Kommentar: Bayern entblößt eine ungewohnte Verletzlichkeit

Souverän geht anders

Dünnhäutige Elefanten: Hasan Salihamidzic, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.

Dünnhäutige Elefanten: Hasan Salihamidzic, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. imago

Die Liga lebt. Der FC Bayern bebt. Und das Netz lacht. Wenn es danach geht, ist die Bundesliga zwar nicht die beste, aber Stand jetzt die unterhaltsamste Liga in Europa. Für den hohen Spaßfaktor haben die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß höchstpersönlich gesorgt. In einer mit dem Schlusswort schon legendären Pressekonferenz.

Aber - und jetzt wird's ernst - warum nur? Und warum so?

Es ist das gute Recht, auch des großen FC Bayern und seiner mächtigen Führungsfiguren, sich gegen unsachliche und gar falsche Berichterstattung zu wehren. Dass es ihm nicht gelingt, das gezielte Durchstecken von Informationen und Befindlichkeiten aus den eigenen Reihen an bestimmte Medien einzudämmen, ist dabei ein Aspekt. Dass er zu rechtlichen Mitteln greifen kann, wenn Berichterstattung faktisch falsch ist, ein weiterer. Davon hat der Klub in jüngeren Jahren durchaus Gebrauch gemacht, oder es zumindest versucht. Im Grundgesetz, das Rummenigge bedeutungsschwer zitierte, steht auch der Artikel 5, der die Pressefreiheit gewährleistet, die auch im Freistaat gilt und erfreulich groß ist, aber eben auch rechtsstaatliche Grenzen kennt.

Von "Mia-san-mia"-Rhetorik kaum eine Spur

Über Jahrzehnte reichten in der Regel mit markigen Sprüchen garnierte Ansagen aus der Säbener Straße, um die Meinungsführerschaft im Fußballland wieder für sich zu behaupten. Doch von dieser so emotionalen wie meist clever kalkulierten "Mia-san-mia"-Rhetorik einer kraftvollen, anscheinend zu Ende gehenden Ära hatte die Veranstaltung an diesem Freitag wenig bis nichts.

Jörg Jakob, Leiter kicker-Chefredaktion.

Jörg Jakob, kicker-Chefredaktion. kicker

Mehrere sportlich schwächere Vorstellungen hintereinander, Platz 6, ein auf diesem Niveau noch neuer Trainer Niko Kovac, den es in der Öffentlichkeit zu stützen gilt, sowie die geballte Ladung allgemeinen Frohlockens über seine Krise - das ist ungewohnt für den deutschen Branchenführer. Und der ist offensichtlich weitaus verletzlicher, als alle dachten. Die Dünnhäutigkeit der Elefanten lässt keinen anderen Schluss zu: Beim FC Bayern ist der Druck so groß, dass sie sich diese Blöße gaben.

Der Druck hat sich extrem erhöht

Es ist in Ordnung, dass etwa Rummenigge Spieler wie Manuel Neuer in Schutz nehmen will. Es spricht für Hoeneß, dass er immerhin auf Nachfrage auf Mesut Özil und Karim Bellarabi gezielte Ausdrücke abschwächt, doch unterm Strich hat die Abteilung Attacke als Doppelspitze ein Eigentor geschossen, das so nicht hätte fallen müssen. Denn souverän geht anders. Dazu kommt: Der Druck auf Spieler, Trainer, Sportdirektor und, ja, auch die Chefs, hat sich damit noch einmal extrem erhöht.

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