Der Weltmeister von 1998 kritisiert die DFB-Elf

Dugarry: "Müller ist seit vier Jahren miserabel"

Geht mit dem DFB-Team hart ins Gericht: Weltmeister Christophe Dugarry.

Wird einem (Ex-)Fußballer ein Mikrofon vor den Mund gehalten, scheinen dieser Tage nicht selten pikante Aussagen hinein gesprochen zu werden. In seiner Talksendung "Team Duga", die bei Radio Monte Carlo gesendet wird, kritisierte Dugarry, wie zunächst die WELT berichtete, die aktuelle Situation der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw vehement. Ein mentales Problem erkennt der Weltmeister von 1998 beim Weltmeister von 2014 - der sich binnen vier Jahren nur punktuell verändert hat - aber nicht. "Es mangelt ihnen einfach an Qualität. Ich denke da an Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng."

"Mediale Macht, ein Status der Unantastbarkeit"

Gestandene Profis, die Dugarry aber nicht mehr auf der Höhe sieht - und generelle Missstände im deutschen Fußball erkennt: "Diese Spieler haben eine enorme mediale Macht, die es ihnen erlaubt, immer noch Stammspieler beim FC Bayern und in der deutschen Nationalmannschaft zu sein - obwohl sie das nötige Niveau dafür nicht mehr haben." Überrascht ist der 55-malige Nationalspieler von diesem Dilemma aber nicht: "Es ist ein deutsches Problem, das häufig auftritt. Bestimmte Spieler genießen einen unantastbaren Status, den sie sich durch Sympathie in der Öffentlichkeit aufgebaut haben, der aber nicht mehr mit ihrer Leistung korrespondiert."

Personifiziertes Sinnbild hierfür sei Thomas Müller: "Wie kann Thomas Müller heute noch Teil der deutschen Nationalmannschaft sein? Seit vier oder fünf Jahren ist dieser Junge nicht gut. Um nicht zu sagen miserabel", so Dugarry.

"Sie müssen danach doch weiterspielen dürfen!"

Bundestrainer Löw habe es verpasst, aus den Erfahrungen von Frankreich 2002, Italien 2010 und Spanien 2014 zu lernen - alle waren als amtierende Weltmeister in der WM-Gruppenphase ausgeschieden. Dugarry sieht die Parallelen in erster Linie darin, dass diese Mannschaften, Deutschland 2018 mitinbegriffen, nicht den "mutigen Schritt gegangen sind", rechtzeitig auf die jungen Spieler zu setzen, denen die Zukunft gehört. "Genau diese Jungen haben beim Confed Cup 2017 geglänzt und waren dann wieder abgemeldet. Sie müssen danach doch weiterspielen dürfen", bemängelt der 46-Jährige, der in den letzten Jahren aber auch zu einem der größten Kritiker des französischen Nationaltrainers Didier Deschamps, seinem Kapitän von 1998, geworden ist.

Dessen Fußball ist Dugarry zu defensiv. Aber immerhin erfolgreich, während auch der französische Fußball einige talentierte Spieler in Lauerstellung hat. Es wird sich zeigen, ob der frischgebackene Weltmeister-Trainer Frankreichs frühzeitig auf die neue Situation reagieren wird.

nba