago

Der Hamburger SV war in Spiel zwei unter Neu-Coach Hannes Wolf beim SV Wehen Wiesbaden zu Gast und ging in der 21. Minute durch Lasogga in Führung - SVWW-Schlussmann Kolke sah nicht gut aus. Der Drittligist gab sich nicht auf, war anschließend um den Ausgleich bemüht und kam gegen keineswegs stabile Hamburger sogar zu Chancen, nutzte diese aber nicht. Unmittelbar nach Wiederanpfiff schlug Lasogga ein zweites Mal zu (51.). Seiner Freude machten dann aber die eigenen Anhänger einen Strich durch die Rechnung, weil Pyrotechnik gezündet wurde. Referee Matthias Jöllenbeck hatte die Nase gestrichen voll und unterbrach die Partie für knapp acht Minuten, pfiff dann aber wieder an. Es gab eine klare Warnung: Beim nächsten Mal Pyro würde das Spiel abgebrochen - und das zeigte offenbar Wirkung, auf den Tribünen blieb es fortan ruhig, auf dem Platz weniger. Weil aber Schäffler (60.) und Kyereh (64.) HSV-Keeper Pollersbeck nicht bezwingen konnten und Douglas Santos entscheidend abstaubte (90.+7), durften die Rothosen am Ende einen 3:0-Erfolg für sich verbuchen.

Flottes Spiel und Verlängerung in Augsburg

Ein richtig flottes Spiel lieferten Augsburg und Mainz ab. Ohne Kapitän Baier geriet der FCA in einem unterhaltsamen Duell, das Chancen hüben wie drüben zu bieten hatte, nach 20 Minuten in Rückstand - Mwene traf für die Nullfünfer, die anfangs die bessere Mannschaft waren und immer wieder gefährlich konterten. Allerdings waren auch die Augsburger nicht zu verachten, gerade bei Standards oder über Flügel sorgten die Gastgeber für Gefahr. Ein Flankenball war dann auch Ausgangspunkt für den Ausgleich, den allerdings Bell per Eigentor markierte (40.). Quaison stellte jedoch nach schwacher Augsburger Abwehrleistung aus 18 Metern den alten Abstand wieder her - 2:1 (45.). In Hälfte zwei verteidigte der FSV seinen Vorsprung lange, musste letztlich aber doch in die Verlängerung, weil Gregoritsch überlegt einschob (86.). Als Caiuby per Kopf die Fuggerstädter erstmals in Führung brachte (105.), brandete tosender Jubel auf den Tribünen auf. Weil die Mainzer Schlussoffensive anschließend verpuffte, darf der FCA also weiter von Pokalschlagern träumen.

Fortuna dreht nach Ulmer Blitzstart auf

Das schnellste Tor des Pokalabends: Morina (l.). trifft nach 12 Sekunden für Ulm.

Das schnellste Tor des Pokalabends: Morina (l.). trifft nach 12 Sekunden für Ulm. imago

Fortuna Düsseldorf macht schwere Zeiten durch. In der Liga wartet der Aufsteiger seit sechs Spielen auf einen Sieg, kassierte gar fünf Niederlagen in Serie. Im Pokal hofften die Rheinländer auf Besserung, in Ulm legte F95 zunächst aber einen Katastrophenstart hin: Nach Gießelmann-Fehler traf Morina bereits nach 13 Sekunden - das schnellste Pokal-Tor seit Start der detaillierten Datenerfassung 2008/09. In Schockstarre verfielen die Fortunen ob des Rückstands dennoch nicht, Ducksch (15.), Hennings (33.) und Lukebakio (37./43.) sorgten noch vor der Pause für die Wende. Mit dem 4:1 war im Grunde alles klar, Ulm hatte nicht die Mittel, um noch für eine Sensation zu sorgen und schied folglich aus. Vielmehr machte es Ducksch mit seinem Doppelpack (70.) deutlich - 5:1.

Chemie scheidet als letzter Fünftligist aus

Chemie Leipzig war der einzige Fünftligist in Runde 2 und hoffte gegen den SC Paderborn auf die nächste Überraschung - letztlich vergeblich. Im gut gefüllten Alfred-Kunze-Sportpark, der erstmals in seiner fast 100-jährigen Geschichte im Flutlicht erstrahlte, legten Gueye (18.) und Hünemeier (28.) - jeweils nach einem Eckball - den Grundstein fürs Weiterkommen. Spielerisch hielt Chemie zwar mit, hatte bei ruhenden Bällen aber immer wieder Probleme und musste die Partie auch noch in Unterzahl zu Ende bringen - Wendt sah nach einer Grätsche von hinten Rot (54.). Gueye (59.) sorgte mit dem 3:0 noch für den standesgemäßen Sieg der Paderborner, die demnach für die erste Saisonniederlage der Sachsen verantwortlich waren.

Mehmedi macht's für clevere Wölfe

Umjubelter Wolf: Admir Mehmedi (#14).

Umjubelter Wolf: Admir Mehmedi (#14). imago

Im Niedersachsen-Duell in Hannover ergriff Wolfsburg nach kurzer Abtastphase die Initiative und ging nach 20 Minuten durch einen sehenswerten Treffer von Mehmedi in Führung. Danach verwalteten die Wölfe clever, legten aber nicht nach und wären dafür beinahe bestraft worden - Bebou verzog jedoch (45.). Durchgang zwei hatte kaum Unterhaltungswert: Wolfsburg tat nicht mehr als nötig, um den knappen Vorsprung gegen ideenlose Hannoveraner zu halten. In der Nachspielzeit stolperte Weghorst auf kuriose Weise - er wurde von Walace angeschossen - den Ball noch zum 2:0 (90.+3) in die Maschen. Für 96 war es der "passende" Schlusspunkt an einem gebrauchten Tag, die Wölfe werden das Spiel wohl unter der Kategorie Arbeitssieg verbuchen.

Dardai beweist goldenes Händchen

Aufgrund zu hohen Verkehrsaufkommens startete die Partie zwischen dem SV Darmstadt 98 und Hertha BSC mit einer 15-minütigen Verspätung. Und auch sonst brauchte die Begegnung eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Die Hertha hatte zwar mehr Spielanteile, tat sich aber sehr schwer mit den Lilien und hatte in der 37. Minute obendrein Pech, als 98-Schlussmann Heuer Fernandes seinen Kasten mit einer tollen Parade gegen Kalou sauber hielt. Der Zweitligist vertraute auf die klassischen Tugenden Zweikampf- und Laufbereitschaft und hielt sich so wacker. Doch dann zog BSC-Coach Pal Dardai Ibisevic aus dem Hut: Der Bosnier stellte nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung seinen Torriecher unter Beweis und markierte das verdiente 1:0 (64.). Die Darmstädter wollten es danach wissen, der SVD entdeckte seinen Offensivgeist und drängte auf den Ausgleich. Doch fehlte es die Durchschlagskraft. Die Entscheidung fiel schließlich in der 88. Minute: Nachdem Duda hängengeblieben war, staubte Mittelstädt zum 2:0 - der zweite Berliner Joker, der stach. Das war dann auch der Endstand.

drm