PSG droht nach 2:2 gegen Neapel das frühe Aus

Anweisungen nicht befolgt: Tuchels Alarm-Analyse

Thomas Tuchel

Aufgebracht: PSG-Trainer Thomas Tuchel gegen Neapel. imago

Wie gut verstehen sich eigentlich Edinson Cavani und Neymar inzwischen? 72 Sekunden mussten in Paris St. Germains Champions-League-Heimspiel gegen Neapel nur vergehen, um den aktuellen Beziehungsstatus zu klären. Nach Vorlage von Kylian Mbappé wollten beide PSG-Angreifer abschließen, was dazu führte, dass Cavani Neymar von hinten umtrat und zu einer minutenlangen Behandlungspause zwang.

Cavani tritt Neymar kaputt - diese Schlagzeile hätte ja gerade noch gefehlt an diesem vermaledeiten Mittwochabend, der auch so schon genug Anlass für Häme bot: PSG steht nach der Hälfte der Vorrunde vor dem frühesten Champions-League-Aus, seit das Geld aus Katar kommt. Liverpool (6 Punkte) und Neapel (5) führen die Gruppe C vor Frankreichs Meister (4) an. "Ich wusste, dass diese Gruppe superkompliziert werden würde", verteidigte Trainer Thomas Tuchel den bedenklichen Zwischenstand: "Auch wenn es jeder glauben will: Wir sind nicht die Favoriten." Außerdem sei erst "Halbzeit".

In der ersten halben Stunde haben wir nicht zusammen gespielt.

Thomas Tuchel

Nur liegt Tuchels Team nicht zufällig nach dem ersten Durchgang im Hintertreffen. Wie schon in Liverpool (2:3) zeigte es beim 2:2 (0:1) gegen Neapel Schwächen, die einem Titelanwärter, ja selbst einem Teilnehmer in der Champions League unwürdig sind: Während Neapel wie gegen Liverpool (1:0) mit Carlo Ancelottis cleverem Mix aus Vierer- und Dreierkette individuelle Nachteile kompensierte, wirkte PSG zu Beginn wie eine Ansammlung von Einzelspielern, die auf das große Ganze pfiffen, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig abgrätschten. "Teilweise blamabel" fand es die Zeitung "Ouest France".

Meunier gibt zu, die Anweisungen "nicht wirklich befolgt" zu haben

"Auf diesem Top-Level dürfen wir unsere Struktur nicht verlieren, nicht so einfache Bälle herschenken", lautete Tuchels alarmierende Analyse. "Wir müssen uns strukturell, aber auch mental verbessern. Ohne Kompaktheit gibt es keine Intensität." Seinen Spielern falle es "schwer, den Matchplan eine ganze Halbzeit lang zu respektieren", sie müssten verstehen, wie wichtig es ist, die Positionen zu halten. "In der ersten halben Stunde haben wir nicht zusammen gespielt." Thomas Meunier gab sogar zu, dass die Mannschaft "die Anweisungen nicht wirklich befolgt" habe.

Mit einer entsprechenden Ansprache und der Umstellung auf eine Dreierkette - Thilo Kehrer ersetzte Juan Bernat - verlieh Tuchel ihr im zweiten Durchgang zwar viel mehr Schwung; Angel di Maria rettete in der Nachspielzeit per genialem Schlenzer noch das Remis, Meunier berichtete von einer ganz anderen Körpersprache. Doch ist das wirklich alles, was Katar erwartet?

Das Gerede wird wieder beginnen: Liegt es an der Ligue 1?

Auch Tuchel weiß natürlich, dass seine Vorgänger allesamt entlassen worden waren, weil sie es in Europa nie über das Achtel- oder Viertelfinale hinausgeschafft hatten - und er das endlich ändern soll; dass der Zehn-Siege-aus-zehn-Spielen-Start in der Ligue 1 im Zweifel keinen interessiert, wenn es 2019 in der Europa League weitergehen sollte; und dass das Gerede wieder beginnen wird: Ist die heimische Liga einfach zu schwach, um sich mit dem zu rüsten, was die Champions League erfordert? "Die Ligue 1 ist nicht unser Problem", hält Ersatzkapitän Marquinhos dagegen. "Wir sind selbst unser Problem."

Nur lässt sich ein Fakt nun mal nicht wegdiskutieren: So einen Matchplan respektiert man leichter, wenn man auch im Alltag auf ihn angewiesen ist.

jpe