DFB-Auswahl trifft auf Weltmeister Frankfreich

Löw gut gelaunt: "Wir können nur gewinnen"

Joachim Löw

Stellte sich - und gab sich locker: Bundestrainer Joachim Löw. imago

Aus Paris berichtet Karlheinz Wild

Von Niedergeschlagenheit oder gar Resignation keine Spur bei Joachim Löw. Vielmehr möchte der Bundestrainer beim Weltmeister in dessen Stade de France "mutig und mit Dynamik nach vorne spielen", allerdings mit verbesserter Struktur und genauer abgestimmten Automatismen. Da machte er bei der Analyse der Amsterdam-Pleite die wesentlichen Defizite in der Offensive aus.

Defensiv missfiel ihm die erneute, bei der WM in Russland schon fatale Konteranfälligkeit, die er gerade in der Schlussphase nachvollziehbar als "wahnsinnig" empfand. Schon vor der Pause hatten die Niederländer nach zwei abgewehrten deutschen Eckstößen allen Raum der Johan-Cruyff-Arena, trugen diese Tempogegenstöße nur nicht vertikal genug nach vorne. Die Franzosen mit ihrem Supersprinter Kylian Mbappé beherrschen dieses gezielte und effiziente Umschaltspiel aus ihrer dichten Defensive perfekt, sie sind da nach Löws Befund "noch viel stärker und schneller", also müsse bei der Gegenwehr die Zuordnung sofort, konsequent und vereint erfolgen.

"Wir haben in der Gruppe im Moment nichts zu verlieren"

Löw will seine Korrekturen mit verändertem Personal umsetzen. "Natürlich, klar" werde es Änderungen geben, "innerhalb der Mannschaft, was Namen und Personen betrifft". Konkret wurde der DFB-Chefcoach nicht, allerdings ist von einer diesmal intensiveren Verjüngung auszugehen. Sané oder Draxler, Süle für den verletzten Boateng sowieso, sind erste Kandidaten. "Wir haben in der Gruppe im Moment nichts zu verlieren", sagt Löw. "Wir können nur gewinnen." Zwei Siege würden Platz 1 in dieser Gruppe der Nations League bedeuten, eine Niederlage brächte den Weltmeister 2014 dem Abstieg näher. Und würde die Diskussion über diesen Bundestrainer noch mehr befeuern.

Die Kritik, die den 2014er Weltmeistertrainer schon nach dem Desaster bei der WM in Russland - Aus nach der Vorrunde als Gruppenletzter - und nun umso härter nach dem holprigen Neustart traf, könne er zwischen den Spielen "ausblenden", sagte Löw in Paris. "Wenn das alles war, halte ich es aus." Solche Rückschläge kämen für ihn "nicht unerwartet".

Joachim Löw

Blick voraus: Joachim Löw. imago

Warum auch soll nach dieser Desaster-WM plötzlich alles besser sein? Das Anfang September in München wacker errungene 0:0-Remis gegen eben diese frisch gekürten WM-Champions aus Frankreich hat zu großen Optimismus auf eine Schnellheilung des deutschen Fußball-Patienten ausgelöst. Löw spricht nun von einem "Prozess". Der wird sicher dauern. Doch die Ungeduld im erfolgsgewohnten und verwöhnten deutschen Fußballland wächst.

Also werden das Ergebnis sowie der Auftritt der von ihm verantworteten Mannschaft und Strategie für Löws künftiges Standing im Verband und in der Öffentlichkeit wesentlich sein. Löw selbst denkt keinesfalls daran, seinen bis 2022 gültigen Arbeitsvertrag vorzeitig zu kündigen. Den vom DFB-Präsidenten am Sonntag verbreiteten Appell zum Zusammenhalt, der keine Erwähnung des Bundestrainers enthielt, interessiere ihn aktuell nicht, sagte Löw.

Vielmehr sei er vollends damit beschäftigt, "die Mannschaft wieder aufzurichten" und "die richtigen Entscheidungen zu treffen". Am gestrigen Sonntag und dem heutigen Montag sei "der ganze Fokus" voll auf das morgige Spiel gerichtet, "um gegen Frankreich alle Kräfte zu bündeln".

kicker.tv Hintergrund

Taktisch und personell - "Es muss Änderungen geben!"

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